Missbrauchsvorwurf
Markus Zangger löste sich erst mit 27 von Jürg Jegge: «Lang mich nicht mehr an»

Nach der Veröffentlichung des Enthüllungsbuches «Jürg Jegges dunkle Seite» waren Autor Markus Zangger und Co-Autor Hugo Stamm im TalkTäglich zu Gast. «Das freundschaftliche Verhältnis begann er früh auszunutzen, indem er übergriffig wurde», verurteilt Zangger seinen ehemaligen Lehrer, den renommierten Pädagogen Jürg Jegge.

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«Wenn das Oper spricht, verliert der Täter seine Macht.» Dies erkannte Markus Zangger erst spät, wie er im TalkTäglich offenbarte. Mit 27 Jahren gelang es dem heutigen Bühnenmeister, sich vom Missbrauch seines langjährigen Lehrers Jürg Jegge loszulösen. In diesem Alter schaffte er es, dem Pädagogen zu sagen: «Du langst mich nicht mehr an.» Doch die Kraft, seine Geschichte publik zu machen, fand Zangger erst heute, als 58-Jähriger.

«Er hat bis ins hohe Erwachsenenalter nicht erkannt, dass es sexuelle Übergriffe sind», erklärt Sektenexperte Hugo Stamm, weshalb Markus Zangger erst jetzt an die Öffentlichkeit ging. Mit elf Jahren war Zangger zu Jürg Jegge in die Sonderschule gekommen - entgegen seinem Willen, wie Zangger im TalkTäglich betont. Jegge baute, wie offenbar zu vielen seiner Schüler, ein freundschafltiches Verhältnis auf, dass er wie Zangger schildert, «früh ausnutzte, indem er übergriffig wurde». Der Weg zum sexuellen Missbrauch sei gemäss Stamm ein schleichender Prozess gewesen. Zangger schildert eine von Jegge angewandte Therapie, das «Durchatmen». Hierbei sei es immer mehr zu sexuellem Missbrauch gekommen. «Er war nackt, ich war nackt», erzählt der Geschädigte. Und Zangger enthüllt weiter: «Alkohol spielte auch eine Rolle und wurde zum Weichmacher.»

Der TalkTäglich in voller Länge:

Jegges Sonderschule auf einem abgelegenen Bauernhof in Embrach drohte, wie Zangger sagt, in den Achtzigerjahren in Verruf zu geraten. «Der Embracher Bevölkerung war klar, dass etwas nicht sauber läuft.» Die Schule wäre beinahe geschlossen worden. Doch dann veröffentlichte Jürg Jegge jenes Buch, das ihn zu einem renommierten Pädagogen emporhob. Mit «Dummheit ist lernbar», sind sich Stamm und Zangger einig, sei Jegge der Befreiungsschlag gelungen.

Die Autoren von «Jürg Jegges dunkle Seite» stützen sich im Zuge der Enthüllung auf zwei Beweise. Zum einen ist dies ein Brief von Jegge an Zangger. Im Schriftstück gibt es eindeutige Hinweise, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten:

«Ging es mir dabei nicht hauptsächlich um mich selber? Sicher auch, aber nicht ausschliesslich. Jeder Mensch, der mit einem anderen Menschen zärtlich ist, befriedigt damit auch eigene Zärtlichkeitsbedürfnisse.»

Im selben Brief entschuldigt sich Jegge indirekt mit folgenden Worten:

«Ging es mir dabei nicht hauptsächlich um mich selber? Sicher auch, aber nicht ausschliesslich. Jeder Mensch, der mit einem anderen Menschen zärtlich ist, befriedigt damit auch eigene Zärtlichkeitsbedürfnisse.»

Diese Entschuldigung könne er «nicht annehmen», sagt Zangger. «Ich kann ihm natürlich auch nicht vergeben.»

Vier ehemalige Mitschüler legten gegenüber Markus Zangger Zeugnisse ab. Sie bestätigen die Vorwürfe gegen Jürg Jegge vollständig. Deshalb geht Hugo Stamm von einer hohen Dunkelziffer aus. «Ich hoffe darauf, dass sich weitere Betroffene melden», so der Sektenexperte und Journalist. Derweil Zangger betont, er verstehe sein Buch nicht als Vergeltung, sondern als Mutmacher, über den Missbrauch zu sprechen.

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