Ueli Maurer

Maurer zieht die Luftwaffe aus Bosnien ab

Nicht mehr in Bosnien, sondern wieder zurück auf der Basis in Alpnach im Kanton Obwalden: Schweizer Militärhelikopter Cougar.

Cougar Helikopter

Nicht mehr in Bosnien, sondern wieder zurück auf der Basis in Alpnach im Kanton Obwalden: Schweizer Militärhelikopter Cougar.

Nach dem klaren Nein des Parlaments zum Einsatz von Schweizer Grenadieren auf Kriegsschiffen vor Afrika stehen nun auch die bewaffneten Schweizer Truppen im Balkan zur Debatte. Zwei Cougar-Helikopter der Luftwaffe sind schon in die Schweiz zurückbeordert worden.

Niklaus Ramseyer

«Das ist eine gute Entscheidung», freut sich der Baselbieter SVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker (SiK-Mitglied) Christian Miesch. «Der Rückzug der Luftwaffe aus Bosnien ist ein ers-
ter richtiger Schritt.» Auch Mieschs Kommissionskollege, der Grüne Josef Lang aus Zug, sagt «Bravo!» zum Heli-Rückzug, von dem er ebenso wenig gewusst hatte wie Miesch. Lang fügt bei: «Die neutrale Schweiz soll sich in Bosnien nicht militärisch einmischen, sondern sich humanitär engagieren - mit Minenräumspezialisten zum Beispiel.»

Bodentruppen bleiben noch

Doch auch nach dem Abzug des Schweizer Militärflieger-Detachements, den Bern schon letzte Woche diskret vermeldet hatte, verbleibt vorderhand ein kleiner bewaffneter Schweizer Trupp in Bosnien Herzegowina: 21 Schweizer Berufssoldaten sind in so genannten Liaison and Observation Teams (LOT) vorderhand weiter im Camp Butamir bei Sarajewo stationiert. Sie standen dort zunächst in der Mission Althea unter britischem Kommando. Jetzt ist ein italienischer General ihr oberster Chef.

Begonnen hatte der Schweizer Helikoptereinsatz in Bosnien 2005. Seither haben die zwei modernen Schweizer Helis in 2600 Flugstunden insgesamt 12 900 Briten und Italiener dort unten herumgeflogen. Der Cougar kann bei einem Gesamtgewicht von 11 Tonnen 16 voll ausgerüstete Soldaten oder 4 Tonnen Material und Munition laden.
Rechte, grüne und linke Parlamentarier hatten stets kritisiert: In Bosnien entlaste die neutrale Schweiz einfach kriegführende Nationen, die dann entsprechend mehr Menschen und Kriegsgerät nach Afghanistan und in den Irak schicken könnten.

SP bedauert den Rückzug

Doch die bürgerliche Mitte hatte dem nicht befristeten Bosnien-Einsatz zusammen mit der SP im Parlament konstant zu einer Mehrheit verholfen. Und der Bundesrat hatte das Engagement mit dem Argument weitergeführt: «Der Einsatz des Luftwaffen-Detachements in Bosnien und Herzegowina dient den sicherheits- und aussenpolitischen Interessen der Schweiz.»

Das meinen SP-Sicherheitspolitiker auch heute noch: «Der Rückzug der Schweizer Helikopter ist ein Fehler», ärgert sich etwa der Waadtländer SP-Nationalrat Eric Voruz, der auch in der SiK sitzt. Voruz will Maurer an der nächsten Sitzung der SiK in zwei Wochen zur Rede stellen.
Die EU-Länder haben ihre Militär-Präsenz in Bosnien inzwischen indes auch stark reduziert - von ursprünglich 6300 Mann auf jetzt noch 2200. Und bei CVP- und FDP-Leuten, die sonst in den Räten immer für mehr Militär im Ausland kämpfen, setzt sich auch die Einsicht durch: «Wir brauchen diese Maschinen und die Piloten jetzt halt selber.»

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