Dorothea Loosli

«Man spürt bereits den Wahlkampf»

Dirigiert heute zum letzten Mal den Grossen Rat: Dorothea Loosli.

"Man spürt bereits den Wahlkampf"

Dirigiert heute zum letzten Mal den Grossen Rat: Dorothea Loosli.

Heute sitzt die grüne Dorothea Loosli-Amstutz zum zweitletzten Male auf dem Präsidenten-Stuhl des Grossen Rates. Am 2. Juni, nach den Wahlgeschäften, wird sie Chantal Bornoz Flück Platz machen.

Bruno Utz

Heute endet für Sie die letzte Session als Ratspräsidentin. Wie fühlen Sie sich?

Dorothea Loosli-Amstutz: Ich habe gemerkt, dass es mir gefällt, die Sessionen zu «managen». Wieder etwas Verantwortung abzugeben, ist jedoch auch schön. Manchmal war es ja doch ziemlich streng.

Apropos streng: Ihr Pendent im Nationalrat, Chiara Simoneschi (CVP), übt ihr Präsidium sehr straff aus. Wäre mehr Durchgreifen nicht auch hin und wieder im Grossen Rat nötig?

Loosli: Durchgreifen in welchem Sinn?

Der Lärmpegel ist oft hoch.

Loosli: Das ist so. Am Anfang war ich diesbezüglich auch strenger. Aber ich merkte, das nützt nichts. Ich dachte mir, es ist vermutlich wie in der Schule: Wenn der Lehrer laut redet, werden die Schüler ebenfalls immer lärmiger. Vielleicht wäre es sinnvoll, das Mikrofon leiser zu stellen? Ich verliess mich schliesslich darauf, dass diejenigen Grossräte, die ein Referat anhöhren wollen, ihre Sitznachbarn selber bitten, zu schweigen.


Mit bescheidenem Erfolg.

Loosli: Mit mässigem, es hängt auch immer davon ab, wie gross das Interesse an einem Geschäft ist.

Wie beurteilen Sie die Effizienz des Grossen Rates?

Loosli: Es ist schon so, dass nach den Fraktionssprecherinnen und -sprechern ab und zu Wiederholungen zu hören sind. Nicht selten gehen solche Räte auch ans Mikrofon, um ihre Position nach aussen publik zu machen.

Also Wortmeldungen, in der Hoffnung, dass die Medien griffige Zitate daraus aufnehmen?

Loosli: Genau, aber das ist ihr Recht. Man spürt jedoch bereits den Wahlkampf.

Sie sind noch bis Ende Mai «höchste Bernerin». Welche wichtigen Aufgaben warten noch auf Sie?

Loosli: Ich werde noch zahlreiche repräsentative Aufgaben wahrnehmen dürfen, darunter als Höhepunkt am 15. Mai die Eröffnung der BEA/Pferd. Und in Burgdorf darf ich beispielsweise am 18. April am Swissopen, einer Eliteschau für Fleischrinder, die «Miss» küren.

Man spürt, Sie sind gerne Grossratspräsidentin.

Loosli: Das stimmt. In den vergangenen Monaten habe ich all die verschiedenen Facetten des Kantons Bern noch viel mehr lieben gelernt. Ich schätzte es sehr, immer wieder Neues zu entdecken und Institutionen kennen zu lernen, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Werden Sie ihrer mutmasslichen Nachfolgerin, Chantal Bornoz Flück (SP/La Heutte), einen Rat mit auf den Weg geben?

Loosli: Es ist sehr gut, dass wir ab Juni eine französischsprachige Ratspräsidentin aus dem Berner Jura haben werden. Ich vermute aber, dass es im deutschsprachigen Teil des Kantons nicht goutiert würde, wenn Chantal Bornoz bei ihren repräsentativen Auftritten nur Französisch sprechen würde. Ich habe jeweils versucht, im welschsprachigen Teil mich sprachlich anzupassen. Ich werde ihr empfehlen, dies möglichst auch zu tun. Die Leute sollen spüren, dass wir uns bemühen, die regionale Sprache zu sprechen. Das dient auch dem Erhalt der Zweisprachigkeit.

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