Kampfjet-Beschaffung

Macron-Effekt und Trump-Faktor: Warum die Amerikaner bei der Kampfjet-Wahl das Nachsehen haben könnten

Beide wollen der Schweiz ihren Kampfjet verkaufen: Emanuel Macron (rechts) und Donald Trump.

Beide wollen der Schweiz ihren Kampfjet verkaufen: Emanuel Macron (rechts) und Donald Trump.

Wettbewerbsnachteil Trump: Vertreter von US-Kampfjetfirmen beneiden die Franzosen um ihren Präsidenten.

Für amerikanische Beobachter war der Fall klar: Dass Bundesrat Alain Berset am 14. Juli dieses Jahres auf Einladung von Staatspräsident Emanuel Macron an der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag teilnahm, konnte nur bedeuten, dass der französische «Rafale» im Ausscheidungsrennen um den neuen Schweizer Kampfjet ganz enorm gut platziert ist.

Frankreich macht der Schweiz den Hof, schlossen die Beobachter. Dass an der Militärparade auch noch vier unbeschwert marschierende Schweizer Soldaten die rot-weisse Flagge über die Place de la Concorde tragen durften, unter den Augen von Macron, verdeutlichte der argwöhnischen Kampfjet-Konkurrenz die engen französisch-helvetische Bande.

«Die Franzosen machen das sehr geschickt, sie sind auch im Hintergrund sehr aktiv», sagt ein amerikanischer Beobachter. Er sieht seinen Jet als beste Lösung, befürchtet aber, dass am Schluss die Franzosen die Nase vorn haben. Wegen des Macron-Effekts.

Vier Jets sind in der Ausmarchung um die F/A-18-Nachfolge: der Eurofighter von Airbus, der Super Hornet von Boeing, der F-35 von Lockheed, und der Rafale von Dassault. Dieser galt vielen von Anfang an als Favorit, und diese Einschätzung hat sich seither eher noch verfestigt. Dem anderen «Europäer», dem Eurofighter, vertreten letztlich von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, werden derzeit weniger Chancen eingeräumt.

Trump-Faktor als Wettbewerbsnachteil

So schätzt es auch die amerikanische Konkurrenz ein, und Gespräche in deren Umfeld zeigen, dass sie zunehmend an einem weiteren Nachteil leiden: dem Trump-Faktor.

Die Amerikaner beneiden Frankreich um ihren schneidigen Präsidenten Macron, diesem Staatsmann, der sich selbstbewusst nicht nur für die Sache Frankreichs, sondern für die Sache Europas und damit der Schweiz einsetzt.

Trump dagegen bedeutet in einem Land wie der Schweiz Wettbewerbsnachteil. Vor einem Jahr noch verteidigten Vertreter von Herstellern den Präsidenten halbwegs im persönlichen Gespräch. Jetzt wird der Name Trump noch mit Schweigen quittiert. In offiziellen Zitaten werden Bezüge auf Trump vermieden.

Gerade «Corona» hat Spuren hinterlassen. Amerikaner in der Schweiz sind erschüttert über Trumps «Management» der Krise, über Lügen und Verantwortungslosigkeit. Manche sagen offen, wie froh sie sind, in der Schweiz leben zu dürfen.

Zwar führt die Schweiz derzeit eine Evaluation der vier Jets durch, Preis, Leistung und Kooperation zählen, und da rechnen sich die Amerikaner von Lockheed und Boeing gute Chancen aus. Aber selbst wenn die Trump-Administration das bessere Angebot als Macron oder Merkel für einen Jet einreichen sollte: Am Schluss entscheiden, über den Weg der Armeebotschaft 2022, Bundesrat und sogar Parlament über die Typenwahl. Es ist also letztlich ein politischer Entscheid.

Bei Herstellern herrscht Ruhe vor dem Sturm

Vorentscheidungen fallen jetzt Schlag auf Schlag. Am 27. September sagen die Stimmberechtigten in der Schweiz, ob der Bund sechs Milliarden für neue Jets ausgeben darf. Im November folgen die Präsidentenwahlen in den USA. Vertreter der Kampfjethersteller werden auf Joe Biden hoffen. Ebenfalls im November müssen die Hersteller die zweite und letzte Offerte im Schweizer Verteidigungsdepartement einreichen.

Derzeit herrscht Ruhe vor dem Sturm. Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) hatte die Hersteller angehalten, vor der Volksabstimmung keinen Wirbel zu verursachen. Danach aber werden, im VBS sagt man es voraus, die Hersteller mit ihren Angeboten in die Werbe-Offensive gehen. Dann beginnt auch der offene politische Showdown.

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