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«Max hätte mir drei Tage später folgen sollen»

Vor zwei Monaten durfte Rachid Hamdani Libyen verlassen. Nun spricht die er erstmals über seine Zeit in libyscher Geiselhaft. Vergessen könne er das Ganze erst, wenn auch Max Göldi wieder zuhause sei, so Hamdani.

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Rachid Hamdani

Rachid Hamdani

a-z.ch News

Seit dem 22. Februar ist Rachid Hamdani wieder ein freier Mann. 538 Tage war der schweizerisch-tunesische Doppelbürger eine Geisel des Gaddafi-Regimes. Hamdani wurde zusammen mit Max Göldi festgehalten. Der libysche Diktator rächte sich damit dafür, dass sein Sohn Hannibal von der Genfer Polizei verhaftet worden war.

Göldi hingegen sitzt noch immer in Libyen. Er sitzt seit zwei Monaten sogar im Gefängnis, wo er eine viermonatige Strafe verbüssen muss. Heute ist die Hälfe der Haftzeit vorbei. Gegenüber der Westschweizer Illustrierten «L'Illustré» spricht Hamdani nun erstmals über seine Zeit in Libyen.

«Woher kommen Sie?»

«Ich wurde an einem Samstag verhaftet», sagt er. «Meine Sekretärin rief mich an und sagt mir, die Polizei sei im Büro gewesen und habe es geschlossen. Kurze Zeit später tauchten sie bei mir auf.»

Die Verhaftung sei völlig absurd gewesen. Der Polizist habe ihn nach seinem Pass gefragt. Darauf habe er ihm seinen tunesischen Ausweis gezeigt. Der Polizist habe sich genervt und gefragt: «Aber woher kommen sie?» Als er «aus Genf» geantwortet habe, sei es um ihn geschehen gewesen.

«Sie sagten mir, ich müsse für eine Viertelstunde mitkommen. Daraus wurden 538 Tage.» Hamdani hatte zum Zeitpunkt seiner Verhaftung nichts von der Verhaftung von Hannibal Gaddafi in Genf gewusst. Das Stichwort Genf sei ihm aber zum Verhängnis geworden, glaubt Hamdani. Auf dem Polizeiposten sei er dann auf Max Göldi getroffen. «Der Beginn eines langen Albtraums.»

Zuerst wurden die beiden Schweizer in ein Gefängnis mit «entsetzlichen» hygienischen Verhältnissen gesteckt. Dann durften sie in die Schweizer Botschaft. Sie konnten sich in Tripolis zwar frei bewegen, wurden aber von Zivil-Polizisten überwacht.

Über 16000 Mails aus der Schweiz bekommen

Eine grosse Hilfe sei für ihn die Unterstützung aus der Schweiz gewesen. Über 16 ́000 Mails hätten sie in dieser Zeit erhalten. «Als wir für 53 Tage verschleppt wurden, war das eine sehr schwierige Zeit, vor allem psychologisch. Uns fehlte es zwar materiell an nichts, doch wir waren am Ende der Welt ohne Kontakt zur Aussenwelt.»

Gross sei auch die Hoffnung im August 2009 gewesen, als der damalige Bundespräsident Hans-Rudolf Merz nach Libyen reiste. Zurück blieb dann aber Enttäuschung und Frust, weil auch Merz nichts erreichte.

Göldi hätte drei, vier Tage später folgen sollen

Seit seiner Freilassung hat Hamdani keinen Kontakt mehr mit Göldi. «Es war alles anders geplant. Max hätte drei oder vier Tage nach meiner Abreise folgen sollen», sagt Hamdani. Woher er diese Information hat, verrät er im Interview mit «L'Illustrée» nicht. Sein Sohn Karim habe Göldi aber bereits mehrmals im Gefängnis besuchen können.

«Gaddafi wollte mit meiner Freilassung wohl beweisen, dass Libyen ein funktionierender Rechtsstaat sei», erklärt Hamdani. Seine Heimkehr sei aber eine eigentliche Flucht gewesen. Er reiste über Tunesien aus, weil er Angst hatte, gleich wieder verhaftet zu werden. «Vergessen kann ich das Geschehene aber erst, wenn Max wieder zu Hause ist», so Hamdani. (rsn)

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