Selbstfinanzierung
Lobesworte und Mahnfinger zur gleichen Zeit

Zum ersten Mal in den letzten sieben Jahren verzeichnet Wohlen eine Selbstfinanzierung, die laut Meinung der Finanzkommission ausreichend ist. Für die Fiko kein Grund, gemütlich zurückzulehnen: Sie mahnt weitere Anstrengungen für die Zukunft an, zumal die Wirtschaftskrise auch Wohlen treffe.

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Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

5,7 Millionen Franken beträgt das Plus in der Wohler Rechnung, das sind satte 4,3 Millionen mehr als budgetiert. Kein Wunder also, dass die Finanzkommision dieses Ergebnis als «ausgesprochen positiv, vielleicht sogar als super» wertet.

Allerdings verweist die Kommission in ihrem Erläuterungsbericht sogleich auf kritische Punkte. Zwar sei der Rechnungsabschluss 2008 erfreulich, doch leider sei das letzte Jahr das erste seit 2002, in dem «die notwendige Selbstfinanzierung von 5 Mio. Fr. erreicht wurde». Die Kommission hält fest, dass beim letzten Ergebnis die positiven einmaligen Einflüsse «eher überwiegen». Konkret nennt sie verschiedene kantonale Beiträge und noch nicht beanspruchte Kostenanteile für die Ausfinanzierung der Aargauischen Pensionskasse (APK).

Die Finanzkommission unter ihrem Präsidenten Guido Benz (CVP) hält aber auch fest, das erfreuliche Plus sei nicht nur auf «Glück, Zufälligkeiten oder die gute Konjunktur» zurückzuführen. Vielmehr hätten auch echte Leistungen des Gemeinderats und der Verwaltung ganz entscheidend dazu beigetragen.

Gespart bei beeinflussbaren Faktoren

In einer eigens durchgeführten Analyse hat die Kommission alle Ausgabe-
posten den Kategorien «beeinflussbar» und «nicht beeinflussbar» zugeordnet. Gemäss ihrem Modell sind rund zwei Drittel oder 18 von 28 Millionen Franken durch die Gemeinde beeinflussbar. Die Aufwandreduktionen auf dieser Position betragen gegenüber dem Voranschlag 08 rund 1,9 Millionen, gegenüber der Rechnung 07 rund 600 000 Franken. Für die Finanzkommission zeigt sich klar, dass diese Reduktionen «beträchtliche Eigenleistungen der Gemeinde enthalten». Auch der Vergleich der Wohler Kennzahlen mit den Vorjahren fällt positiv aus. Von 24 möglichen Punkten, die laut Richtlinien des Kantons möglich sind, hat Wohlen im letzten Jahr 21 erreicht.

Steuerkraft weiter ungenügend

Obwohl sich die Steuerkraft pro Einwohner in Wohlen seit 2005 regelmässig erhöhte, liegt die Gemeinde im Vergleich mit dem Bezirk Bremgarten oder dem Kanton Aargau noch immer im Hintertreffen. «Es herrscht ziemliche Einigkeit, dass die Schwäche von Wohlen auf der Einnahmenseite liegt», stellt die Finanzkommission fest. Daher werde es Aufgabe der kommenden Langfristplanung sein, klar aufzuzeigen, «mit welchen konkreten Massnahmen und in welchen Schritten eine stetige Verbesserung der Steuerkraft erreicht werden kann».
Fiko: «Realistisches Bild gezeichnet»

Bezogen auf die Zukunft mahnt die Finanzkommission, die Anstrengungen, die Kosten im Griff zu behalten und die Einnahmen zu erhöhen, müssten unvermindert andauern. Gemäss eigener Einschätzung gibt die Fiko in ihrem Bericht eine realistische Einschätzung der Lage ab, ohne Schwarzmalerei zu betreiben.

«Die aktuellen wirtschaftlichen Aussichten lassen aber einen vermehrten Druck auf die Gemeinwesen erwarten», blickt die Kommission voraus. Auf der Ausgabenseite werde sich das im Sozialbereich schon im laufenden Jahr zeigen, auf der Einnahmenseite, bei den Steuern, eher erst ab 2010, vermutet die Fiko.

Als der Finanzplan für die Jahre 2008 bis 2012 erarbeitet wurde, war das wirtschaftliche Umfeld noch freundlicher als heute. Die Fiko meint daher: «Die damals ausgewiesene Selbstfinanzierung von durchschnittlich 1,3 Millionen für diese Jahre mahnt deshalb zur Vorsicht.»

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