Der bekannte Medienrechtler und Hochschuldozent Franz A. Zölch versuchte mit Methoden, die unter dem Begriff «Nigeria-Scam» bekannt wurden, an Geld zu kommen. Das berichtet der «Beobachter» in seiner neusten Ausgabe.

Zölch steckte in argen Geldnöten. Zwischen Januar 2009 und August 2011 sammelten sich Betreibungen im Wert von 1,9 Millionen Franken an, schreibt der «Beobachter». Einige Gläubiger vertröstete Zölch wiederholt, ohne sie zu bezahlen.

Einen besonderen Fall beschreibt das Magazin von Mitte Juli 2011: Zölch telefonierte einem seiner Kunden. Fünf Millionen Euro lägen auf einem Konto in Genf, vertraute er diesem an. Geld aus einem Geschäft, das mit dem 9/11-Attentat zerstört worden sei. Für seine bereits erbrachten Vorleistungen habe man ihn jetzt endlich entschädigt. Die Sache hat aber einen Haken: Um an das Geld zu kommen, brauchte Zölch angeblich 50 000 Franken - sofort, aber nur für wenige Tage. Er benötige das Darlehen als «Depot für die Freigabe eines Bankkontos». So steht es im Vertrag, den Zölch dem Kunden vorlegte und aus dem der «Beobachter» zitierte.

Solche Nachrichten haben wohl viele Schweizer auch schon von wildfremden Leuten per E-Mail erhalten, sie sind als «Nigeria-Scam» weltweit bekannt geworden.

Fehlerhafte Lohnabrechnungen

Weiter berichtet der «Beobachter»: Da Zölch wiederholt keine Lohnabrechnungen bei der AHV eingereicht habe, eröffnete die Berner Staatsanwaltschaft im letzten Herbst ein Strafverfahren wegen Verdachts auf missbräuchliche Verwendung von Lohnabzügen.

Selber ein Opfer?

Recherchen des «Beobachter» ergaben, dass Zölch möglicherweise selbst das Opfer eines Betrügers geworden war. In Gstaad habe er den Engländer Simon Welsh kennen gelernt, der nach der bekannten Nigeria-Masche diverse Personen um Geld erleichterte. Zölch wurde dessen Generalbevollmächtigter für Rechtsangelegenheiten.

Ehemalige Mitarbeiter Zölchs berichteten, sein Engagement für Welsh sei immer grösser geworden. Statt mit Medienrecht hätten sie sich mit nicht eingehaltenen Zahlungsversprechen und nicht bezahlten Mieten des Klienten Welsh befassen müssen. Bis der Engländer auf nimmerwiedersehen aus Gstaad verschwand. Die Ex-Mitarbeiter vermuten, Zölch sei wohl von Welsh nicht bezahlt worden.

Gegenüber az nahm Franz A. Zölch zu den Lohnabrechnungen wie folgt Stellung: «Da ist ein Fehler passiert, dazu stehe ich gerade.» Er komme den Verpflichtungen nach, sagte er az und er sagte auch, er habe eine harte Zeit hinter sich. Sonst wollte Zölch den Inhalt des dreiseitigen «Beobachter»-Berichtes nicht kommentieren. (cbk)