Waadt

Man spricht bereits von einem geplanten «Vatermord»

Die SP-Jugend befürchtet, dass er es sich bei einer Wiederwahl allzu gemütlich machen könnte: Staatsrat Pierre-Yves Maillard.

Die SP-Jugend befürchtet, dass er es sich bei einer Wiederwahl allzu gemütlich machen könnte: Staatsrat Pierre-Yves Maillard.

Der Nimbus des SP-Regierungsrates Pierre-Yves Maillard ist bereits vor den kantonalen Wahlen 2017 angekratzt.

SP-Staatsrat Pierre-Yves Maillard, der beim Rücktritt von Micheline Calmy-Rey schweizweit als Bundesratskandidat bekannt wurde (gewählt wurde schliesslich Alain Berset), verfügt in der Waadt über ein Renommee, wie es seit Jean-Pascal Delamuraz kein kantonaler Politiker mehr hatte. Obwohl dem linken Flügel der SP zugerechnet, gilt «PYM» auch bei den Bürgerlichen als politisches Hochtalent und sicherer Wert. Sein Einsatz für eine staatliche Krankenkasse findet in der Romandie weiter über das linke Lager hinaus Gehör, wie Abstimmungen regelmässig zeigen.

Trotz seiner oft schneidenden linkssozialen Rhetorik (und Praxis) ist der frühere Gewerkschafter auch ein bodenverhafteter Realist und Pragmatiker, der weiss, dass es in der Schweizer Politik ohne Kompromisse nicht geht.

«Nebel und Schlauheit»

Mit dem anderen «starken Mann» der Regierung, dem staatsbewussten FDP-Finanzdirektor Pascal Broulis – auch er ein früherer Bundesratsanwärter – bildet Maillard eine Art Konsulat, das die kantonale Politik trägt; so sehr, dass das Tandem den hübschen Übernamen «Brouillard et Malice» (Nebel und Schlauheit) bekommen hat. Vereinfacht gesagt funktioniert das Tandem so: Maillard funkt Broulis nicht in die Finanzpolitik hinein und kann dafür eine grosszügige Sozialpolitik betreiben. Dieser Achse ist es wesentlich zu verdanken, dass die Einführung eines einheitlichen kantonalen Unternehmenssteuersatzes von den Stimmbürgern mit grossem Mehr angenommen wurde. Nicht überraschend ist es, dass Broulis und Maillard bei den Regierungswahlen jeweils mit Glanzresultat wiedergewählt werden.

SP-Jugend begehrt auf

Angesichts der unbestreitbaren Popularität des Gesundheitsdirektors wäre eigentlich anzunehmen, dass seine Wiederwahl bei den Kantonalwahlen von Frühling 2017 eine Formsache sei. Doch dies scheint nicht der Fall zu sein. Überraschenderweise ist Maillard in den letzten Wochen aus den eigenen Reihen bereits Widerstand erwachsen. Maillards Problem besteht darin, dass er schon 12 Jahre in der Regierung sitzt und die SP Waadt eine Amtszeitbeschränkung auf drei Legislaturperioden kennt. Für ein viertes Mandat müsste Maillard also, wie auch seine Kollegin Anne-Catherine Lyon, eine Ausnahmebewilligung bekommen.

Eigentlich zweifelte kaum jemand daran, dass die SP-Parteiversammlung Ende September ihrem Alphatier Maillard diese Genehmigung erteilt (für Kollegin Lyon ist dies nicht so sicher). Nun hat sich aber plötzlich die SP-Jugend quergestellt und sich gegen eine Verlängerung der Amtszeit der beiden «Dinosaurier» gestellt. Wie ihr Sprecher Romain Pilloud gegenüber der Tageszeitung «24heures» sagte, befürchten die Jungen, dass sich Maillard und Lyon in einer Komfortzone einrichten und die kantonale Politik «verkalken» könnte. Auf die Frage, ob die junge SP einen «Vatermord» plane, antwortete Pilloud lapidar und durchaus zutreffend, Maillard sei doch gar nicht ihr Vater.

Frauen drängen an die Macht

Morgen Donnerstag will die SP-Jugendsektion ihre Position öffentlich präzisieren. Es ist möglich, dass es doch noch zu einem Arrangement kommt. Aber schon jetzt zeigt sich, dass das, was ursprünglich wie eine Formsache aussah, möglicherweise zu einem Hindernislauf werden könnte. Das Paradoxe daran ist, dass die SP nicht zuletzt dank Pierre-Yves Maillards Nimbus in den letzten Jahren viele ambitiöse junge Männer und vor allem auch Frauen angezogen hat, die jetzt an die Macht drängen. So etwa die Ständerätin Géraldine Savary, die Lausanner Stadträtin Florence Germond, Nationalrätin Rebecca Ruiz oder Nationalrätin Cesla Amarelle. Platzhirsch Maillard muss mit geballter Frauenpower rechnen.

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