Tour de Suisse
Liestal biegt auf Zielgerade ein

Vieles spricht dafür, dass sich der Sieger der Tour de Suisse 2010 in Liestal feiern lassen darf. Doch noch fehlen die dazu nötigen Sponsorengelder.

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Cancellara

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Keystone

Von Daniel Ballmer

Noch wehrt sich Alexander Tschäppät. Für Berns Stadtpräsident ist klar: Das Finish einer nationalen Radtour habe in der Hauptstadt stattzufinden. Dabei war sie für Bern stets ein Verlustgeschäft. Alleine die Schlussetappe durchführen zu dürfen, kostet gegen 150 000 Franken. Hinzu kommen Kosten für die lokale Organisation sowie für Infrastruktur wie Absperrungen oder Verkehrsumleitungen. Doch: Für 2010 kann Tschäppät die Schlussetappe vergessen. Die Chancen stehen gut, dass die Rundfahrt im kommenden Jahr in Liestal endet. Tschäppät aber lässt nicht locker: «Bern bietet bestimmt die bessere Zuschauerkulisse als Liestal.»

In Liestal trübt dies den Enthusiasmus nicht. Beim federführenden Velo-Moto-Club (VMC) ist die Lust gross, die Tour de Suisse ins Baselbiet zu holen. «Wir haben uns aber nicht darum beworben, sondern sind vor rund einem Monat von den Tour-Verantwortlichen angefragt worden», stellt VMC-Präsident Roger Aeschbach klar. Möglich wäre die Etappenankunft am Samstag und das abschliessende Zeitfahren am Sonntag. Dies, nachdem im Januar der bereits designierte Organisator Schaffhausen einen Rückzieher machen musste. «Auch wir haben noch nicht zugesagt», betont Aeschbach, «erst muss die Finanzierung stehen.»

Doch die Zeit drängt. Die International Management Group (IMG), die hinter der Tour steht, will möglichst rasch wissen, woran sie ist. So hat auch die Stadt Olten ihr Interesse bei den Streckenplanern angemeldet. «Wenn wir zu lange warten, kommt vielleicht doch noch Olten zum Zug», ist sich Aeschbach bewusst. Wer letztlich als erster definitiv zusagt, der erhalte auch den Zuschlag. «Aber nochmals: Wir wollen kein finanzielles Risiko eingehen.» Aeschbach rechnet mit Gesamtkosten von rund 400 000 Franken. Der VMC habe bisher 25 bis 30 potenzielle Sponsoren angefragt - darunter auch die Stadt Liestal sowie den Kanton Baselland. Der definitive Entscheid soll in den kommenden zwei Wochen fallen.

«Die Schlussetappe der Tour de Suisse wäre für Liestal sicher eine attraktive Werbeplattform», ist sich Stadtrat Lukas Ott bewusst. «Die Tour ist noch immer einer der grössten Events in der Schweiz.» Und doch: «Bei der Finanzierung wird die Stadt aber sicher nur eine untergeordnete Rolle spielen können», stellt Ott klar. «Die Vermarktungsfirma der Tour ist natürlich gewinnorientiert. Da sind wir mit dem Einsatz von Steuergeldern sehr zurückhaltend.» Dies hätten die Stadtbehörden auch dem VMC klar gemacht. «Auf der anderen Seite aber könnten wir den lokalen Organisator mit Dienstleistungen unterstützen, etwa im Bereich der Infrastruktur», betont Ott. «Bei der Finanzierung sehe ich eher den Kanton in einer Leader-Rolle. Er hat da beispielsweise mit dem Sport-Toto-Fonds ganz andere Möglichkeiten.»

Auch Thomas Beugger zeigt sich noch zurückhaltend: «Voraussichtlich am Dienstag wird Sportminister Urs Wüthrich die Regierung informieren», erläutert der Leiter des Baselbieter Sportamts. Ziel sei es, dem VMC möglichst rasch mitteilen zu können, ob er mit Unterstützung rechnen darf und in welcher Form. Beugger: «Wir wollen die Sache sauber abklären, um sicher zu sein, dass der Veloclub die Organisation sowie die Finanzierung tatsächlich meistern kann.» Schliesslich sei es eine grosse Herausforderung, innert eines Jahres eine solche Schlussetappe zu organisieren.

Mittlerweile hat der VMC auch mit dem Standortmarketing Basel-Stadt Kontakt aufgenommen. «Letztlich wollen wir ja etwas für die ganze Region machen», sagt Aeschbach. Sollten sich rund um Liestal nicht genügend Sponsoren finden, könnte auch Basel zum Hauptaustragungsort werden. Ziel aber bleibt es, dass der Tour-Sieger 2010 auf der Strecke zwischen dem Stedtli und dem Raum Gitterli gefeiert werden kann. Sollte es wieder ein Schweizer sein, umso besser.