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Luftwaffe zur Zeit nicht verfügbar: «Bitte greifen Sie später an ...»

Sparpotenzial: Rund 56 Prozent der Schweizer wollen bei der Armee sparen.

Blieben am Boden: Die F/A18 der Schweizer Luftwaffe.

Sparpotenzial: Rund 56 Prozent der Schweizer wollen bei der Armee sparen.

Vergangene Woche sorgte das Ja zur SVP-Einwanderungsinitiative europaweit für Aufsehen. Diese Woche schaffte es die Schweiz sogar weltweit in die Schlagzeilen – leider jedoch als Lachnummer. Der Wochenkommentar von az-Chefredaktor Christian Dorer.

Die Schweizer Luftwaffe ist nur zu Bürozeiten einsatzbereit: von 8 bis 12 und von 13.30 bis 17 Uhr.

Das ist zwar nicht neu, steht aber erst seit Montag im Fokus, seit ein Co-Pilot sein äthiopisches Linienflugzeug mit 202 Passagieren an Bord entführte und Richtung Schweiz steuerte. Die Italiener waren mit zwei Eurofightern zur Stelle, die Franzosen mit zwei Mirages. Um 6.02 Uhr landete die Maschine eskortiert in Genf. Zum Glück nahm sie nicht Kurs auf den Primetower in Zürich oder das AKW Leibstadt. Das Flugzeug wäre, da ausserhalb der Bürozeiten, ungehindert reingekracht. Ausser, es hätte dann doch ein italienischer, französischer oder deutscher Jet eingegriffen (wobei sie über die Schweiz fliegen dürfen, jedoch keine Abschusserlaubnis haben). So viel zu unserer viel zelebrierten Unabhängigkeit von Europa.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» staunte: «Eidgenössische Militärflieger wären erst ab 8 Uhr bereit gewesen.» «Le Monde» schrieb: «Die Schweizer Luftwaffe interveniert nur zu Bürozeiten.» Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg witzelte: «Möchten Sie die Schweiz angreifen? Versuchen Sie es vor 8 und nach 17 Uhr.» So viel zu unserem viel gerühmten Image des Perfektionisten.

Der Luftwaffe gegenüber ist die Kritik ungerecht. Denn sie macht einen sehr guten Job, wie sie jedes Jahr am WEF beweist. Sie könnte auch problemlos eine Alarmbereitschaft rund um die Uhr sicherstellen, wenn sie die nötigen Mittel hätte. Sie könnte den Nato-Standard einhalten, wonach Kampfjets im Notfall innert rund 15 Minuten eingreifen müssen. 2010 stimmte das Parlament einer Motion von FDP-Ständerat Hans Hess zu, die genau das verlangt. Das Verteidigungsdepartement von Bundesrat Ueli Maurer aber hat es nicht eilig: Eine 24-Stunden-Bereitschaft sei frühestens 2018, eventuell erst 2020 möglich – auch wegen der Kosten von 30 Millionen Franken pro Jahr. Das tönt nach viel, entspricht aber nur 0,75 Prozent der Verteidigungsausgaben.

Absurderweise nutzt Maurer den peinlichen Vorfall in Genf dazu, für den neuen Kampfjet Gripen Werbung zu machen. Er sagt, dass «die Möglichkeit, diese Alarmorganisation aufrechtzuerhalten, mit dem Kauf des Gripen verbessert wird». Dabei könnte man auch fragen: Wozu brauchen wir ein neues Kampfflugzeug, wenn wir nicht mal die bestehenden in die Luft kriegen? Warum leisten wir uns neue Jets, wenn wir nicht mal das Geld haben, um zu Friedenszeiten unsere Lufthoheit zu wahren? Denn für diese Aufgabe genügen die 32 F/A-18.

Maurer hat noch drei Monate Zeit, uns das zu erklären. Dann stimmen wir über den Gripen ab. Nach Hickhack im Parlament, Einmischung Schwedens in den Abstimmungskampf und Lästereien des Botschafters verstärkt sich der Eindruck: Der Gripen ist ein Murks.

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