WEF 2013

Maurer wirbt für Olympia: «Grössenwahn ist gefährlich»

Bundespräsident Ueli Maurer am Open Forum des WEF

Bundespräsident Ueli Maurer am Open Forum des WEF

Bundespräsident Ueli Maurer hat am Open Forum des WEF in Davos die Werbetrommel für Olympische Spiele 2022 in Graubünden gerührt. Ein solch grosser Sportanlass lohne sich langfristig, wenn man nicht übertreibe.

"Grössenwahn ist gefährlich", hielt Maurer am Donnerstag in der öffentlich zugänglichen Podiumsdiskussion fest, bei der im Zuschauerraum kein Platz frei blieb. Die Schweiz wolle die Chance wahrnehmen, bei den immer grösser werdenden Sportanlässen für eine Trendwende zu sorgen und der Welt nachhaltige Spiele zu zeigen.

Die Schweiz habe bislang von einem guten Ansehen profitiert, nun sei das Land unter ausländischem Dauerbeschuss wegen den Banken. Es sei der beste Moment für die Schweiz für einen solchen Wettbewerb, stimmte ihm Jean-Claude Biver zu. Der Präsident der Uhrenfirma Hublot setzte sich an dem Podium besonders engagiert für eine Olympiakandidatur ein.

Lernen aus Negativbeispielen

Es habe desaströse Olympische Spiele gegeben, etwa in Athen oder Montreal. Aber dies seien Lernbeispiele. Deutschland hingegen habe durch die Fussball-WM 2006 weltweit sehr grosse Sympathien gewonnen, auch die Olympia in London im vergangenen Jahr sei ein Erfolg. Es gebe mehr positive als negative Beispiele.

Jeff Shell vom US-Medienunternehmen NBC, das die Ausstrahlungsrechte der Olympischen Spiele für die USA besitzt, lobte London, weil frühzeitig an die Weiterverwendung der Sportstätten gedacht worden sei. Ob Olympische Spiele das Image nachhaltig verbesserten, bezweifle er aber.

Der ehemalige Formel-1-Rennstallbesitzer Peter Sauber sagte, solche Megaevents brächten einen Nutzen für die Standortvermarktung, der sich kaum messen lasse. Er vermisse in der Schweiz den Mut zum Risiko, den man beispielsweise in der Formel 1 brauche.

Bundespräsident Maurer räumte ein, unmittelbar brächten Grossanlässe meist weniger als erwartet. Den Nutzen aber an den Einnahmen beispielsweise eines Kioskes zu messen, werde der Sache nicht gerecht. Neben dem Geld gehe es um gesellschaftliche Zusammengehörigkeit, Freundschaften und gemeinsame Erlebnisse.

Beste Kandidatur aller Zeiten

Nur am Rande thematisiert wurden an dem Podium Fragen der Korruption in Sportverbänden und deren Besteuerung. Maurer sagte, das IOC solle bei der Vergabe mit der besten Kandidatur aller Zeiten überzeugt werden.

Zunächst entscheidet aber am 3. März das Stimmvolk des Kantons Graubünden über eine Kandidatur. Das Kantonsparlament hat bereits zugestimmt und einen Verpflichtungskredit von 8 Mio. Franken für die Kandidatur sowie 300 Mio. Franken für die Durchführung der Spiele abgesegnet.

Zustimmen müssen auch die eidgenössischen Räte. Der Bundesrat hat ihnen 30 Mio. Franken für die Kosten der Kandidatur beantragt sowie einen Verpflichtungskredit von einer Milliarde Franken als Beitrag an die ungedeckten Kosten für die Organisation und Durchführung der Spiele.

Gegen eine Olympia-Kandidatur Graubündens setzen sich vor allem die Kantonalparteien von SP, Grünen und JUSO sowie die Bündner Sektionen von WWF, Pro Natura und VCS ein. Für sie ist klar, dass Olympische Winterspiele bloss Schulden und Umweltschäden zurücklassen würden. Die Kritiker waren auf dem Podium am WEF Open Forum nicht vertreten.

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