Libyen-Krise
Max Göldi war zwei Jahre lang Gaddafis Geisel – etwas kann er Bundesrätin Calmy-Rey nicht verzeihen

Ex-ABB-Manager Max Göldi wurde zwei Jahre lang vom libyschen Diktator Gaddafi festgehalten. Nun erzählt der Aargauer, wie er heimlich die Botschaft in Tripolis übernahm, welche Fluchtpläne er mit Schweizer Diplomaten schmiedete – und wie er sich von Micheline Calmy-Rey im Stich gelassen fühlte.

Andreas Maurer
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14. Juni 2010 – die Landung in Zürich: Max Göldi schreibt in seinem Tagebuch, er habe sich einen Bart wachsen lassen, um die Rückkehr im «Karl-Marx-Look» anzutreten.
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Göldi veröffentlicht nun, im Oktober 2018, sein Tagebuch unter dem Titel "Gaddafis Rache": 695 Tage lang sass der Ex-ABB-Manager von 2010 bis 2012 in Libyen fest.
Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi: Weil sein Sohn Hannibal in Genf festgenommen worden war, rächte er sich durch die Festnahme von mehreren Schweizer Bürgern.
Der Aargauer Max Göldi war einer von ihnen, der zweite war der Waadtländer Rachid Hamdani.
Dieses Bild ging um die Welt: Rachid Hamdani und Max Göldi bitten im Dezember 2009 die Öffentlichkeit um Hilfe. Vor der Botschaft nehmen sie das erste Foto von sich auf, das in der Affäre veröffentlicht wird. Amnesty International verbreitet es und lanciert später eine weltweite Briefaktion für Göldi. Hamdani kam früher als Göldi frei.
Ayn Zara Gefängnis in Tripolis: Hier soll Max Göldi vier Monate verbracht haben.
Am 4. September 2009 veröffentlicht die «Tribune de Genève» Polizeibilder von Hannibals Verhaftung. Göldi wird wieder verhaftet. Die Krise verschärft sich.
Blick auf das Gefängnis, in dem Göldi zwischenzeitlich seit zwei Monaten festgehalten wurde.
Bitteres Schauspiel: Hannibal Gaddafi besucht Max Göldi im Gefängnis. (1. Màrz 2010)
Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey macht beim Diktator Muammar Gaddafi gute Miene zum bösen Spiel.
Die Heimkehr am 14. Juni 2010: Max Göldi landet mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in Zürich.
Max Göldi landete Göldi mit Calmy-Rey im Regierungsjet in Zürich, wo er von seiner Frau und Angehörigen empfangen wird.
Göldi ist in Freiheit, mit ihm landete Bundespräsidentin Michel Calmy-Rey in Zürich.
Göldi ist heute pensioniert und lebt in Asien.
Max Göldi umarmt bei der Rückkehr sein Grosi.

14. Juni 2010 – die Landung in Zürich: Max Göldi schreibt in seinem Tagebuch, er habe sich einen Bart wachsen lassen, um die Rückkehr im «Karl-Marx-Look» anzutreten.

Keystone

Max Göldi führte sein Tagebuch auf Papiertaschentüchern, wenn er keinen Notizblock zur Hand hatte. 695 Tage sass er in Libyen fest, ein halbes Jahr verbrachte er in Gefängnissen, den Rest auf der Schweizer Botschaft in Tripolis. Jeden Tag hielt er seine Gedanken fest. Als er in seiner Zelle die Schüsse hörte, mit denen andere Insassen im Gefängnis exekutiert wurden, notierte er: «In nächster Nähe werden acht oder mehr Menschen umgebracht, und ich esse seelenruhig zwei hart gekochte Eier zum Frühstück. Absolut surreal.»

In den zwei Jahren schrieb Göldi 1,5 Millionen Buchstaben. Eine Million davon veröffentlicht er jetzt in einem Buch, das sind 624 Seiten. Es ist sein Beitrag zur Aufarbeitung der Libyen-Affäre, der grössten diplomatischen Krise der jüngeren Schweizer Geschichte.

