So ein Velo kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Für Autos jedenfalls gibt es am Montagmorgen in Olten zeitweise kein Durchkommen mehr. In der Tempo-20-Zone am Rande der Innenstadt drängt Veloreifen an Veloreifen, ein zweispuriger Strom wie auf der Autobahn. «Heute sind Velofahrer mal nicht zweitrangig», jubelt eine Frau mit blauem Helm. Da kann der Mann im silbrigen Kombi noch so genervt aufs Steuerrad klopfen.

Irgendwie mag diese Machtdemonstration der Zweiräder nicht so recht zum sanften Verkehrsmittel passen. Doch gegen hundert Menschen sind in die Stadt gekommen, um radelnd für den Velo-Artikel zu werben, über den am 23. September abgestimmt wird.

Ganz vorne mit dabei: Verkehrsministerin Doris Leuthard. Auch die CVP-Bundesrätin trägt vorbildlich-achtsam einen Helm, sie sitzt halb aufrecht im Sattel des silbrigen Mietvelos. Die Bundespolitik fuhr in Sachen Drahtesel lange hinterher, das weiss Leuthard natürlich. Und sie weiss, welche Wirkung gute Bilder entfalten können. Mit einem einzigen Foto kann ein Politiker mehr vermitteln als mit all seinen Reden. Die Bundesrätin auf dem Velo, das ist ein Selbstläufer.

Also hat Leuthard ihr Sonnengesicht aufgesetzt, als der Tross die Altstadt verlässt und der Dünnern entlang Richtung Gäu radelt. Der Abschnitt der Veloroute 50 gilt als Musterbeispiel für eine gute Veloplanung. Der breite Weg ist getrennt vom Autoverkehr. Die Strecke ist grosszügig ausgeschildert, selbst die Details sind durchgeplant. So verläuft etwa die Holzbrücke im Gheidgraben nicht im rechten, sondern im stumpfen Winkel zum Fluss; Velofahrer können mit Schwung in die Kurve rein. Dank der regionalen Umfahrungsstrasse sei es gelungen, auch auf Velos optimal Rücksicht zu nehmen, erklärt Oltens Stadtpräsident Martin Wey unterwegs. «Beruhigung und Entflechtung» laute die Erfolgsformel.

Keine neuen Bundessubventionen

Aus Leuthards Sicht erhöht ein gutes Velonetz die Sicherheit aller. «Autos und Velos kommen sich weniger ins Gehege, wenn der Verkehr entflochten ist», sagt sie. Und für den Solothurner Baudirektor Roland Fürst ist klar: «Gemeinden, Kantone und der Bund müssen mehr kooperieren, um das Potenzial des Veloverkehrs voll zu nutzen.»

Velo-Abstimmung: Darum geht es

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Mit dem Bundesbeschluss Velo kommt eine Vorlage an die Urne, die weitgehend unbestritten ist und hinter der selbst der Touring-Club Schweiz steht. Ihr liegt eine Initiative zugrunde. «Pro Velo» hat diese zugunsten des Bundesbeschlusses jedoch zurückgezogen. Bei einem Ja würden die Wege für Velos in der Verfassung verankert und jenen für Fussgänger und Wanderer gleichgestellt.

Der Bund könnte Grundsätze festlegen und Massnahmen unterstützen. Zuständig für das Velonetz wären aber weiterhin Kantone und Gemeinden. Zu neuen Subventionen, betont Leuthard, werde der Bund nicht verpflichtet. Wen wundert es da, dass die Bundesrätin so entspannt in die Pedale treten kann.