Leuthard bei Sarkozy: «Wie unter Freunden»
Leuthard bei Sarkozy: «Wie unter Freunden»

Der französische Präsident Sarkozy will die Schweiz besser in den G-20-Prozess einbinden. Dies versprach er Bundespräsidentin Leuthard bei deren Pariser Visite.

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Doris trifft Sarko
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Charmant wie immer Charmant wie immer.
Leuthard (links), Sarkozy (rechts) Leuthard (links), Sarkozy (rechts)
Zielstrebig Zielstrebig
Ein letzter Blick zurück Ein letzter Blick zurück

Doris trifft Sarko

Keystone

Stefan Brändle, Paris

Nein, die Bilateralen seien kein Thema gewesen: Mit dieser Antwort enttäuschte Doris Leuthard gestern Abend Fragen nach dem Inhalt ihres Treffens mit Nicolas Sarkozy. Die Beziehungen zwischen Bern und Brüssel hätten bei ihrem Termin im Elysée-Palast schlicht nicht auf der Traktandenliste gestanden, sagte die Bundespräsidentin.

Damit erübrigte sich auch die Frage, ob der französische Staatschef dem Nachbarland den Rücken gestärkt habe, nachdem der bilaterale Weg der Schweiz in Brüssel auf harsche Kritik gestossen war. Leuthard meinte nur allgemein, das Treffen sei «sehr angenehm» gewesen; es sei ihr wie «ein Gespräch unter Freunden » vorgekommen. Sarkozy habe nicht nur sein Interesse an der Schweiz herausgestrichen, sondern auch seine Freundschaft mit dem Nachbarland.

Die Schweiz: Heikles Thema

Die relative Nüchternheit dieser diplomatischen Ausdrücke darf nicht zu Fehlschlüssen verleiten. Sarkozy unterlässt derzeit aus innenpolitischen Gründen jede übertriebene Solidarisierung mit der Schweiz. Er kämpft derzeit mit der Bettencourt-Affäre, bei der es um Fluchtgelder in die Schweiz geht. Wie sein Arbeitsminister Eric Woerth vermeidet der Präsident nun jeden Schweiz-Bezug - nicht wegen der Schweiz selbst, sondern wegen der innenpolitischen Implikationen.

Umgekehrt vermeidet Paris momentan jede neue Breitseite gegen das Schweizer Bankgeheimnis. Sarkozy zeigte sogar eine gewisse Bereitschaft, dem Schweizer Finanzplatz in den internationalen Institutionen einen gebührenden Platz einzuräumen. So will er nächstes Jahr, wenn Frankreich den G-20-Vorsitz übernimmt, eidgenössische Standpunkte «besser berücksichtigen», wie Leuthard nach dem Treffen erklärte. Man habe sich über Vorbereitungstreffen auf Ebene der «Sherpas» (Unterhändler) geeinigt, und das ist laut der Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartementes «ein Schritt nach vorne». Sarkozy lädt die Schweiz auch an die Vorgespräche über die Reform der Bretton-Woods-Gremien, so vor allem des Internationalen Währungsfonds. Das sei für den Finanzplatz Schweiz sehr wichtig, so Leuthard.

Vergessen war beim Treffen, dass dieses bereits einmal anberaumt worden war, aber von französischer Seite mitten in der Fussball-WM vertagt wurde. Leuthard sah mit einem Lächeln darüber hinweg: «Alle Präsidenten haben eine übervolle Agenda.»

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