Kommentar
Massen-Covid-Tests: Die Parteipräsidenten verhalten sich grenzwertig

Härtere Massnahmen an den Grenzen und insbesondere Massen-Covid-Tests der Grenzgänger fordern die Parteipräsidenten von rechts bis links. Das ist peinlich, solange die Schweiz nicht einmal in Altersheimen richtig testen kann.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Geht es nach den Parteipräsidenten, sollen Grenzgänger in Zukunft regelmässig auf Corona getestet werden.

Geht es nach den Parteipräsidenten, sollen Grenzgänger in Zukunft regelmässig auf Corona getestet werden.

Keystone

Dank gibt es für die 340'000 Grenzgänger nicht, die beispielsweise im Schweizer Gesundheitswesen mithelfen. Im Gegenteil. Kommen sie in die Schweiz, sollen sie künftig regelmässig getestet werden. So stellen es sich die Parteipräsidenten von links bis rechts vor. GLP-Präsident Jürg Grossen spricht gar von täglichen Tests, welche die Firmen durchführen sollen.

Man reibt sich die Augen. Tausende starben in Schweizer Pflegeheimen an Covid. Aber auch Monate nach Ausbruch der Pandemie hat es die Schweiz nicht geschafft, dort regelmässige Tests einzuführen, um Personal und Besucher ausfindig zu machen, die das Virus ohne ihr Wissen hineinschleppen. Man scheut sich, den Pflegenden Vorschriften zu machen.

Bei den Grenzgängern gibt es keine Hemmungen. Auch deshalb hat die Forderung einen schalen Beigeschmack. Vor allem aber insinuiert sie, alles Böse komme vom Ausland. Dichten wir die Grenzen ab, geht es uns besser. Dass auch die Parteipräsidenten von SP und Grünen dieses Gedankengut unterstützen, – sonst gern als Hüter sogenannter Weltoffenheit unterwegs–, ist besonders peinlich. Zumal in den vergangenen Wochen die Schweiz schlechtere Corona-Kennzahlen aufwies als das Ausland.

Ebenso peinlich ist das Vorgehen der Parteipräsidenten insgesamt. Die vier Regierungsparteien hätten ihre Forderungen in Bundesrat und Parlament längst einbringen können, statt sich jetzt medienwirksam zu profilieren. Zudem sind ihre Forderungen weder durchdacht noch mit den Grenzkantonen abgesprochen, die massiv opponieren. Und so fallen die Forderungen nun in sich zusammen.