Oberhof

Lieber Fusion als Zwangsverwaltung

Enttäuscht: Der Oberhöfler Gemeindeammann Roger Fricker. (asp/Archiv)

Roger Fricker

Enttäuscht: Der Oberhöfler Gemeindeammann Roger Fricker. (asp/Archiv)

Die Oberhöfler Bürger blieben dem Infoabend für zukünftige Gemeindepolitiker geschlossen fern: Kein einziger Mensch kam! Gemeindeammann Roger Fricker spricht nach dem Flop Klartext, zeigt sich enttäuscht und schiebt die Schuld aufs Wetter.

Nadine Böni

Herr Fricker, sind die Oberhöfler und Oberhöflerinnen politverdrossen?
Roger Fricker: (lacht) Bis jetzt waren sie das eigentlich nicht. Aber nach dem letzten Freitag müsste man sagen: Ja, sind sie.

Wie erklären Sie sich das Nichterscheinen der Bürger?
Dafür habe ich keine Erklärung. Es war allerdings der erste schöne Abend seit langem. Das Wetter hatte sicher einen Einfluss. Ausserdem wird von überall her immer mehr Druck auf die Leute ausgeübt, nicht nur wegen der Wirtschaftskrise. Da möchte einer einen freien Abend vielleicht lieber einmal zu Hause mit der Familie oder Freunden verbringen, anstatt an einen politischen Anlass zu gehen. Das verstehe ich durchaus.

Jetzt sind in Oberhof noch Ämter frei. Wenn Sie für diese ein Inserat schalten müssten, wie sähe dieses aus?
Gute Frage. Da an der Versammlungswahl aber Bürger auch andere Bürger für ein Amt vorschlagen könnten, würde ich wohl auf ein Inserat verzichten. Ich bin überzeugt, dass sich schliesslich Leute finden werden für die Ämter.

Nochmals: Was sind denn die Kriterien für die Übernahme eines politischen Amtes?
Man muss das Dorf gern haben. Dazu muss man bereit sein, auch einmal ein Opfer für die Allgemeinheit zu erbringen. Ein solches Amt übt man nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Freude am Dorf aus. Es ist klar, dass nicht jeder in den Gemeinderat will und es aus beruflichen Gründen auch nicht kann. Komissionen sind aber für jeden und jede machbar. Da braucht es gesunden Menschenverstand. Den Rest kann jeder, der das will, lernen.

Wenn es keine andere Lösung gäbe: Hätten Sie lieber eine Zwangsverwaltung oder eine Fusion?
Für mich kommt keines von beidem infrage. Wenn die Bürger aber eine andere Richtung als die Selbstständigkeit wollen, wäre es die Fusion. Eine Zwangsverwaltung würde der Kanton nicht lange zulassen. Das Ganze käme aber sowieso erst infrage, wenn die Androhung einer Zwangsverwaltung aus Aarau eintrifft und wir immer noch niemanden für den Gemeinderat gefunden haben.

Sie kämpfen also weiter für die Selbstständigkeit von Oberhof?
Ich kämpfe bis zum letzten Moment gegen eine Fusion. Wenn die Oberhöfler und Oberhöflerinnen eine Fusion wollen, müssen sie einen anderen wählen. Für eine Fusion bin ich die falsche Führungspersönlichkeit.

Das Amt des Vizeammanns ist frei. Will niemand Ihr Vize werden?
Das habe ich so noch nie gehört. Es ist auch so, dass sich Trix Lenzin für das Amt des Vizeammanns zur Verfügung stellen würde.

Glauben Sie daran, dass in Oberhof alle Ämter besetzt werden können?
Ja, daran glaube ich. Man darf das Ganze auch nach dem Freitag nicht zu pessimistisch sehen. In grösseren Orten gibt es ähnliche Probleme. Klar, ich war enttäuscht und bin es immer noch. Aber ich habe weiterhin genügend Vertrauen in das Dorf und glaube, dass die Oberhöfler und Oberhöflerinnen jetzt wachgerüttelt wurden.

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