Bulli
Männer führen immer noch klar

Die Zahl der Frauen in Verwaltungsräten und strategischen Führungsgremien von kantonal dominierten Unternehmen und Institutionen steigt an. Zufrieden sind aber deswegen weder der Regierungsrat noch SP-Grossrätin Dorette Balli.

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Bruno Utz

Die vom Regierungsrat soeben veröffentlichte Liste der «Frauen in Verwaltungsräten und strategischen Führungsgremien von Unternehmen und Institutionen mit Kantonsbeteiligung» zeigt auf, dass die Frauenquote angestiegen ist: Innert vier Jahren kletterte der Frauenanteil um ein Drittel auf 32 Prozent an (vergleiche Tabelle). Erfasst wurden sämtliche Institutionen, bei denen der Regierungsrat «direkt» die Zusammensetzung beeinflussen beziehungsweise bestimmen kann.

In absoluten Zahlen betrachtet präsentiert sich die Situation aus Sicht der Frauen allerdings nüchterner: Die Männer legten um 95 Personen zu, die Frauen um 55. Und die Steigerung ist nochmals zu relativieren. Die Zahl der erfassten Institutionen hat sich in der vierjährigen Beobachtungsperiode nämlich vor allem deswegen verdoppelt, weil neu neben den Aktiengesellschaften der Regionalen Spitalzentren auch die kulturellen Kommissionen Eingang fanden in die Liste.

Regierungsrat nicht zufrieden ...

Ohne Berücksichtigung der kulturellen Kommissionen lag die Frauenquote im März 2009 lediglich bei 29 Prozent, ein Fünftel höher als zu Beginn der Beobachtungsperiode. Diese Angaben sind der regierungsrätlichen Antwort zu einer Interpellation von Dorette Balli (SP/Langenthal) zu entnehmen. «Das Ziel einer ausgewogenen Vertretung beider Geschlechter ist noch nicht erreicht und der Regierungsrat ist mit der heutigen Frauenquote nicht zufrieden», kommentiert der Regierungsrat das Resultat seines Zahlenwerks gleich selber.

... Dorette Balli auch nicht

Die gleiche Feststellung macht die Interpellantin. Balli: «Die Quote von 32 Prozent wäre an sich recht positiv. Aber genau in jenen Institutionen, wo es um Geld und Macht geht, sieht es sehr düster aus.» Balli nennt Unternehmen wie Berner Kantonalbank, BKW Energie AG und BLS. Es sei stets dasselbe: immer dort, wo es um ehrenamtliche Tätigkeiten geht, seien die Frauen übervertreten, verweist sie auf den Einbezug der kulturellen Kommissionen. Die regierungsrätlichen Antworten seien allgemein gehalten. So fehle auch die von ihr verlangte aktuelle Liste der Verwaltungsräte.

Nun schiesst die Langenthalerin mit gröberem Geschütz: Sie hat bereits eine Motion eingereicht. Darin verlangt sie eine «bescheidene» Frauenquote von 30 Prozent, aber das «in allen Unternehmen, welche zum Kreis der Träger öffentlicher Aufgaben gehören», wie sie in der Kantonsverfassung umschrieben sind.

Im Grunde sei sie Quoten gegenüber eher abgeneigt. «Aber in dieser Frage sind sie nötig, sonst kommen wir nie vom Fleck», so Balli. Das öfters vorgebrachte Argument, es seien gar keine dem jeweiligen Anforderungsprofil entsprechende Frauen vorhanden, weist sie vehement zurück. «Anforderungsprofile kann man so konstruieren, dass fast nur Männer dazu passen.»

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