Christof Forster, Tobias Gafafer

Mit seinem vorgezogenen Rücktritt hat Moritz Leuenberger den Freisinnigen die Suppe versalzen und seiner Partei einen letzten Dienst erwiesen. Damit kann die FDP ihren Bundesrat Hans-Rudolf Merz nicht wie geplant vor dem Zürcher SP-Magistraten ersetzen.

Jetzt wird Leuenbergers Nachfolge am gleichen Tag wie jene von Merz geregelt, und nicht wie ursprünglich geplant erst im Dezember. Weil Leuenberger länger im Bundesrat ist als Merz, wählt die Bundesversammlung zuerst einen Ersatz für ihn. Wahltermin ist der 22. September.

Die SP erhält damit freiere Hand in der Kandidatenkür. So steigen die Wahlchancen der als Favoritin gehandelten Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga, die morgen bekannt gibt, ob sie antreten wird. Es verkompliziert hingegen die Ausgangslage für den in der FDP als Kronfavoriten geltenden Berner Nationalrat Johann Schneider-Ammann.

Seine Wahlchancen dürften sinken, da fraglich ist, ob das Parlament am selben Tag gleich zwei Berner wählen und die Ostschweiz links liegen lassen wird. Es schmälert auch die Chancen der weiblichen FDP-Favoritin, der St.Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter. Es ist unsicher, ob das Parlament nach der Wahl einer SP-Kandidatin noch eine fünfte Frau in die Landesregierung wählt.

Zwei Berner oder fünf Frauen?

Die FDP gibt sich trotz dieser Unwägbarkeiten betont gelassen. Sie begrüsse Leuenbergers Entscheid, sagt Fraktionschefin Gaby Huber. Der Parlamentsbetrieb werde so nicht doppelt belastet. Den negativen Einfluss auf ihre Kandidatenkür spielen die Freisinnigen herunter. «Wenn der Bundesrat zwei Zürcher erträgt, dann sind auch zwei Vertreter aus einem anderen grossen Kanton möglich», sagt FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher, der selbst Zürcher ist.

Und mit Blick auf eine mögliche Kandidatur von Keller-Suter sagt er, früher sei der Bundesrat ein reines Männergremium gewesen. Fünf Frauen seien somit kein Problem. Sowieso sei der Rücktritt von Bundesrätin Calmy-Rey absehbar.

Wyss: «Richtig entschieden»

Leuenberger begründete seinen Entscheid nobel mit «staatspolitischen Überlegungen». Damit habe die Bundesversammlung bezüglich regionaler und politischer Wahlkriterien mehr Möglichkeiten und es vereinfache die Departementsverteilung. Nach dem Rücktritt von Merz am Freitag hatte es Leuenberger noch abgelehnt, seinen Fahrplan zu ändern. Inner- und ausserhalb seiner Partei hatte dies übers Wochenende für massive Kritik gesorgt.

Sowohl SP-Fraktionschefin Ursula Wyss als auch Parteichef Christian Levrat verneinten gestern auf Anfrage, dass sie Druck auf Leuenberger ausgeübt hätten. Sie hätten lediglich eine Auslegeordnung gemacht. «Leuenberger hat für sich entschieden. Er hat richtig entschieden», sagte Wyss. Sie begrüsse Leuenbergers Entscheid. Er habe wahrscheinlich ein Wochenende gebraucht, um die Argumente gegeneinander abzuwägen.