Neuer Präsident
Lukas Reimann: «Auns kann zu einer noch stärkeren Stimme der Schweiz werden»

Der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann steht neu der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) vor. Im Interview nimmt er Stellung zur sinkenden Bedeutung der Organisation und zu seiner Iran-Reise.

Dennis Bühler
Drucken
Lukas Reimann wurde am Samstag zum neuen Auns-Präsident gewählt.

Lukas Reimann wurde am Samstag zum neuen Auns-Präsident gewählt.

Keystone

Herr Reimann, die Auns hat in den letzten Jahren massiv an Bedeutung eingebüsst.

Lukas Reimann: Die Auns ist wichtiger denn je. Wir stehen in der Schweizer Europa- und Aussenpolitik vor einer Vielzahl enorm wichtiger Weichenstellungen, da braucht es eine kräftige Stimme, die für die Eigenständigkeit unseres Landes einsteht. Die Bedeutung der Auns wird weiter wachsen.

Christoph Blocher hat Ende 2012 sogar ein neues Komitee «Nein zum schleichenden EU-Beitritt» auf die Beine gestellt, weil er der Auns offenbar nicht mehr zutraut, genügend zugkräftig zu sein. Wie wollen Sie die Auns zurück auf Kurs führen?

Dieses Komitee ist kein Konkurrenzprodukt zur Auns, sondern bloss ein Abstimmungskomitee gegen das Rahmenabkommen mit der EU. Die Auns ist im Vorstand dieses Komitees selbstverständlich vertreten. Während die Auns permanent dem Auftrag nachkommt, für die Schweiz einzustehen, kämpft dieses überparteiliche Komitee gegen diese eine konkrete Vorlage.

Nochmals: Wie wollen Sie die Auns zum Erfolg zurückführen?

Die Auns ist gut aufgestellt, ein Kurswechsel ist nicht angezeigt. Gewiss kann sie zu einer noch stärkeren Stimme für die Schweiz werden. Aber wir müssen sicherlich nicht alles über den Haufen werfen.

Das Image eines Altherrenklubs allerdings korrigieren Sie aber nur schon damit, dass der zukünftige Präsident 20 Jahre jünger ist als der Zurücktretende.

Hören Sie auf mit Altherrenklub. Das stimmt einfach nicht. Wir haben sehr viele junge Mitglieder, und gerade seit der gewonnenen Abstimmung vom 9. Februar treten der Auns auffallend viele Personen bei, die in den Neunzigerjahren geboren sind.

Welche möglichen Initiativen schweben Ihnen vor?

Die folgenden fünf Projekte hätten allesamt verdient, dem Volk vorgelegt zu werden: Kündigung des Schengen-Abkommens; Zurückziehen des EU-Beitrittgesuches; Stärkung der Schweizer Neutralität; Landesrecht vor Völkerrecht; Ablösung der Bilateralen durch ein neues Freihandelsabkommen, das auch die Dienstleistungsunternehmen beinhalten würde. Wegen unserer beschränkten Mittel werden wir leider Prioritäten setzen müssen.

Wird die Auns die Ecopop-Initiative unterstützen?

Wir haben deren Unterschriftensammlung unterstützt. Wenn – wie ich es befürchte – der Bundesrat die Masseneinwanderungsinitiative nun nur schleppend umsetzt, steht es für uns ausser Frage, dass wir die Ecopop-Initiative auch im Abstimmungskampf tatkräftig unterstützen werden.

Wie steht die Auns-Basis eigentlich zu Ihrer Iran-Reise, die Sie vorletzte Woche mit Luzi Stamm und weiteren SVP-Politikern unternommen haben?

Ich bin einstimmig gewählt worden mit einer Standing Ovation, ich habe keine einzige kritische Stimme gehört. Schliesslich bin ich nach wie vor ein Islam-Kritiker, genauso wie vor meiner Reise.

Hat die Iran-Reise denn bei Ihnen überhaupt etwas bewirkt?

(Überlegt lange). Ich habe die Bevölkerung des Irans als sehr herzlich und offen wahrgenommen, das hat mich positiv überrascht. Ich habe hingegen die Politiker und die Vertreter der Verwaltung negativ erlebt. Verändert hat sich wenig: Ich finde noch immer, dass sich an unsere Regeln halten muss, wer in der Schweiz leben möchte. Genauso müssen wir uns auf Auslandreisen anpassen.

Sind Ihnen im Rahmen dieser Iran-Reise Kommunikationsfehler unterlaufen?

Nein, die Fehler liegen nicht bei uns. Ich bin sehr enttäuscht von den Schweizer Medien, die uns darstellen, als wären wir Freunde des iranischen Regimes. Früher warf man mir jeweils vor, ich spräche über den Islam, ohne ihn zu kennen, eine Künstlergruppe hat einst sogar Spenden gesammelt, um mir eine Istanbul-Reise zu finanzieren. Und nun werde ich lauthals kritisiert, wenn ich mir vor Ort ein eigenes Bild mache.

Was passt denn besser zum neuen Auns-Aushängeschild: der Kampf gegen Minarette oder das Posieren mit dem iranischen Ex-General Abasali Mansouri, der Israel das Existenzrecht abspricht?

Ich habe nicht mit ihm posiert, ich habe ihm kritische Fragen gestellt. Zu Ihrer Frage: Zum neuen Auns-Präsidenten passt, dass er gegen den EU-Beitritt ist und dass er für die Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz einsteht.

Eine letzte Frage: Haben Sie am Samstag bei Ihrer Wahl zum Auns-Präsidenten eine Krawatte getragen?

Nein. Ausserhalb des Parlamentes trage ich nie Krawatte, ganz egal ob in Teheran oder an der Auns-Versammlung in Bern. Diese Diskussion ist total lächerlich.

Aktuelle Nachrichten