Massentests
Hunderttausende Tests in Schulen und Betrieben: So viele Fälle finden die Schweizer Testturbos

Kantone, die seit längerem auf Massentests setzen, ziehen eine positive Bilanz. Andernorts ist man zurückhaltender – wegen des riesigen Aufwands.

Dominic Wirth
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Mit Spucktests machen verschiedene Kantone Jagd auf das Virus.

Mit Spucktests machen verschiedene Kantone Jagd auf das Virus.

Moritz Hager / Limmattaler Zeitung

Sie machen, was Gesundheitsminister Alain Berset sich wünscht: Sie testen, testen, testen. Baselland, Graubünden und Zug sind bei den Massentests die Vorreiter. Seit Wochen schon laufen in den drei Kantonen breit angelegte Programme, an Schulen etwa oder für Betriebe. Das Ziel: asymptomatische Covid-19-Erkrankte entdecken. Und so Infektionsketten unterbrechen.

Dem Bundesrat schwebt vor, dass bald überall im Land breit getestet wird. Um die Kantone zu motivieren, hat er beschlossen, die Kosten zu übernehmen. Bis zu einer Milliarde Franken will er dafür in die Hand nehmen. Wie aber sieht die Zwischenbilanz in jenen Kantonen aus, die schon Erfahrungen sammeln konnten? Wie viele Tests haben sie durchgeführt, und wie viele Fälle gingen ihnen dabei ins Netz?

Das sind die Zahlen aus den Kantonen

- Graubünden: Unter den Vorreitern sind die Bündner der Klassenprimus. Früher als alle anderen Kantone setzten sie auf Massentests. Insgesamt haben sie seit Anfang Februar rund 123000 Tests durchgeführt, wobei der Löwenanteil auf Betriebe entfiel. Mittlerweile machen über 1300 mit. Von 88000 Tests fielen bisher 160 positiv aus. Dazu kamen 12 an den Schulen. Dort werden aktuell pro Woche 22000 Tests durchgeführt.

- Zug: Hier konzentriert man sich bisher auf die Schulen. Diese Woche hat der Kanton beschlossen, künftig auch bei Primarschülern – bis und mit 4. Klasse – Massentests durchzuführen. Die Teilnahme ist obligatorisch, der Verzicht aber möglich. Bisher betrug die Teilnahmequote 99 Prozent. Die Zuger entdeckten 33 positive Fälle, wobei sie rund 50000 Testes durchführten. Bald soll auch in den Betrieben breit getestet werden.

- Baselland: Wie Graubünden testet der Kanton in den Betrieben und an den Schulen, wobei die Massentests in den Betrieben noch in den Kinderschuhen stecken. Von den 3500 Tests fiel bisher noch keiner positiv aus. An den Schulen, wo 2500 Klassen aus den Stufen Primar, Sek und Sek II mitmachen, waren es bisher 87 – bei 83000 Tests. Laut den Baselbieter Behörden machten 80 Prozent der Schüler bei den Tests mit.

Mehrere hunderttausend Tests, um einige hundert Fälle zu finden – das wirft die Frage auf, ob der Ertrag den Aufwand rechtfertigt. Die Antworten lauten in allen drei Kantonen grundsätzlich Ja. So verweist man in Graubünden etwa darauf, dass es zu keinen grossen Ausbrüchen mehr gekommen sei, seit man aktiv teste. Selbst in der Wintersaison seien die Fallzahlen nicht gestiegen, trotz der vielen zusätzlichen Menschen und der hohen Mobilität im Kanton. Baselland sieht einen «wesentlichen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie». Man habe einige Cluster festgestellt. Für eine Analyse sei es aber noch etwas zu früh.

Im Kanton Zug verantwortet Gesundheitsdirektor Martin Pfister die Teststrategie. Auch er sagt, man könne noch nicht abschliessend sagen, ob die Testoffensive etwas bringe. «Jeder entdeckte asymptomatische Fall bedeutet aber eine unterbrochene Infektionskette», sagt er.

Am Anfang war der Widerstand gegen die Massentests an den Schulen noch gross, so der CVP-Regierungsrat. Unterdessen sehe das aber anders aus. Die Abläufe hätten sich eingespielt, und es habe sich gezeigt, dass die regelmässigen Tests den Schulbetrieb normalisieren. «Wir müssen nun keine ganzen Klassen mehr in Quarantäne schicken», sagt Pfister. Zum Einsatz kommen Spucktests, die dann mit dem sogenannten Pooling-Verfahren ausgewertet werden.

«Die Gefahr, sich beim Testen zu verlieren, ist riesig»

Während etwa Aargau, Bern und Schwyz in Sachen Massentests demnächst nachziehen wollen, sind andere Kantone insbesondere bei den Schulen zurückhaltend. Im Thurgau zum Beispiel hält man Massentests dort für zu aufwendig. Basel-Stadt sieht auch von ihnen ab. Die Zwischenergebnisse aus Baselland, Graubünden und Zug bestärken Kantonsarzt Thomas Steffen in seiner Strategie. Er sagt: «Die Gefahr, dass man sich beim Testen verliert, ist riesig».

Der grosse logistische Aufwand und das Geld sind dabei für Steffen nur der Anfang. «Massentests beanspruchen noch viele andere Ressourcen, in den Labors, aber auch in den Institutionen, weil sie Geduld kosten und Abläufe stören», sagt er. Deshalb will Basel-Stadt in den Schulen weiterhin situativ testen, bei Ausbrüchen etwa – oder auch dann, wenn in einem bestimmten Quartier die Fallzahlen steigen.