Bundesratswahlen

Lüscher verzichtet auf Nomination – und macht sich für einen anderen Kandidaten stark

Will nicht Bundesrat werden: Christian Lüscher (FDP, GE).

Will nicht Bundesrat werden: Christian Lüscher (FDP, GE).

Nationalrat Christian Lüscher (FDP/GE) kandidiert nicht für die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter. Der umtriebige Genfer Anwalt hatte ohnehin nie eine Chance. Interessanter als seine Nicht-Kandidatur sind denn auch seine Aussagen zu Pierre Maudet.

Seinen Verzicht gab Christian Lüscher in der Westschweizer Zeitung «Le Temps» bekannt. Er ebnet aber seinem Parteikollegen Pierre Maudet argumentativ das Terrain für eine Kandidatur. Der Genfer Staatsrat muss am Freitag bekannt geben, ob er kandidieren will. Lüscher lobt dessen politische Bilanz und Exekutiverfahrung, seine Fähigkeit, zu Mobilisieren, die Glaubwürdigkeit und Medienwirksamkeit. Bislang gingen Auguren davon aus, dass nur eine Frau aus der Romandie den Tessiner Kandidaten Ignazio Cassis gefährden könnte. Lüscher bringt nun nebst Herkunft und Geschlecht ein neues Kriterium ins Spiel: das Alter.

Der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet würde den Bundesrat verjüngen. (Archiv)

Der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet würde den Bundesrat verjüngen. (Archiv)

Maudet ist mit seinen 39 Jahren so alt wie der französische Präsident Emmanuel Macron. Cassis ist 56-jährig, und gemäss Lüscher sind auch alle ernsthaften Nachfolger von Doris Leuthard, Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer älter als 55 (was etwas überzeichnet ist). Der Genfer Anwalt verweist darauf, dass 47 Prozent der Schweizer Bevölkerung jünger als 40 Jahre sind. Man müsse darum auch über das Alter reden. Als wichtigstes Kriterium bleibe aber die Qualifikation für das Amt. Genf ist wie das Tessin ein Grenzkanton. Selbstverständlich kennt Maudet also auch die Tessiner Probleme bezüglich Sicherheit und Arbeitsmarkt.

Bekannt sind die Ambitionen der Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro. Möglicherweise wird sich auch Nationalrätin Isabelle Moret (FDP/VD) um die Burkhalter-Nachfolge bewerben. Von diesem Waadtländer Powerplay fühlen sich die Genfer Freisinnigen wohl herausgefordert. Die Rivalität der beiden Kantonalparteien ist bekannt. Lüscher platziert deshalb auch einen Seitenhieb an die Waadtländer Kollegen. Genf sei «la métropole lémanique», auch das legitimiere eine Kandidatur. Was für ein Kontrast zur Wahl von Guy Parmelin 2015! Als Alibi-Kandidatur belächelt, wurde Parmelin als dritter Romand in die Regierung gewählt. Sein Erfolgsrezept: Die SVP verkaufte den Waadtländer Weinbauern als Kandidaten des prosperierenden «Arc lémanique».

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