Walter Ryser

Die Problematik ist nicht neu und allseits bekannt; dennoch erwähnte Beatrice Lüthi, Vizepräsidentin der FDP Langenthal, bei der Eröffnung des ersten Sportgipfels einige Brennpunkte in der Langenthaler Sportszene: «Wir haben Turnhallen, die jeden Abend bis Mitternacht belegt sind, eine Eishalle, deren Lebensdauer sich dem Ende zu neigt, oder einen Tennisklub ohne Plätze.» Das hat die beiden Stadträte Fritz Fiechter (SP) und Urs Zurlinden (FDP) dazu bewogen, die Problematik auf politischer Ebene aktiv anzugehen (siehe Update). Die beiden haben zugleich auch einen Sportgipfel lanciert, der auf reges Interesse stiess, war doch das Clubrestaurant des FC Langenthal auf dem Fussballplatz Rankmatte berstend voll mit Leuten besetzt. Mit dabei auch die NLB-Mannschaft des SC Langenthal, was dokumentierte, wie stark die Thematik die Sportszene beschäftigt.

Prekäre Platzverhältnisse

Das Stichwort «Sport 09 in Langenthal» diente der hochkarätigen Gesprächsrunde als Ausgangslage dieses Sportgipfels. Während Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP), dem Thema angepasst gekleidet, darauf hinwies, dass die Stadt für den Erhalt der Sport-Infrastruktur zuständig sei und das breite Angebot hervorhob, machte seine Gemeinderatskollegin und Sportministerin Paula Schaub (EVP) den anwesenden Personen klar, dass der Gemeinderat ganz genau wisse, wohin man mit dem Sport in Langenthal in Zukunft wolle: «Das ist festgehalten in den Richtlinien des Gemeinderates für die nächsten vier Jahre.»

Doch mit diesen eher vagen Aussagen gaben sich längst nicht alle Diskussionsteilnehmer zufrieden. Guido Bardelli, Präsident des örtlichen Fussballklubs, beispielsweise wies auf die prekären Platzverhältnisse des Vereins mit nahezu 20 Mannschaften hin. Dabei sparte er nicht mit Kritik zuhanden der Stadt, der er mangelnde Unterstützung vorwarf: «Wenn ich die grossartigen Sportanlagen in anderen Kantonen sehe, dann muss ich hier klar festhalten, dass sich Langenthal nicht Sportstadt nennen darf.» Bardelli ging gar noch einen Schritt weiter und warf den verantwortlichen Stadtpolitikern vor, dass sie diese Bezeichnung vielleicht gar nicht mehr anstreben würden.

Sport ist wichtiger Lebensfaktor

Stephan Anliker, Verwaltungsratspräsident der SC Langenthal AG, vermied es im Gegensatz zu seinem Vorredner, Vorwürfe an die Stadt zu richten. «Ich bin viel mehr der Meinung, dass Langenthal prädestiniert wäre,

eine Sportstadt zu sein», betonte der Unternehmer. Er wies darauf hin, dass Sport für viele Menschen ein sehr wichtiger Lebensfaktor sei. «Der Sport ist vermutlich das wichtigste gesellschaftliche Element, um gemeinsam etwas bewegen zu können.» Anliker erwähnte dann doch noch, dass der SC Langenthal über viel zu wenig Eiszeit für seine 200 Nachwuchsspieler verfüge. Man habe sich beim SCL aber darauf eingestellt, dass in den nächsten fünf Jahren keine neue Eishalle entstehen werde. «Geht aber die Entwicklung unseres Klubs im gleichen Masse weiter, dann benötigen wir in absehbarer Zeit punkto Qualität und Quantität andere Möglichkeiten.»

«Die Leute kommen in eine Stadt, um zu arbeiten und zu wohnen, wenn sie diese als lebenswert erachten. Dabei spielt das Freizeitvergnügen mittlerweile eine sehr grosse Rolle», hielt Lukas Jenzer, Mediensprecher der Ammann Schweiz AG als Vertreter eines Grosssponsors (Hauptsponsor SC Langenthal), fest. Paula Schaub zeigte sich anschliessend bereit, die gehörten Voten aufzunehmen, machte den Anwesenden aber zugleich keine allzu grossen Hoffnungen: «Die Umsetzung ist in der Regel nicht ganz so einfach. Da gibt es immer viele Faktoren zu berücksichtigen.» Thomas Rufener gab ihr Rückendeckung und sagte, dass die Stadt bereit sei, im Rahmen seiner Möglichkeiten Hilfe anzubieten. «Es muss alles in einem vernünftigen Rahmen zu andern Interessen stehen», betonte der Stadtpräsident.

Für Bardelli und Anliker war dies zu wenig: «Es geht doch alleine darum, ob wir uns zu einer Sportstadt bekennen wollen oder nicht», hielt Bardelli Rufener entgegen. Und Anliker doppelte nach: «Wollen wir in dieser Stadt weiter Spitzensport oder nicht?», fragte er. Um dies zu klären, müsse die Stadt erst eine politische Grundhaltung definieren.