Einkommen

Löhne in der Schweiz: Der Mittelstand kommt nicht vom Fleck

Trotz Wirtschaftswachstum geht es den Schweizer Mittelstandsfamilien nicht besser als vor zehn Jahren. (key)

Trotz Wirtschaftswachstum geht es den Schweizer Mittelstandsfamilien nicht besser als vor zehn Jahren. (key)

Derzeit brüten die Krankenversicherer über den Prämien fürs 2012. Absehbar ist: Im Herbst kommt es erneut zu einem Prämienschock. Im Schnitt dürften die Grundversicherungsprämien laut Schätzungen um 6 bis 8 Prozent steigen.

Der Anstieg ist somit drei- bis viermal so stark wie eine allfällige Lohnerhöhung. Im Klartext: In den Portemonnaies der durchschnittlichen Schweizer wird es im kommenden Jahr nochmals leerer.

Mehr Einkommen, weniger Geld

Dabei gehörte die Mehrheit der Schweizer Haushalte – also der immer noch breite Mitteilstand – bereits im letzten Jahrzehnt zu den wirtschaftlichen Verlierern. Das zeigen neue Berechnungen der Ökonomen Daniel Lampart und David Gallusser, beide vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund.

So ist das tatsächlich verfügbare Einkommen – also das Geld, mit dem Kleider, Ferien oder Freizeit finanziert werden – für Paare mit Kindern zwischen 2002 und 2008 gesunken. Ausser für die Minderheit der Grossverdiener. Ökonom Lampart nennt diese Entwicklung «besorgniserregend». Schliesslich lebt die Schweizer Binnenwirtschaft nicht bloss vom Konsum der Reichen, sondern in erster Linie vom dem, was die Mehrheit ausgibt.

Wie aber erklärt sich die Entwicklung? Die gute Nachricht ist: An stagnierenden oder gar sinkenden Löhnen jedenfalls liegt es nicht. Klein- und Grossverdiener haben im untersuchten Zeitraum nach Abzug der Teuerung mehr verdient. Unterschiedlich viel, aber bei allen ist es mehr.

Dann aber kommt die Politik respektive der Staat ins Spiel. Sozialversicherungsbeiträge müssen entrichtet und Steuern bezahlt werden. Ein Teil der Tarife blieb dabei zwischen 2002 und 2008 unverändert, ein anderer Teil wurde politisch angepasst. Und genau das hat die hohen Einkommen entlastet, die tiefen und mittleren aber belastet, wie Lampart und Gallusser zeigen. «Die direkten Steuern und Sozialversicherungsabgaben wurden gesenkt, im Gegenzug jedoch die indirekten Steuern und Gebühren erhöht», schreiben sie in ihrem «Verteilungsbericht». «Davon profitieren vor allem die hohen und höchsten Einkommen.»

Die obersten 25 Prozent legten zu

Schliesslich müssen noch die Wohnung und die Krankenkasse bezahlt werden – beides grosse Budgetposten. Für sie müssen ärmere Haushalte prozentual mehr aufwenden als besser gestellte Familien.

Folge: Bei Haushalten mit tiefem und mittlerem Einkommen ist vom gestiegenen Bruttolohn nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Es ist 2008 weniger Geld da als 2002. Bei den hohen Einkommen dagegen bleibt ein schöner Betrag übrig.

Ähnliches gilt laut Lampart und Gallusser auch für Single-Haushalte: Zugelegt beim verfügbaren Einkommen haben die einkommensstärksten 25 Prozent der Haushalt. Und nur die.

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