Die wichtigsten Ereignisse der Staatsaffäre:

15. Juli 2008 Die Genfer Kantonspolizei verhaftet Hannibal Gaddafi, den Sohn des Diktators Muammar Gaddafi, im Genfer Nobelhotel Président Wilson (Bild). Sie warf ihm vor, zwei Hausangestellte misshandelt zu haben. Nach zwei Tagen kam Hannibal auf Kaution frei. Seine Schwester kündigte Rache an.
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19. Juli 2008 Die libysche Polizei verhaftet in Tripolis den Aargauer Max Göldi und den Waadtländer Rachid Hamdani. Göldi war damals 54 Jahre alt, Hamdani 68. Das libysche Regime behauptete, sie hätten gegen Aufenthaltsbestimmungen verstossen. Die meiste Zeit sassen sie in der Schweizer Botschaft (Bild) fest.
20. August 2009 Bundespräsident Hans-Rudolf Merz reist im Alleingang nach Libyen, entschuldigt sich bei Gaddafi und unterzeichnete einen Staatsvertrag. Doch er kehrt ohne die Schweizer Geiseln zurück nach Bern. Nur Göldis Gepäck hat er im Bundesratsjet. Für den Kniefall wird Merz in der Schweiz hart kritisiert.
Am 4. September 2009 veröffentlicht die «Tribune de Genève» Polizeibilder von Hannibals Verhaftung. Göldi wird wieder verhaftet. Die Krise verschärft sich.
9. Dezember 2009 Die Geiseln Rachid Hamdani und Max Göldi (r.) bitten die Öffentlichkeit um Hilfe. Vor der Botschaft nehmen sie das erste Foto von sich auf, das in der Affäre veröffentlicht wird. Amnesty International verbreitet es und lanciert später eine weltweite Briefaktion für Göldi. Hamdani kam früher als Göldi frei.
25. Februar 2010 Diktator Gaddafi hält in Bengasi eine Rede zum Geburtstag des Propheten Mohammed. Er ruft zum Dschihad, zum Heiligen Krieg, gegen die Schweiz auf. Er begründet dies mit der Annahme der Anti-Minarett-Initiative drei Monate zuvor. Er schlägt vor, die Schweiz an Deutschland, Frankreich und Italien aufzuteilen.
13. Juni 2010 Gaddafi empfängt die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in einem Zelt in Libyen. Anwesend waren auch der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi und der EU-Ratsvorsitzende Miguel Angel Moratinos. Calmy- Rey unterzeichnete ein Abkommen zur Klärung der diplomatischen Krise.
14. Juni 2010 Max Göldi landet mit Calmy-Rey im Regierungsjet in Zürich, wo er von seiner Frau und Angehörigen empfangen wird. Am gleichen Tag tritt er an einer Medienkonferenz auf. Danach wandert er aus und meidet die Öffentlichkeit acht Jahre lang. Heute meldet er sich mit seinem Tagebuch und kürzerem Bart (Bild) zurück.

15. Juli 2008 Die Genfer Kantonspolizei verhaftet Hannibal Gaddafi, den Sohn des Diktators Muammar Gaddafi, im Genfer Nobelhotel Président Wilson (Bild). Sie warf ihm vor, zwei Hausangestellte misshandelt zu haben. Nach zwei Tagen kam Hannibal auf Kaution frei. Seine Schwester kündigte Rache an.

Keystone

Die involvierten Politiker verspürten schon früher das Bedürfnis, ihre Sicht niederzuschreiben. Die damalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, die Göldi 2010 in einem Regierungsjet heimholte, veröffentlichte 2014 ein Buch und schilderte, wie sie als einzige Frau unter 60 Männern in Gaddafis Zelt sass: «Das Gespräch beginnt harmlos, mit einigen Witzen über die Frauen. Ich drücke mich in meinen Sitz und vergesse nicht, dass ich am Schluss mit Max Göldi zurückkehren muss.» Ist sie die Heldin der Geschichte?

