Olten

Man war vor allem eines: sich einig

Auf dem Podium Ernst Zingg (links) und Peter Schafer (rechts) stehen Gesprächsleiter Werner De Schepper Red und Antwort.

Ernst Zingg (l.), Peter Schafer (r.), Wernder De Schepper

Auf dem Podium Ernst Zingg (links) und Peter Schafer (rechts) stehen Gesprächsleiter Werner De Schepper Red und Antwort.

Keine Kontroverse zwischen den Anwärtern fürs Oltner Stadtpräsidium, Ernst Zingg und Peter Schafer: An der Podiumsdiskussion gingen beide in schierer Harmonie auf.

Urs Huber

Üblicherweise lässt sich wenigstens metallisches Sirren vernehmen, wenn zwei Kontrahenten die Klingen kreuzen. Nicht so in Olten: Im aktuellen Wahlkampf ums Stadtpräsidium ists offensichtlich nur sehr schwer möglich, die Profile der beiden Kandidaten Peter Schafer und Ernst Zingg herauszuarbeiten; jedenfalls auf Podiumsebene. Das lag vielleicht an den aufgeworfenen Themen, vielleicht am Wetter, vielleicht auch am Umstand, dass die gemeinsam verbrachten Jahre im Stadthaus für weitgehende Kongruenz sorgte. Der freisinnige Ernst Zingg nämlich ist seit zwölf Jahren Oltens Stadtpräsident und strebt als solcher eine weitere Legislatur an. Der Sozialdemokrat Peter Schafer amtet seit acht Jahren als Stadtrat und möchte, wie er am Podium in Oltens altehrwürdigem Filmhaus Lichtspiele erklärte, nun zur eigentlichen Meisterprüfung antreten. Er fühle sich fit, meinte er zu den rund 60 Kiebitzen gewandt, die sich auf Sofas und Fauteuils niedergelassen hatten.

Olten SüdWest verschlafen?

Gesprächsleiter Werner De Schepper liess nichts unversucht, mögliche Differenzen unter den Protagonisten herauszuarbeiten. Aber: Fehlanzeige. Dabei hätte der Einstieg brisanter nicht sein können: Schafer wie Zingg teilten die Ansicht, dass die Thematik Olten SüdWest im Stadthaus keineswegs «verschlafen» wurde, wie De Schepper ihnen unterzujubeln versuchte. Die Idee, das Gelände zu kaufen, sei nie ins Reifestadium gelangt, eine konkrete Offerte der Holcim habe nie vorgelegen, so Zingg. Und Schafer meinte, das Areal biete eine gute Gelegenheit, Wachstum anzustreben, wo Familien Wohnraum finden könnten. Bezüglich «Endausbau Olten SüdWest» meinte er, eine gute soziale Durchmischung und die Einhaltung des Minergiestandards seien zwingend.

Etwas allgemeiner fasste sich Zingg: Qualität stehe für die Stadt an oberster Stelle, meinte er. Er stehe mit Investor Leopold Bachmann in Kontakt, allerdings hätten sich daraus noch keine konkreten Ergebnisse ableiten lassen.

Das Kontra blieb aus

Von der Tatsache, dass mit Bachmann ein einzelner als Käufer aufgetreten ist, waren Schafer wie Zingg seinerzeit gleichermassen überrascht worden. Die Idee aus dem Publikum, das Gelände hätte durch die Stadt erworben und allenfalls mit fremder Hilfe vermarktet beziehungsweise entwickelt werden können, verwarf Zingg, ohne dass von Schafer Kontra gegeben worden wäre. Das sei ein Projekt, welches sich über 30 Jahre hinziehe. Und: Es komme nicht immer gut heraus, wenn die Stadt als Grundstückeigentümer mitwirke, so der offensichtliche Konsens. Daran konnte auch der Vorhalt aus dem Publikum, die Stadt habe in Sachen Olten SüdWest zu wenig Unternehmergeist bewiesen, nichts ändern.

Olten hat Nachholbedarf

Dass mit Olten SüdWest, dem Projekt Nautilus (Parkhaus Munzingerplatz), demjenigen von andaare (Gestaltung Aareraum) quasi zeitgleich gewaltige Brocken auf die Stadt zukommen, erklärten Zingg und Schafer mit dem Umstand, dass kleinere Städte wie Olten einen enormen Nachholbedarf hätten. Der Nachfrage aus dem Plenum, ob diesem Umstand auch auf der Ebene der personellen Ressourcen begegnet würde, begenete das Podium mit einem Ja.

Es lag wohl in der Natur der Sache, dass deutlich mehr Redezeit an Zingg ging. Schafer konnte nebenher immerhin für sich reklamieren, mit der geschaffenen Sozialregion Olten, an welcher mit Hauenstein-Ifenthal, Winznau, Wisen und Trimbach vier weitere Gemeinden beteiligt sind, eine Art vorgezogene Gemeindefusion in die Tat umgesetzt zu haben, an welcher er nicht unwesentlich mitgewirkt habe und von der auch die Stadt profitiere.

Doch noch Unterschiedliches

Schliesslich sollte sich jeder noch zur Frage, warum er und nicht der andere der Bessere sei, verlauten lassen. Schafer wie Zingg warfen dabei ihr aufgebautes Beziehungsnetz in die Waagschale, wobei dasjenige Zinggs den nationaleren Eindruck hinterliess, derweil Schafer Alter und Unverbrauchtheit in den Vordergund schob und seine Vorstellung, dem Bahnhof als Schmelztiegel vermehrte Bedeutung zukommen zu lassen, in den Vordergrund schob.

Immerhin kam dann noch der Aspekt Kultur zum Tragen, der Unterschiedliches ans Tageslicht förderte. Welchem zeitgenössischen Künstler sollte in Olten eine ganz besondere Ausstellung gewidmet sein? Wem sollte das Oltner Ehrenbürgerrecht zuteil werden? Fragen, die auf die Schnelle beantwortet wurden. Schafer nannte die derzeit im Kunstmuseum gegenwärtige Gillian White, derweil Zingg auf die Karte Jugendart setzte.

Und bezüglich Ehrenbürgerrecht gingen die Vorstellungen ebenfalls auseinander. Schafer bevorzugte Mike Müller oder gar Werner De Schepper, derweil Zingg mit Peter André Bloch den wohl umtriebigsten Kulturvermittler der Region auswählte.

Noch eine Differenz

Nach gut einer Stunde dann das Finale: die Prognose nach Oltens Bevölkerungszahl in zehn Jahren: Zingg nannte optimistische 22 000, während Schafer nicht an einen Boom glauben will und bei 18 000 verharrte. «So rasch wird das nicht gehen», meinte er lächelnd.

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