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Libyen: Schweizer in Gefängnis verschleppt und geschlagen

Nach dem Fall des nach wie vor inhaftierten Max Göldi wird jetzt bekannt: Es befand sich ein weiterer Schweizer in libyscher Geiselhaft. Der Geschäftsmann wurde dreieinhalb Monate illegal festgehalten und misshandelt.

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Manfred Nowak

Manfred Nowak

Keystone

Von Nadja Pastega

«Es war eine Geheimhaft», sagt der Uno-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, gegenüber «Sonntag». Der Fall ist bisher nicht publik.

Der schweizerisch-algerische Doppelbürger Aissa Hamoudi wurde am 18. November 2007 in Tripolis verhaftet. Er befand sich auf einer Geschäftsreise. Polizisten hatten seinen Pass kontrolliert und Hamoudi 24 Stunden in Gewahrsam genommen. Dann wurde er in ein Gefängnis verschleppt, wo er mit vier anderen Männern in der Zelle sass. Hamoudi blieb bis Ende Februar 2008 inhaftiert.

Die libyschen Behörden haben nie offiziell Anklage erhoben. Und: Weder die Angehörigen noch ein Anwalt wurden über Hamoudis Verhaftung informiert. «Die Haft wurde geheim gehalten, seine Familie wusste nicht, wo er war», sagt Nowak, der Hamoudi im Oktober 2009 interviewte.

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigt den Fall. «Wir haben Kenntnis von der damaligen Inhaftierung eines schweizerisch-algerischen Doppelbürgers», sagt EDA-Sprecher Adrian Sollberger. «Weitere Angaben können wir aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht machen.»

Die Härte des libyschen Regimes bekam Hamoudi voll zu spüren: Bei den wöchentlichen Verhören wurden ihm die Augen verbunden. Einen Monat lang war er in einer Zelle ohne Toilette und ohne fliessendes Wasser eingesperrt. «Für alles, was er benötigte, musste er um Erlaubnis fragen», sagt Nowak. «Als Hamoudi in einen Hungerstreik treten wollte, wurde er geschlagen.»

Nach seiner Verlegung in das Auslieferungsgefängnis («Passports Prison»), in dem 4000 Häftlinge einsassen, verschlimmerten sich die Haftbedingungen weiter. Laut Nowak wurde Hamoudi zehn Tage in einer Zelle mit «fürchterlichen sanitären Bedingungen» festgehalten. Zudem sei er Augenzeuge geworden, wie andere Häftlinge gefoltert wurden, so Nowak zu «Sonntag».

Hamoudis Familie kontaktierte mehrmals das Schweizer und das algerische Aussendepartement. Die Entlassung Hamoudis führt Nowak nicht auf die Bemühungen der Schweizer zurück, sondern auf jene der algerischen Seite. Ein Vertreter des algerischen Konsulats in Tripolis besuchte das Auslieferungsgefängnis, um festzustellen, wie viele Algerier dort gefangen gehalten wurden, schreibt Nowak in seinem Bericht zuhanden der Uno: Dabei habe er Hamoudi gefunden - und Schritte eingeleitet, «die zu seiner anschliessenden Befreiung geführt haben könnten.»

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