Erika Lüscher

«Aarau ist gebaut», sagte Professor Martin Steinmann in seiner Laudatio. «Nun geht es darum, Bauten in die Lücken einzureihen.» Für den Baupreis der Stadt Aarau, der diesmal unter dem Thema «Wohnungsbau» lief, standen zehn Projekte zur Auswahl. Drei davon befinden sich im Gais-Quartier, darunter auch das preisgekrönte «Herzog-Haus». Dieser Stadtteil hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die alten Liegenschaften sind durch moderne Wohnbauten ersetzt worden und die Einmündung Herzogstrasse in die Hintere Bahnhofstrasse wurde wegen des Gais-Kreisels verlegt.
Übrig blieb ein zipfliges Grundstück mit einer alten Linde. Eine Herausforderung für die jungen Architekten Schneider & Schneider. Sie überzeugten den Grundbesitzer, Markus Berner, hier ein Haus zu bauen und den Baum mit einzubeziehen. Das Ergebnis fällt auf: Es ist ein echter «Lückenfüller» und bildet einen markanten Riegel in Richtung der Bahngleise. Der Grundriss passt sich dem Grundstück an.

Am schnörkellosen Baukörper fallen nicht nur die integrierten Balkone mit den abgerundeten Seitenlinien auf, sondern auch die Farbgebung: Grüngelb, als ob die Sonne durch junge Lindenblätter scheinen würde. Auch das Innenleben des aus Büroräumen im Parterre und vier Wohnungen bestehenden Baus besticht durch seine zeitgemässen, variablen Funktionen.
Diese Fakten haben die aus Martin Steinmann, Stadtbaumeister Felix Fuchs und Stadtammann Marcel Guignard bestehende Jury bewogen, das kleinste der Projekte zu erküren. Zwar haben die schweizweit tätigen Brüder Beat und Thomas Schneider schon prestigeträchtigere Auszeichnungen gewonnen. In ihrem Palmares nimmt der Baupreis ihrer Heimatstadt Aarau trotzdem einen besonderen Platz ein.
Die Ausstellung «Baupreis zum Thema Wohnungsbau» mit den zehn ausgewählten Projekten ist im Foyer des Rathauses bis Ende April zu sehen und inspiriert zu einer Architektur-Wanderung durch die Stadt. Öffnungszeiten: Mo-Fr, 8-12 und 13.30-18 Uhr.