Lesen Sie auch das Interview mit Max Göldi

Oder gebührt die Ehre dem damaligen Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, der vor dem Diktator in die Knie ging? Er selber schrieb 2011 in einem Gastbeitrag für «Die Zeit» und die «Weltwoche»: «Die Geschäftsprüfungskommission und teilweise die Medien beurteilen mein Vorgehen kritisch. Nach einem Hinweis, wie es anders hätte ablaufen sollen, sucht man im Bericht vergeblich.»

Göldi schwieg derweil acht Jahre lang, wanderte nach Japan aus und begann ein neues Leben. Nun meldet er sich mit seinem Buch zurück, verrät neue Aspekte der Staatsaffäre und erklärt, wem die Heldenrolle gebührt.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Der Tag, den Göldis Leben für immer veränderte, war der 19. Juli 2008. Der Ingenieur leitete die Niederlassung des Technologiekonzerns ABB im Wüstenstaat. Ohne dass er etwas Böses getan hatte, geriet er in einen kafkaesken Thriller. Ein Ereignis, 1700 Kilometer entfernt, führte dazu, dass ihn drei Polizisten um zehn Uhr abends aus dem Haus klingelten und in eine Zelle steckten. In Genf hatte die Polizei vier Tage zuvor das Nobelhotel «Président Wilson» gestürmt. Die Kantonspolizei führte den Diktatoren-Sohn Hannibal Gaddafi in Handschellen ab, weil er zwei Hausangestellte misshandelt haben soll. Hannibals Schwester trat im Hotel vor die Medien, verlas eine Erklärung und sprach: «Auge um Auge, Zahn um Zahn.» Damals realisierte die Schweiz nicht, was das Geschwätz zu bedeuten hatte. Für Göldi begann ein Albtraum, in dem er immer wieder glaubte, am nächsten Morgen sei alles vorbei und er würde freigelassen. Er wurde zum Spielball eines irren Diktators, dem die Schweizer Demokratie anfangs nichts entgegenzusetzen hatte. Zwei Jahre lang sass er fest als Vergeltung für zwei Tage Haft von Hannibal. Erst 2010, als die Schweiz Visa-Sperren für Libyens Elite im Schengen-Raum durchsetzte, wurde Gaddafi schwach.

Nach den ersten zehn Tagen Haft kam Göldi vorübergehend auf Kaution frei und wurde in der Schweizer Botschaft einquartiert, weil ihn Libyen mit einer Ausreisesperre belegt hatte. Mit zwei Diplomaten aus dem Umfeld des Schweizer Geheimdienstes schmiedete er spektakuläre Fluchtpläne. Ein Ideengeber war Jacques Pitteloud vom Aussendepartement, der wegen seiner Geheimdienstvergangenheit in der Botschaft den Spitznamen 007 trug. Legendär waren auch die undiplomatischen Sprüche des Spitzendiplomaten. So soll er gescherzt haben, am liebsten würde er den Kanton Genf an Burkina Faso verschenken.

695 Tage

sass Max Göldi in Libyen fest. Die meiste Zeit verbrachte er in der Schweizer Botschaft. Ein halbes Jahr war er in unterschiedlichen Gefängnissen eingesperrt. Das libysche Regime verhaftete ihn mehrmals und liess ihn zwischenzeitlich wieder frei. Die schlimmste Zeit für Göldi waren 53 Tage in einem Geheimgefängnis. Nach einer Spitaluntersuchung wurde er von Männern in Zivil verhaftet und in einen Knast gesteckt, der ebenfalls von Beamten in Alltagskleidung bewacht wurde. Bei seiner Freilassung wurde er angewiesen, auf den Boden zu schauen, damit er den Ort seines Verliesses nicht erfuhr.

Zwei Fluchtvarianten wurden in der Botschaft geprüft. Durch die Wüste: Göldi soll versteckt im Kofferraum eines Diplomatenfahrzeugs nach Tunesien fahren. Von dort würde 007 die Weiterreise organisieren. Oder über das Meer: Göldi soll in einem Schlauchboot Libyens 12-Meilen-Zone verlassen. Von dort würde 007 die Weiterfahrt über Italien koordinieren. Göldi favorisierte die Variante Boot, da er Angst hatte, bei einer Strassenkontrolle in Tunesien oder Ägypten vom nächsten Regime verhaftet zu werden.

