Gastbeitrag

Machtwechsel im Hause Blocher: Nun führt die Tochter, der Vater folgt

Magdalena Martullo-Blocher (SVP) trägt eine Atemschutzmaske während einer Frühlingssession im Nationalrat. (Bild: Keystone)

Magdalena Martullo-Blocher (SVP) trägt eine Atemschutzmaske während einer Frühlingssession im Nationalrat. (Bild: Keystone)

In der Coronakrise ist SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo die «Spezialistin» - und in der Themensetzung ihrem Vater Christoph Blocher einen Schritt voraus. Es ist Ausdruck einer Wachtablösung in der mächtigsten Politikfamilie der Schweiz.

Furcht war es nicht gerade, aber grösster Respekt: Das strahlte Christoph Blocher zu Beginn der Coronakrise aus. Er begab sich sofort in Selbstisolation zu Hause und empfing keine Besucher mehr. Anfänglich nahm er bloss noch die Sendung TeleBlocher in Herrliberg auf, aber im Garten, in Schutzmaske und auf mindestens zehn Meter Abstand zum Interviewer, bevor er auch dafür die maximale Distanzierung mittels Skype wählte

Es war offensichtlich, dass er die Gefahr als beträchtlich einstufte, die vom Virus aus Wuhan ausging. Wie sonst wäre ihm zu Beginn der Pandemie der Satz «Wir müssen uns hinter den Bundesrat stellen» über die Lippen gekommen?

Das Bild von Christoph Blocher in Schutzmaske erinnerte an die Aufnahmen der maskentragenden Tochter im Nationalratssaal. Magdalena Martullo-Blocher wollte in der letzten Session mit dieser Aktion Werbung für den chinesischen Ansatz zur Seuchenbekämpfung machen, in dem das Tragen von Schutzmasken einen grossen Stellenwert einnimmt.

Während die SVP-Politikerin im Bundeshaus allerdings keine Nachahmer fand und aus dem Saal gewiesen wurde, verhielt es sich in der eigenen Familie ganz anders. Der Vater befolgte die Anweisungen der Tochter – die sich in einem Interview selbst als «Corona-Spezialistin» bezeichnet hat – skrupulös: Maskentragen, Händewaschen, Selbstisolation als Über-65-Jähriger. Wenn der Tod mit dem nächsten Gast ins Haus zu kommen droht, hört auch für Christoph Blocher der Spass auf.

Dann setzte die Besitzerin der Ems-Gruppe zu einer medialen Grossoffensive gegen die Politik des Bundesrats an. Dieser zerstöre mit seinem undifferenzierten Vorgehen die Wirtschaft, kritisierte sie. Besonders Bundesrat Alain Berset bekam sein Fett ab, stürze dieser doch die Schweiz in eine Rezession, bloss um von den eigenen Verfehlungen abzulenken. Zu diesen gehöre insbesondere, dass keinerlei Vorräte an Schutzmasken angelegt worden seien und deswegen keine generelle Verpflichtung zu deren Gebrauch angeordnet werde konnte.

Der Vater folgt der Tochter

Wie ein laues Echo wiederholte kurz danach Christoph Blocher diese Vorwürfe, etwa auf TeleBlocher und auch anderswo, immer noch vorbildlich in Selbstisolation, die er – in Übereinstimmung mit der innerfamiliären Expertin – neben dem Maskentragen nochmals als bestes Mittel gegen Corona empfahl. Er illustrierte dies mit dem Hinweis, selbst die eigene Familie über Ostern nicht getroffen zu haben - die älteste Tochter legte den Eltern am Sonntag einen Blumenstrauss vor die Tür und eilte von dannen.

Christoph Blocher nimmt seine Sendung TeleBlocher wegen Corona nur noch über Skype auf. In der letzten Episode kritisiert Blocher den Bundesrat scharf. (Bild: Screenshot YouTube)

Christoph Blocher nimmt seine Sendung TeleBlocher wegen Corona nur noch über Skype auf. In der letzten Episode kritisiert Blocher den Bundesrat scharf. (Bild: Screenshot YouTube)

Plötzlich war Pauschalkritik angesagt. Kein Wort mehr von einer Unterstützung des Bundesrats. Im Gegenteil: Jetzt hiess, dieser ruinierte – eben – die Wirtschaft. Und Berset sei – eben - ein Versager. Nicht einmal Masken habe dieser in ausreichendem Ausmass einlagern lassen.

Was diesen Punkt betrifft, muss man sagen: Die Basis für diese Vorsichtsmassnahme wäre tatsächlich vorhanden gewesen dank dem Pandemiegesetz, dem das Volk im September 2013 mit 60 Prozent zugestimmt hatte. Allerdings stimmte Blocher als einer der wenigen im Parlament gegen diese Vorlage.

Wer die Internet-TV-Sendung verfolgt, dem prägt sich vor allem ein Eindruck ein: Blochers Kritik wirkte ein wenig wie angelernt. Sie ist nicht auf dem eigenen Mist gewachsen. Es ist offenkundig, dass im Haus Blocher mit der Corona-Krise eine Stabsübergabe stattgefunden hat. Nun führt die Tochter, der Vater folgt.

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