Der Lügendetektor ermögliche es den Patienten, sich der Krise bewusst zu werden, in der sie steckten. Das sei ein erster Schritt hin zu deren Überwindung, erklärte der Leiter des Psychologischen Diensts der Berner Höhenklinik, Christophe Rieder, bei der Vorstellung der neuen Therapie vor den Medien.

Der Detektor liefert nämlich den Patienten zahlreiche Daten etwa zur Muskelspannung, zur Körpertemperatur, zum Puls und zur Hautfeuchtigkeit. Je nach dem Gefühl, das der Patient gerade empfindet, ändern die Daten. Selbst wenn der Patient eine nur scheinbare Bedrohung empfindet, zeigt dies der Apparat an.

Der Patient erfährt so, dass er solche scheinbaren Gefahren von sich aus bekämpfen kann. Diese "Bio-Feedback" genannte Methode wird in der Schweiz laut Rieder etwa seit 1960 praktiziert - bisher nur in den deutschsprachigen Landesteilen.

Potenziell heikel für FMH-Präsident

Der Präsident der Schweizer Ärztevereinigung FMH, Jacques de Haller, sagte auf Anfrage, der Einsatz von Bio-Feedback-Geräten in der Art von Lügendetektoren sei an sich nichts Neues. Wenn aber die Berner Höhenklinik einen echten Lügendetektor einsetze, sei das heikel.

Der Einsatz eines solchen Geräts berge nämlich die Gefahr, dass dem Patienten aus einer Machtposition heraus die Nachricht vermittelt werde: Siehe, du hast dich getäuscht! Das gehe in der Medizin nicht. De Haller vermutet auch, dass die Klinik den Begriff "Lügendetektor" verwendet, um Patienten anzulocken.

Die Berner Höhenklinik hält de Hallers Bedenken aber nicht für gerechtfertigt. Sie setze auf ein partnerschaftliches Verhältnis Patient - Therapeut.

Auch Angebot für Krebskranke

Die Klinik bietet die Lügendetektor-Methode als Teil der onkologischen Rehabilitation auch krebskranken Menschen an. Auch im Rahmen dieser Therapie soll das Gerät den Patienten dazu verhelfen, besser mit ihrem Leiden umzugehen.