Maskenpflicht im Freien
Glarner Landsgemeinde im vollen Gang: Kurz rein, abstimmen und schnell wieder raus

Nach mehr als zwei Jahren findet in Glarus die wohl längste Landsgemeinde seit vielen Jahren statt. Einiges ist anders als üblich.

Nina Fargahi
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Glarner Stimmbevölkerung nimmt den Traktanden-Marathon in Angriff.

Glarner Stimmbevölkerung nimmt den Traktanden-Marathon in Angriff.

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Obwohl Glarus derzeit der Kanton mit den meisten Corona-Fällen pro 100’000 Einwohner ist und schweizweit die höchste Inzidenz aufweist, findet die urdemokratische Landsgemeinde statt. Doch in diesem Jahr ist einiges anders als sonst.

Im Ring, wo das Stimmvolk über die Vorlagen entscheidet, herrscht eine Maskenpflicht im Freien. Die Begründung: Es können keine Mindestabstände eingehalten werden und das Contact-­Tracing ist nicht praktizierbar.

Maskenpflicht gilt während der Landsgemeinde des Kantons Glarus am Sonntag, 5. September 2021 in Glarus. (KEYSTONE/Christian Merz)

Maskenpflicht gilt während der Landsgemeinde des Kantons Glarus am Sonntag, 5. September 2021 in Glarus. (KEYSTONE/Christian Merz)

Christian Merz / KEYSTONE

«Nicht einmal unsere Verfassung hat das Vorgehen geregelt, falls eine Landsgemeinde nicht stattfinden kann», sagt Frau Landammann Marianne Lienhard (SVP) in ihrer Eröffnungsrede. Corona habe der Bevölkerung viele Freiheiten geraubt und zahlreiche Existenzen zerstört, sagte Lienhard.

«Es scheint so, dass sobald wir uns wieder an mehr Freiheit bedienen, Corona wieder zuschlägt.»

Doch gerade das Bestreben nach Freiheit erfordere Solidarität mit den verletzlichen Personen und Rücksicht, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Glarner Landsgemeinde bei strahlendem Wetter.

Glarner Landsgemeinde bei strahlendem Wetter.

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Weil die Sonne zur Mittagszeit auf den Platz brannte, haben draussen vor dem Ring einige Leute einen «Trick» ausgeheckt. Bei Traktanden, bei denen sie mitbestimmen möchten, ziehen sie die Maske an, gehen in den Ring, stimmen ab und gehen wieder raus. «Ich halte das sonst nicht aus in dieser Hitze mit der Maske», sagte eine Glarnerin, angesprochen auf dieses Vorgehen.

Weil es nach zweieinhalb Jahren die erste Landsgemeinde ist, haben sich die politischen Geschäfte angestaut. 23 Wahl- und Sachthemen stehen zur Abstimmung, etwa zwei bis drei Mal so viele als üblich. Es geht um Steuern, um das Energiegesetz, um die Anstellungsbedingungen der Pflegenden, um bauliche Massnahmen. Es dürfte wohl die längste Landsgemeinde seit vielen Jahren sein. Falls nicht alle Geschäfte beraten werden können, wird die Landsgemeinde nächstes Wochenende in einer zweiten Zusammenkunft fortgesetzt.

Wenige Ehrengäste und keine Marktstände

Dieses Jahr sind Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) mit ihrem Ehemann als Ehrengäste im Ring anwesend. Unter den Gästen befindet sich auch der Regierungsrat des Kantons Zug in corpore. Wegen der Pandemie wurden nur wenige offizielle Gäste eingeladen. Auch der Landsgemeinde-Markt mit den vielen Ständen wurde gestrichen. Wenn man sich umhört, sagen alle, dass viel weniger Leute dieses Jahr den Weg auf den Zaunplatz gefunden hätten wie sonst. Es sind ungefähr 2'000 Personen anwesend.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter während der Landsgemeinde des Kantons Glarus am Sonntag, 5. September 2021 in Glarus.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter während der Landsgemeinde des Kantons Glarus am Sonntag, 5. September 2021 in Glarus.

Christian Merz / KEYSTONE

Ebenfalls aussergewöhnlich ist das grosse Polizeiaufgebot. Der diensthabende Pikettchef Richard Schmidt erklärt, dass 30 Personen aus dem sogenannten Ostpol-Konkordat angefordert wurden. Das heisst, die Glarner Kantonspolizei erhielt Verstärkung aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Graubünden und St.Gallen.

Wegen der Pandemie habe man nicht damit gerechnet, dass die Landsgemeinde statt wie gewöhnlich am ersten Sonntag im Mai, plötzlich im September stattfinden würde, so Schmidt. So eine Veranstaltung brauche viel Organisation im Vorfeld, da auch beispielsweise einige Personen noch in den Ferien seien. Deshalb habe man Unterstützung aus den anderen Kantonen angefordert. «Wir freuen uns jedenfalls, dass die Stimmbevölkerung ihre demokratischen Rechte trotz Corona wahrnehmen kann.»

Stimmberechtigte des Kantons Glarus stimmen über zahlreiche Vorlagen ab während der Landsgemeinde des Kantons Glarus am Sonntag, 5. September 2021 in Glarus.

Stimmberechtigte des Kantons Glarus stimmen über zahlreiche Vorlagen ab während der Landsgemeinde des Kantons Glarus am Sonntag, 5. September 2021 in Glarus.

Christian Merz / KEYSTONE

Zwischenfälle mit Impfgegnern habe es am Vormittag noch nicht gegeben, ausser einer Person, die Pamphlete verteilt habe. «Wir haben diese Person vom Platz verwiesen; ansonsten verläuft alles ruhig und die Leute halten sich an die Regeln», so Schmidt.

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