Dass die Pläne mehr als Gedankenspiele waren, zeigten die Vorbereitungen. Pitteloud wies Göldi an, täglich zu einem Sportcamp zu fahren, um Tennis zu spielen. Die Agenten des libyschen Geheimdienstes, die täglich in Autos vor der Botschaft Präsenz markierten und Göldi auf seinen Ausfahrten folgten, sollten daran gewöhnt werden, dass die Schweizer Crew regelmässig in einem Diplomatenauto zum Sportplatz fuhr. Dort hätte bei der sogenannten Exfiltration ein Fahrzeugtausch stattfinden können. Göldi schaltete zudem sein Handy von Zeit zu Zeit ab, um seine Überwacher an Unterbrüche zu gewöhnen.

Gaddafis Rache Aus dem Tagebuch einer Geisel, von Max Göldi, 624 Seiten, gebunden, Fr. 39.90, Wörterseh Verlag.

Gaddafis Rache Aus dem Tagebuch einer Geisel, von Max Göldi, 624 Seiten, gebunden, Fr. 39.90, Wörterseh Verlag.

Zur Verfügung gestellt

Die Pläne des Aussendepartements waren filmreif, doch der Anwärter für das beste James-Bond-Drehbuch stand im Sold des Verteidigungsdepartements. Militärattaché Jack Rohner verfeinerte das Szenario «Flucht über das Meer». Das geeignetste Transportmittel schien ihm ein Jet-Ski zu sein, ein Wassermotorrad des Typs Wave-Runner. Um die libyschen Agenten an die extravagante Freizeitbeschäftigung zu gewöhnen, mietete Göldi eine 125-PS-Maschine für eine Probefahrt. Am Abend notierte er, das Fahren sei einfach und mache Spass. Im Auftrag des Militärattachés wurde Göldi selber zum Spion. Er beobachtete die Beobachter des Geheimdienstes und führte Protokoll über deren Präsenzzeiten vor der Botschaft. In sogenannten TC-007-Depeschen übermittelte er die Informationen an Rohner. Morgens zwischen 2.30 und 6 Uhr seien meistens keine Wachen sichtbar. Besonders günstig erschien der Fastenmonat Ramadan in einer Nacht von Freitag auf Samstag.

Der Plan wurde konkreter. Phase 1: Göldi verschwindet unbemerkt aus der Botschaft und versteckt sich in einem Haus in der Nähe. Phase 2: Bei Einbruch der Dunkelheit rast er auf einem Jet-Ski aus der Zwölf-Meilen-Zone. Phase 3: Ein Schiff von Jack Rohner erwartet ihn auf dem offenen Meer und führt die Mission zu Ende. Rohner gab grünes Licht zum Kauf eines Wave-Runners. Import via Luftfracht, hielt Göldi im Tagebuch fest.

Doch die Pläne scheiterten. Nicht etwa weil den Schweizer Behörden der Plan zu waghalsig erschienen wäre, sondern weil der Jet-Ski-Lieferant kalte Füsse kriegte. Dieser befürchtete Probleme mit dem libyschen Regime, sollte die Mission auffliegen. Endgültig beerdigt wurden die Fluchtpläne, als der libysche Geheimdienst die Überwachung der Schweizer Botschaft auf 24 Stunden ausdehnte. Wahrscheinlich hatte er von den abenteuerlichen Plänen Wind bekommen.

Von der Geisel zum Diplomaten

Göldi beriet die Schweizer Behörden nicht nur bei der Ausarbeitung der Fluchtszenarien. Zwischenzeitlich führte er die Botschaft sogar als ranghöchster Beamter. Das kam so: Der Konsul war versetzt worden, weil er überfordert war. Botschafter Daniel von Muralt ging in Frühpension, weil er sich mit seiner Chefin Calmy-Rey überworfen hatte. Mitten in der Staatskrise wurde die Botschaft führungslos.

