MEDIEN
Markus Somm, der Chefredaktor des «Nebelspalters», sieht sich mit einer hohen Geldforderung konfrontiert

Für geleistete Vorarbeiten verlangt der Online-Spezialist Peter Wälty 218'000 Franken von der Nebelspalter AG. Das Online-Portal, das im März seinen Betrieb aufnahm, hat einen verhaltenen Start hingelegt.

Francesco Benini
Merken
Drucken
Teilen
Online-Spezialist Peter Wälty (links) findet, dass ihm der «Nebelspalter» von Markus Somm Geld schuldet.

Online-Spezialist Peter Wälty (links) findet, dass ihm der «Nebelspalter» von Markus Somm Geld schuldet.

Persoenlich.com/Keystone

Mitte März lancierte der Publizist Markus Somm das neue Online-Portal des «Nebelspalters». Wie hat es sich seither entwickelt? Somm schweigt sich aus. Er will nichts sagen über die Zahl der Abonnenten.

Ein Blick in den Geschäftsplan zeigt, dass sich der Chefredaktor tiefe Ziele gesetzt hat: Im ersten Jahr soll Nebelspalter.ch auf 3000 Abonnenten kommen. Sie bezahlen 179 Franken. Oder 16 Franken pro Monat.

Harte Bezahlschranke hält Neugierige ab

Im zweiten Jahr soll die Zahl der Abonnenten auf 4000 steigen – was immer noch wenig ist. Erst im fünften Jahr ist ein Sprung auf 12'000 Abonnenten vorgesehen. Der Umsatz würde dann auf 5,3 Millionen Franken steigen. Womit der Titel aus den roten Zahlen käme. Im ersten Jahr ist ein Minus von 2,5 Millionen veranschlagt. Das Defizit wird dann jedes Jahr kleiner, bis im fünften Jahr ein Plus von 740'000 Franken resultiert.

An Nebelspalter.ch fallen vier Dinge auf: Der fast vollständige Verzicht auf satirische Inhalte. Das ist bemerkenswert, weil der «Nebelspalter» in gedruckter Form ein Satiremagazin war, bisher. Zweitens: die harte Bezahlschranke. Man kann auf Nebelspalter.ch keinen einzigen Text lesen, ohne dass man dafür bezahlen muss.

Es gäbe ein weicheres Modell, mit dem Neugierige an den Titel herangeführt werden könnten: eine gewisse Anzahl Texte gratis anbieten, dann die Nutzer zur Registrierung auffordern, später erhalten sie eine Zahlungsaufforderung. Somm will davon nichts wissen. Ein einzelner Text kostet 1.60 Franken. Das ist recht viel. Zwei bis drei «Nebelspalter»-Artikel entsprechen dem Preis einer ganzen Zeitung.

Somm hatte Primeurs angekündigt. Wo sind sie?

Somm sagte vor der Lancierung, der «Nebelspalter» müsse mit Recherchen auffallen. Das ist ihm bisher nicht gelungen. Texte, die von anderen Medien aufgegriffen wurden, gab es so gut wie keine. Das Portal konzentriert sich auf rechtskonservative Meinungen. Dieses Feld hat die «Weltwoche» schon besetzt. Um aufzufallen, müsste der «Nebelspalter» gelegentlich aus dem eigenen Mainstream ausbrechen. Das scheint aber nicht vorgesehen.

Viertens sind auf dem Portal gratis Video-Talks zu sehen und Podcasts zu hören. Es sind deren viele. Man merkt den Moderatoren an, dass ihnen wenig Zeit bleibt für die Vorbereitung. Sie spulen ein Programm ab. So hören sich die Formate auch an.

Verhandlung vor dem Friedensrichter bringt keine Einigung

Nun gibt es für Somm ein weiteres Problem: Der Online-Spezialist Peter Wälty, der an der Entwicklung des Portals beteiligt war, fordert von der Nebespalter AG – vormals Klarsicht AG – 217'800 Franken. Eine Schlichtungsverhandlung vor dem Friedensrichteramt in Winterthur führte Anfang Juni zu keiner Einigung. Für Wältys Rechtsanwalt Andreas Meili steht ausser Zweifel, dass seinem Mandanten der Betrag zustehe. Er habe umfangreiche Vorarbeiten für «Nebelspalter.ch» geleistet, die gut dokumentiert seien.

Die Nebespalter AG hat kürzlich eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Warum? Zeichnet sich schon ab, dass der Geschäftsplan zu optimistisch war? Oder haben sich neue Investoren gemeldet, die sich beteiligen wollen? Somm hatte nach eigenen Angaben 70 Unternehmer und Manager davon überzeugt, je 100'000 Franken aufzubringen. «Kein Kommentar», lautet seine Antwort auf alle sechs Fragen, die wir ihm zukommen liessen.