Luzern

Luzern wirbt mit Werbebrief Firmen ab - auch im Aargau

Im September 2009 mit einem Werbeplakat.chris Iseli

Marcel Schwerzmann

Im September 2009 mit einem Werbeplakat.chris Iseli

Wenn ein Kanton anderen aktiv Firmen abwirbt, sinkt die Stimmung. So geschah es auch nach einem Werbebrief aus Luzern. Die Nachbarkantone - so auch der Aargau - kritisieren den Brief des Luzerner Finanzdirektors heftig.

Mathias Küng

Die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) hat diese Woche einen vom Luzerner Finanzdirektor Marcel Schwerzmann schon im letzten Herbst an 2500 Firmen im Land verschickten Brief publik gemacht. Darin hatte Schwerzmann versucht, Firmen nach Luzern zu locken. Der NLZ gegenüber widersprach er allerdings. Er habe keine Firmen abgeworben. Er erachte es aber als seine Aufgabe, «unsere Steuerkunden über die Entwicklungen im Steuerrecht zu informieren». Man könne längst nicht mehr davon ausgehen, dass eine Firma nur in einem Kanton tätig ist. So habe er nur Firmen angeschrieben, die auch in Luzern bereits Steuern zahlen.

Hegglin: Schlechter Stil

Doch die umliegenden Innerschweizer Kantone reagieren sehr verärgert auf den Brief. Insbesondere der Kanton Zug, der sehr viel Geld in den Finanzausgleich einzahlt. Dass Luzern auch dank solchen Geldern die Steuern senken kann und andere Kantonen dafür bei den Unternehmenssteuern unterbietet, geriet insbesondere dem Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin in den falschen Hals. In der NLZ geisselte er dies als «schlechten Stil». Kritisiert wurde der Brief besonders aufgrund eines schon länger bestehenden Gentleman`s Agreement unter den kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren. Darin verpflichten sie sich, keine aktive Abwerbung zu betreiben und bei der Wirtschaftsförderung die Fairnessregeln zu beachten.

Nun ist auch der Aargau ein Nachbar Luzerns. Vor wenigen Tagen erst fand am Hallwilerse ein Treffen der beiden Kantonsregierungen statt, an dem die gute Zusammenarbeit betont worden ist. Laut Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann war Schwerzmanns Brief an diesem Treffen kein Thema. Für ihn ist es schon seit einer Aussprache unter Volkswirtschaftsdirektoren aus dem Raum der «Greater Zurich Area» im Januar abgeschlossen.

Aargau erwartet Zurückhaltung

So ein Schreiben sei unkollegial und widerspreche der gemeinsamen Absichtserklärung der Kantone, sagt Hofmann gegenüber dieser Zeitung. Das bestehende Agreement erachtet er als vernünftig. Hofmann: «Ich erwarte, dass sich alle daran halten.» Gerade Kantone, die Finanzausgleich beziehen, «sollten in der Standortwerbung beim Herausstreichen ihrer steuerlichen Vorteile zurückhaltend sein». Mit Blick auf den überall propagierten Steuer- und Standortwettbewerb findet Hofmann aber auch, es sei blauäugig zu glauben, dass nicht doch da und dort unterschwellig solche Abwerbungsversuche laufen.

Schwerzmanns Brief hatte bei den Firmen im Aargau bisher offenbar keine besondere Wirkung. Von einem plötzlichen Run Richtung Luzern spürte man bisher in Aarau nichts. «Firmen, die genau hinschauen, erkennen ohnehin, dass der Aargau weitherum die besten Standortqualitäten aufweist», fügt Urs Hofmann schmunzelnd an. Für ihn ist das Thema erledigt. Jedenfalls solange sich Luzern an das Agreement hält.

Meistgesehen

Artboard 1