Ausgeraucht?
«Macht vermutlich auch benebelt»: SVP-Hardlinerin Verena Herzog hat es auf CBD-Hanf abgesehen

CBD-Hanf boomt – dem wollen nun einige Politiker entgegenwirken. Die Allianz wird angeführt von SVP-Hardlinerin Verena Herzog (TG, 61), besser bekannt als «No-Drugs-Herzog». Das Ziel der Hanfgegner: den CBD-Markt auszutrocknen.

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Verena Herzog: «Dass eine CBD-Zigarette nicht psychoaktiv wirken soll, ist ein fadenscheiniges Argument.»

Verena Herzog: «Dass eine CBD-Zigarette nicht psychoaktiv wirken soll, ist ein fadenscheiniges Argument.»

Keystone

Die Altstadt von Zürich sieht aus wie ein Kiffer-Paradies. In gefühlt jedem zweiten Schaufenster wird Werbung für Hanf gemacht. Schweizer Hanf. Dasselbe Bild auch in Genf, Basel, Bern und an vielen Orten mehr. Sogar die ersten Schweizer Coffee-Shops haben ihre Tore geöffnet. Und neuerdings gibt es Hanf auch ganz legal im Denner und im Spar zu kaufen.

Etwas über ein Jahr ist es her, seit in der Schweiz der Markt für CBD-Gras so richtig anzog. Auslöser war ein Merkblatt des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), das die rechtlichen Bedenken der Vertreiber und Produzenten aus dem Weg räumte. Es war der Startschuss zu einem regelrechten Boom, zu einer Marktöffnung, wie sie in der Schweiz nur selten vorkommt.

Diesem Boom wollen nun einige Politiker entgegenwirken. Die Allianz wird angeführt von SVP-Hardlinerin Verena Herzog (TG, 61), besser bekannt als «No-Drugs-Herzog». Das Ziel der Hanfgegner: den CBD-Markt auszutrocknen.

Verena Herzog

Verena Herzog

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Neben den SVP-Urgesteinen Albert Rösti und Heinz Brand unterstützen das Vorhaben auch Christian Wasserfallen, Doris Fiala von der FDP sowie Marco Romano und Ruth Humbel aus der CVP.

Verena Herzog sagt gegenüber dem Blick: «Dass eine CBD-Zigarette nicht psychoaktiv wirken soll, ist ein fadenscheiniges Argument.» Wenn jemand beispielsweise fünf Zigaretten rauche, «wird er vermutlich auch benebelt sein».

Für die Thurgauerin schaffe die in der Schweiz geltende Grenze von einem Prozent THC-Gehalt darum Probleme, die nur mit einer Angleichung wie die im umliegenden Ausland geltende THC-Obergrenze von 0,2 Prozent gelöst werden könne. Die heutige Regelung biete zu viele Schlupflöcher.

Die Widersprüchlichkeiten bei der Verkehrssicherheit sind für Herzog am Auffälligsten. Vom Fahren unter CBD werde schliesslich auch abgeraten, die Armee hat kürzlich ein Verbot ausgesprochen, sagte sie dem Blick. «Dies zeigt, dass das heutige Regime mit einem hohen Schwellenwert nicht funktioniert», ergänzt Herzog. Und weiter führe es «zu einer bewussten Verwischung der Grenzen zwischen legal und illegal, zwischen nicht schädlich und schädlich respektive gefährlich».

Herzog stört sich auch an der Werbung für das legale Gras. «Mit Fabelfiguren und knallbunten Verpackungen wird für CBD-Zigaretten geworben. Durch die attraktive, die Kinder und Jugend ansprechende Werbung werden diese Suchtmittel angeworben. Das ist unverantwortlich und zu unterbinden», sagt sie. In diesem Punkt fehle ihr jedoch gemäss «Blick» die Unterstützung von CVP und FDP.

Nun will die Thurgauerin per Interpellation vom Bundesrat wissen, was er zu unternehmen gedenke, um bei «Werbung für Suchtmittel den Kinder- und Jugendschutz gewährleisten zu können». Für die «Bauernpartei» liess die Kindergärtnerin im Vorstosstext festhalten, dass Schweizer Hanfbauern weiterhin zu legalen Zwecken Hanf anbauen dürften. Für die Kosten der Überprüfung des THC-Wertes müsse aber der Hersteller aufkommen.

Zürcher Polizeien führen Hanf-Typisierungstest ein

Legaler CBD-Hanf oder illegaler, THC-haltiger Hanf? Dies stellen die Zürcher Polizeien ab sofort mit einem neuartigen Schnelltest fest. Die Versuchsphase mit diesem Test verlief positiv. Er wird deshalb definitiv eingeführt.

Der Test besteht aus einem kleinen Beutel, in den der Versuchs-Hanf gefüllt werden kann. Färbt sich der Inhalt rot, handelt es sich um nicht strafbaren CBD-Hanf. Färbt sich der Inhalt des Beutels blau, handelt es sich um illegalen, THC-haltigen Hanf.

Der Schnelltest, der vom Forensischen Institut Zürich (FOR) entwickelt wurde und von einem Schweizer Unternehmen hergestellt wird, stand in den vergangenen Monaten bei der Kantonspolizei Zürich sowie bei den Stadtpolizeien Winterthur und Zürich im Praxistest. Ausgewählte Polizistinnen und Polizisten führten mehrere hundert Tests mit getrockneten und frischen Cannabisprodukten durch.

Wichtig sei vor allem die Handhabung und die Ablesbarkeit der Resultate gewesen, teilte die Kantonspolizei am Montag mit. Die Beutelchen bestanden die Testphase: Der Schnelltest sei gut in der Handhabung, praktisch und zuverlässig. Zudem belaufen sich die Kosten pro Test auf nur drei Franken. (sda)