Liestal

Liestal will Beruf und Familie vereinen

Mittagstisch Berufstätige Eltern sollen bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützt werden. (Bild: MZ archiv)

Mittagstisch Liestal

Mittagstisch Berufstätige Eltern sollen bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützt werden. (Bild: MZ archiv)

Ab 2010 sollen in Liestal familienergänzende Tagesstrukturen eingeführt werden. Dies hat der Einwohnerrat so entschieden. Das letzte Wort hat jedoch das Volk.

Alessandra Paone

Die Stadt Liestal will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Dies hat der Einwohnerrat am Mittwochabend bestätigt: Mit 22 Ja- gegen 16 Nein-Stimmen hat er die Einführung der familienergänzenden Tagesstrukturen beschlossen. Da diese ab dem Jahr 2010 neue jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 400 000 Franken (Bruttokosten) generiert, untersteht die Vorlage dem obligatorischen Finanzreferendum. Das Volk hat also das letzte Wort.

Unterstützt wurde das Projekt in erster Linie vom linken Lager und der Mitte-Fraktion. Kritisch äusserten sich hingegen die Bürgerlichen. Die Freisinnigen hätten gerne mit der Einführung der Tagesstrukturen in Liestal zugewartet, bis die kantonale Vorlage da ist. Die Mehrheit der Spezialkommissions-Mitglieder war aber gegen eine Aufschiebung: Die Rahmenbedingungen des Liestaler Modells deckten sich weitgehend mit denjenigen des Kantons, sagte die Kommissionspräsidentin Erika Eichenberger (Grüne). Die Vorlage halte die allgemein gültigen Qualitätsstandards schon heute ein. Nach der Einführung des kantonalen Gesetzes seien also voraussichtlich keine grösseren Anpassungen im reviderten Bildungsreglement mehr nötig. Die kantonale Vorlage befindet sich noch beim Regierungsrat. Die Einführung eines familienergänzenden Angebots auf kantonaler Ebene ist noch nicht absehbar.

Der Zeitpunkt der Einführung war aber nicht der einzige Punkt, den das rechte Lager kritisierte. So forderte die FDP in einem von sechs Zusatzanträgen, die jährlichen Bruttokosten von rund 500 000 auf 300 000 Franken zu senken. «Wir brauchen die Strukturen - aber nicht um jeden Preis», gab Roman Zeller zu bedenken. Gar von einer «Luxuslösung», die «finanziell nicht tragbar ist», sprach seine Parteikollegin Regina Vogt. Auch erachtete die freisinnige Fraktion die Personalkosten als zu hoch. Es sei zwar richtig, dass pädagogisch qualifizierte Personen sich um die Kinder kümmern, sagte Daniel Spinnler. Doch seien nicht gleich fünf bis sechs nötig. Zwei bis drei reichten. Der Rest der Betreuung könne durchaus auch von Eltern oder Personen aus Vereinen übernommen werden, die sich mit Kindern auskennen und «sie vor allem auch gern haben», betonte Vreni Wunderlin.

Das Liestaler Modell diskrimiere zudem das traditionelle Familienmodell, sagte Vogt. Es gäbe verschiedene Familienformen, die nebeneinander existieren, erwiderte Walter Leimgruber (SP). «Alle Formen haben ihre Berechtigung, aber auch ihre Risiken. Wir dürfen sie aber auf keinen Fall gegeneinander ausspielen.» Weiter kritisierten die Bürgerlichen, dass die Betreuungskosten an den Nachmittagen nach einem einkommensabhängigen Tarif gestaltet sind. «Es sollen Einheitssätze für alle gelten», forderte Spinnler. Die SVP verlangte sogar, den Bruttokostenanteil der Eltern von rund 25 auf 50 Prozent zu erhöhen. «Es kann nicht sein, dass Liestal als finanzschwache Gemeinde ihre Steuerzahler noch zusätzlich belastet.» Die Bürgerlichen mussten sich jedoch am Ende geschlagen geben: Ihre Anträge wurden alle abgelehnt.

Im September 2005 hatte die ehemalige SP-Einwohnerrätin Orla Devereux mit einem Postulat den Stadtrat angeregt, eine Bedarfsanalyse für familienergänzende Tagesstrukturen durchzuführen. Begründung: Der Wandel in Gesellschaft und Arbeitswelt mache es notwendig, die Familien bei der Betreuung ihrer Kinder zu unterstützen. Neben flexiblen Arbeitsmodellen würden familienergänzende Tagesstrukturen eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bilden. Der Stadtrat hat den Auftrag entgegengenommen und zusammen mit einer Arbeitsgruppe eine Vorlage ausgearbeitet.

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