Am 15. Juni 2009 erhielt Göldi einen unerwarteten Anruf: Calmy-Rey war am Apparat. Sie ernannte ihn zum Zweiten Botschaftssekretär und stellte ihm einen Diplomatenpass aus. Er dürfe diesen allerdings nicht benutzen, sondern solle ihn im Tresor hinterlegen. Göldi erhielt alle Codes für die Safes, eine Bankunterschriftsberechtigung und einen Botschafts-Mail-Account. Verwundert schrieb er in sein Tagebuch: «Die Geisel in der Botschaft schmeisst den Laden allein.» Er fragte sich, welche Schlagzeilen diese Nachricht wohl in der Schweiz ausgelöst hätte. Als auch der Techniker abreiste, war Göldi der einzige Schweizer auf der Schweizer Botschaft. Er verwaltete die diplomatische Post und wachte über bis zu 130'000 US-Dollar Bargeld im Tresor. Staatssekretär Michael Ambühl erklärte in einem Brief an den «Herrn Botschaftssekretär»: «Ungewöhnliche Situationen benötigen ungewöhnliche Massnahmen.»

Der Bundesrat hatte viel Zeit verstreichen lassen, bis er zu ungewöhnlichen Massnahmen bereit war. Schon am Anfang der Krise schlug Botschafter von Muralt vor, dass der damalige Bundespräsident Pascal Couchepin mit Gaddafi sprechen müsste. Das Problem sei nur lösbar von Präsident zu Präsident, von Mann zu Mann. Doch Aussenministerin Calmy-Rey soll dies nicht erlaubt haben, weil Libyen ihr Dossier sei. Als Göldi ihr eine Mail schrieb, erhielt er keine Antwort. «Das werde ich ihr nie verzeihen», schrieb er in sein Tagebuch. Als er Merz einen Brief schickte, kam die Antwort postwendend.

Intrigen im Bundesrat

Merz versuchte, die Affäre im Alleingang zu lösen. Ohne seine Bundesratskollegen zu informieren, reiste er nach Libyen, entschuldigte sich bei Gaddafi, unterzeichnete einen Staatsvertrag und flog zurück in die Schweiz – alleine, ohne Göldi zu befreien, nur dessen Gepäck hatte er an Bord des Bundesratsjets. Aus Göldis Sicht tat Merz das einzig Richtige. Er nahm in Kauf, sich zu blamieren, um die Geiseln zu retten. Das habe sich später ausbezahlt. Calmy-Rey hingegen hatte gemäss Göldi ihr Departement nicht im Griff. Für Stellenbesetzungen hätten Beziehungen und Seniorität mehr gezählt als berufliche und charakterliche Eigenschaften. Göldi zitiert eine Aussage des Botschafters von Muralt, der Calmy-Reys Führungsstil als populistisch und diktatorisch bezeichnet haben soll.

Calmy-Rey bewies allerdings bei der Organisation des Heimflugs Einfallsreichtum. Gaddafi wollte verhindern, dass sie sich als Retterin in Szene setzen konnte und bestand darauf, dass Göldi mit einem Linienflug ausreiste. Calmy-Rey hob zeitgleich im Jet der spanischen Regierung ab und gab dem Tower in Tripolis als Zielflughafen Madrid an. In der Luft bat sie dann aber um eine Zwischenlandung in Tunis. Dort holte sie Göldi beim Umsteigen ab, und so konnte sie die Landung in Zürich perfekt inszenieren, die Bilder mit ihr und Göldi gingen um die Welt.

Seither hat Göldi Calmy-Rey nicht mehr gesehen. Zu Merz hingegen kam ein besonderer Kontakt zustande. Dieser verfasste den Klappentext zum Tagebuch. Die Lektüre sei für ihn in vielerlei Hinsicht erhellend. Das Buch sei aber mehr als die Aufarbeitung der Libyen-Krise, schreibt der Alt-Bundesrat: «Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich standhaft weigerte, zum Opfer zu werden.»

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