SRF-Politexperte
Longchamp-Nachfolger Lukas Golder: «Die Krawatte habe ich selbst ausgesucht»

Nach dem ersten Aufritt im Abstimmungsstudio des Schweizer Fernsehens zieht Lukas Golder, Nachfolger von Claude Longchamp, Bilanz und erklärt die Resultate.

Pascal Ritter
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Premiere mit Krawatte: Politikwissenschaftler Lukas Golder.

Premiere mit Krawatte: Politikwissenschaftler Lukas Golder.

Screenshot SRF
Politologe Claude Longchamp

Politologe Claude Longchamp

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Lukas Golder tritt in grosse Fussstapfen. Dreissig Jahre lang stand Claude Longchamp vor der Kamera, jonglierte mit Wählerbefragungen und Abstimmungsresultaten und übertrug die Erkenntnisse der Politologie genussvoll in die Wohnzimmer der Nation. An diesem Abstimmungssonntag präsentierte zum ersten Mal Golder die Hochrechnungen und kommentierte die Resultate.

Herr Golder, Wie war Ihr erster Aufritt als Nachfolger von Claude Longchamp im SRF-Abstimmungsstudio?

Lukas Golder: Ich bin noch nicht dazu gekommen, das Feedback genau zu analysieren, aber aus meinem Umfeld kamen überwiegend positive Rückmeldungen.

Die AHV-Reform wurde knapp abgelehnt. Was sagen Sie zu diesem Resultat?

Es ist ein sehr spannendes Resultat. Das Stimmvolk hat sich differenziert ausgedrückt. Wir haben ein Nein, aber wir stehen nicht vor einem Scherbenhaufen.

Kein Scherbenhaufen? Bundesrat Bersets Mega-Reform, in der mehr als fünf Jahre Arbeit stecken, muss wieder zurück auf Feld eins.

Ja, aber wenn wir das Resultat mit dem aus dem Jahr 2010 vergleichen, als die Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit über 70 Prozent abgelehnt wurde, dann ist da schon ein grosser Unterschied. Eine knappe Minderheit ist für die Rentenreform. Wenn also bei einem nächsten Anlauf nur schon ein Teil der FDP-Wähler mitmachen würde, käme sie durch.

Sie haben am Fernsehen auch die Tatsache interpretiert, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer weniger klar abgelehnt wurde als die Reform der Altersvorsorge. Ist es seriös aus den wenigen Prozenten etwas herauszulesen?

Ja, denn die Differenz ist nicht zufällig, sondern zieht sich systematisch durch das Abstimmungsresultat. Sie zeigt, dass ein Teil der Stimmenden zwar gegen einen konkreten Punkt innerhalb der Vorlage ist, zum Beispiel gegen das höhere Rentenalter für Frauen oder gegen die siebzig Franken AHV-Zuschlag, gleichzeitig aber signalisieren will, dass Steuererhöhungen durchaus eine Option sind, um die Altersvorsorge zu sanieren. Es gibt sogar eine Partei, die EDU, die für die Vorlage ein Nein und für die Mehrwertsteuererhöhung ein Ja empfahl.

Erregte Aufsehen: Golders Häkelkrawatte.

Erregte Aufsehen: Golders Häkelkrawatte.

Screenshot SRF

Kommen wir zur Frage, die alle interessiert: Als die Kameras zum ersten Mal auf Sie gerichtet waren, starrten alle auf ihren Hals. Sie sagten im Vorfeld, Sie wollen mit Inhalten in Verbindung gebracht werden und nicht mit einem Kleidungsstück wie Longchamps Fliege. Nun haben Sie sich aber für eine auffällige, bunte Häckel-Krawatte entschieden.

Natürlich sollen die Inhalte im Vordergrund stehen, aber ich habe nie gesagt, ich hätte etwas gegen bunte Kleider. Ich interessiere mich für Mode und scheue es nicht, aus der Reihe zu tanzen. Wenn es mir gelungen ist auch dank der Krawatte einen Farbtupfer in die Sendung zu bringen, ist das eine gute Sache.

Haben Sie die Krawatte selbst ausgesucht?

Die Krawatte habe ich selbst ausgesucht, die Abteilung Style und Design von der SRG hat mich aber bei der Wahl unterstützt.

Sie haben im Vorfeld versprochen, Humor in die Sendung zu bringen. So lustig war es jetzt aber nicht oder habe wir einen Witz verpasst?

Ich versuche die Resultate nicht allzu trocken zu präsentieren, habe aber keine Ambitionen darauf, Giacobbo-Müller zu ersetzen.