1. Mai

Masse Mensch

Gastrednerin an der 1.-Mai-Feier in Balsthal: Evelyn Borer.

1.-Mai-Feier

Gastrednerin an der 1.-Mai-Feier in Balsthal: Evelyn Borer.

Das gute Einvernehmen zwischen Firmen und Beschäftigten sei gefährdet, sagte die SP-Kantonalpräsidentin an der 1.-Mai-Feier in Balsthal. «Der Arbeiter wird zur Manövriermasse.»

Fabian Muster

Schon fast traditionellerweise trafen sich die SP/Unabhängigen Balsthal - diesmal jedoch ohne den vorgängigen Umzug - zur 1.-Mai-Feier in der Goldgasse vor dem Claro-Laden. «Im Mittelpunkt vom bürgerlichen Balsthal», wie Ortspräsident Fritz Dietiker vor rund 30 Genossen süffisant bemerkte.

In seinen einführenden Worten ging er gleich auf die heissen Themen der Regionalpolitik ein: «Wir sind die Einzigen, die gegen eine teure Umfahrung Klus sind.» Und sie setzten sich für alle Alternativenergien ein - auch für Windenergie, wie er mit Verweis auf mögliche Windparks im Thal sagte.

So ist es für Dietiker denn auch keine Frage, dass es die Sozialdemokraten in der Dorfpolitik braucht. «Zwar sind 80 Prozent Sachgeschäfte, aber bei den restlichen 20 Prozent bieten wir eine Alternative zu den bürgerlichen Parteien.»

Arbeitnehmer wird Spielball

Auch für Gastrednerin Evelyn Borer war klar, dass am 1. Mai aufgezeigt wird, dass das «sozialdemokratische Engagement möglich geworden ist». In ihrer Rede stellte die SP-Kantonalpräsidentin das soziale Konstrukt des Vertrages in den Mittelpunkt. «Solche Verträge haben wir zwischen Alten und Jungen, Gesunden und Kranken oder zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.»

Und gerade Letzteren sieht Borer durch die Krise gefährdet: «Mit dem Verlust von Arbeitsplätzen wird auch der Arbeitnehmer immer mehr zum Spielball und zur Manövriermasse.» Je mehr der Beschäftigte unter Druck gerate, «desto öfters wird er akzeptieren, was er eigentlich nicht akzeptieren sollte».

Die grossen Sozialversicherungen sind laut Borer gerade in Zeiten der Konjunkturflaute besonders vonnöten. Sie verurteilte das «Spielen an der Börse mit Pensionskassengeldern». Die Versicherten müssten nun die Verluste decken und mit einem niedrigeren Umwandlungssatz rechnen. «Irgendwann arbeiten wir dann bis 67 oder 72», malte sie düstere Szenarien an die Wand. Ebenso geisselte die

SP-Frau das «Geschäftsgebaren» der Manager: «Die Verträge, die sie abschliessen, haben mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein nichts zu tun.» Boni seien Teil der Verträge, während zugleich Verträge mit Angestellten aufgelöst würden.

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