«Littering muss bestraft werden können»

Die Reuss hat ihre Schattenseiten. Wenn sich            das Ufer in Jonen aber immer so sauber präsentieren würde, wäre Riverwatcher Mars Staufer aus Oberlunkhofen zufrieden.	(Bild: sha)

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Die Reuss hat ihre Schattenseiten. Wenn sich das Ufer in Jonen aber immer so sauber präsentieren würde, wäre Riverwatcher Mars Staufer aus Oberlunkhofen zufrieden. (Bild: sha)

Keine Feier ohne Abfall. Und an der Reuss wird im Sommer viel gefeiert. Mars Staufer, Riverwatcher aus Oberlunkhofen, erklärt, weshalb es so schwierig ist, das Problem in den Griff zu bekommen. Er fordert mehr Unterstützung von den Gemeindebehörden.

Sebastian Hagenbuch

Herr Staufer, gehört es zu den Aufgaben eines Riverwatchers, Abfall wegzuräumen?

Mars Staufer: Eigentlich nicht. Diese Aufgabe habe ich mir selbst gesetzt, als der Badeplatz in Jonen nach einer Kiesentnahme neu erstellt worden ist. Der schöne Platz ist mir ans Herz gewachsen.

Und haben Sie Erfolg, oder hat sich die Situation verschlimmert?

Staufer: Die Situation hat sich enorm verschlimmert. Immer mehr Leute, die immer weniger Rücksicht nehmen, gehen an die Reuss. Nach einem schönen Wochenende sieht der Badeplatz aus wie eine Müllhalde. Ein Ende ist leider kaum absehbar.

Wo liegt die Ursache?

Staufer: Am Elternhaus. Wenn den Kindern nicht mehr beigebracht wird, dass sie den Abfall nicht wegwerfen sollen, wird es sehr schwierig. Es fehlt an Vorbildern. Die Schule muss das nun korrigieren und das Littering thematisieren. Auch andere Kinder- und Jugendgruppen können hier eine wichtige Funktion übernehmen.

Schule und Erziehung sind langfristige Lösungsansätze. Was können Sie aber kurzfristig umsetzen?

Staufer: Wir werden in Jonen den Abfall, welcher sich bestimmt bald wieder ansammelt, eine Weile liegen lassen. Vielleicht sensibilisiert das einige Leute für das Problem. In der Regel nehmen die Leute das Problem erst dann richtig wahr, wenn sie sich selbst einmal am Abfall gestört haben. Zudem ist es wichtig, dass die Regionalpolizei bei grösseren Feten die Personalien der anwesenden Personen aufnimmt. Das hat viel eher eine Wirkung als eine simple Patrouille. Und nicht zuletzt erhoffe ich mir auch von den Gemeindebehörden mehr Unterstützung.

Was läuft denn da falsch?

Staufer: Die Gemeinden sind sich des Problems zwar bewusst, zeigen aber eine gewisse Ohnmacht. Das Problem wächst ihnen über den Kopf. Und: Es wird ganz eindeutig zu wenig unternommen, um es ernsthaft zu bekämpfen.

Was könnten die Gemeinden denn unternehmen?

Staufer: Littering - das achtlose Wegwerfen von Abfällen - ist gemäss Umweltschutzgesetz nicht strafbar. Es liegt an den Gemeinden, einen entsprechenden Artikel in ihr Polizeireglement aufzunehmen. Doch damit ist das Problem natürlich auch noch nicht gelöst.

Weshalb?

Staufer: Gesetzesgrundlage hin oder her: Es ist enorm schwierig, jemanden des Litterings zu überführen. Man muss ihn oder sie auf frischer Tat ertappen. Dazu hat weder die Gemeinde noch die Polizei die erforderlichen Mittel zur Verfügung.

Sind Sie da nicht manchmal frustriert angesichts der Aussichtslosigkeit, das Problem in den Griff zu bekommen?

Staufer: Hoffnung besteht immer, sonst würde ich all den Aufwand nicht betreiben. Aber frustriert bin ich manchmal schon.

Können Sie als Riverwatcher denn nichts unternehmen?

Staufer: In meiner Riverwatcher-Funktion nicht direkt, nein. Ich darf weder Ausweise verlangen noch Bussen verteilen. Ich stelle bloss Hinweistafeln auf und spreche ab und zu mit Gruppen, welche an der Reuss sind. Polizist spielen sollen aber lieber andere.

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