Die Universität Zürich lässt künftig Mittelschüler in die Vorlesungen. Eine gute Idee?

Maximilian Janisch: Es ist sicher nicht schlecht, dass die Universität die begabtesten Mittelschüler zu sich in die Hörsäle holt. Allerdings ist ein Prozent wohl etwas zu viel. Denn die meisten könnten an ihrem Gymnasium entsprechend gefördert werden. Für die aussergewöhnlich Begabten ist ein Universitätsbesuch aber sehr hilfreich. Letztlich ist es eine Frage des Alters und der Reife der Mittelschüler.

Du wirst seit Längerem selbst an der Uni gefördert: Wie wichtig war das für dich?

Das war enorm wichtig. Ein- bis zweimal im Monat treffe ich mich mit meinem Professor Camillo De Lellis (Er war einst selbst ein hochbegabtes Kind, Anm. d. Red.). Er hilft mir ungemein, dafür bin ich ihm und der Universität sehr dankbar.

Was rätst du Mittelschülern, die an eine Universität wollen?

Sie müssen sich der Doppelbelastung gewachsen fühlen. Ausserdem würde ich der Universitätsvorlesung stärkere Beachtung als der Schule schenken. Die Mittelschüler besuchen ja ein Fachgebiet, in dem sie sehr talentiert sind. Da können sie die grössten Fortschritte machen, was ihnen persönlich am meisten nützt. Allerdings ist das Hin und Her zwischen Mittelschule und Universität nicht einfach.

Dann wird die schulische Leistung schlechter?

Es ist gut möglich, dass die Leistung am Gymnasium darunter leidet, zumindest ein bisschen. Es ist ein mutiger Schritt, an die Universität zu gehen. Aber die Vorlesungen sind hilfreich und eine Investition in die eigene Zukunft.

Dok-Film über Maximilian Janisch

SRF-Dok aus dem Jahr 2015 über Maximilian Janisch

Sollten alle Schweizer Universitäten solche Programme anbieten?

Das halte ich für eine gute Idee. Die Schweiz hinkt in der Begabtenförderung hinterher. Das Schulsystem ist unflexibel. Der Alltag ist so rigide, dass es schwierig ist, mehr Zeit für seine Stärken aufzuwenden, egal, ob das die Mathematik oder die Musik ist. In den USA suchen die Universitäten früh nach den Begabtesten und fördern deren Talente. Das sollte auch in der Schweiz der Fall sein.

Wie gross ist der Erwartungsdruck der Gesellschaft an Hochbegabte?

Ich spüre den Druck manchmal, aber das belastet mich nicht. Ich fühle mich super. Für mich ist es ein Vorteil, mit älteren Studenten im Hörsaal zu sitzen.

Im Herbst startest du offiziell an der Universität Zürich und wirst schon bald den Master-Lehrgang beginnen. Wie geht es danach für dich weiter?

Mein Ziel ist es, nach Princeton (US-Elite-Universität) zu gehen. Mein Professor wechselt dorthin, zudem ist die Universität im Mathematikbereich eine der besten der Welt.