Falle die Deckung durch die Krankenkasse weg, bestehe die Gefahr von Wucherpreisen, sagte Franziska Maurer, Vorstandsmitglied der schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, vor den Medien in Bern. Frauen könnten wieder zu Engelmachern oder Pfuschern gehen. Die Folge wären Komplikationen bis zum Verbluten, Infektionen oder Sterilität, warnte Maurer.

Die dadurch verursachten Kosten würden die von den Initianten ins Feld geführten Einsparungen weit übertreffen, sagte Remo Osterwalder, Vorstandsmitglied des Ärzteverbands FMH. Ohnehin hält der das Argument für einen Vorwand: "Diese Initiative will nicht Kosten sparen, sondern das Rad der Zeit zurückdrehen."

Gefährdete Solidarität

Für die Fachleute steht auch der Solidaritätsgedanke der Grundversicherung auf dem Spiel. "Wird diese Initiative angenommen, stellt sich die Frage, ob Nichtraucher für Raucher, Schlanke für Dicke, Junge für Alte auch noch bezahlen sollen", sagte die Gynäkologin Maurer.

Schliesslich geht es um das gesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht: Dieses könne in der Praxis nur umgesetzt werden, wenn die Grundversicherung die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch übernehme, sagte Christine Sieber von der Beratungsstelle Sexuelle Gesundheit Schweiz.

Tiefe Abtreibungsrate

Für sie ist eine Änderung der Rechtslage auch darum nicht sinnvoll, weil die Schweiz eine im europäischen Vergleich sehr tiefe Schwangerschaftsabbruchrate hat. Auf 1000 Frauen haben in den vergangenen Jahren rund 7 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen. In Schweden sind es rund 21 pro 1000 Frauen, in Frankreich fast 18, in Dänemark 15 und in Italien 10.

Abtreibungen sind in der Schweiz seit gut elf Jahren straffrei: Über 72 Prozent stimmten im Juni 2002 der Fristenlösung zu. Mit der Gesetzesänderung verbunden war die Kostenübernahme durch die Grundversicherung.

Die von religiös-konservativen Kreisen lancierte Volksinitiative "Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache" will dies nun wieder ändern. Sie verlangt, dass Abtreibungen in der Regel nicht mehr durch die obligatorische Krankenversicherung bezahlt werden.