Café Federal
Lernen aus Pleiten und Pannen

Ausgerechnet der Rüstungsfirma Ruag, die Kurse für Cybersecurity anbietet, werden Daten geklaut.

Anna Wanner
Anna Wanner
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Datenklau bei Ruag.

Datenklau bei Ruag.

KEYSTONE/URS FLUEELER

So viel zur Cyber-Sicherheit in der Schweiz: Russische Hacker haben beim Rüstungskonzern Ruag grosse Mengen an sensiblen Daten geklaut. Über ein Jahr lang saugten sie Unmengen an Informationen ab. Die Verantwortlichen bemerkten die Diebe aber nicht etwa selbst. Der Tipp kam von aussen: Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wies die Ruag auf die Cyberattacke hin.
Peinlich ist zudem, dass die Ruag selbst Trainings und Sicherheitssysteme gegen Cyberangriffe anbietet. Es geht ja nicht nur um Sicherheit. Die Ruag wirbt um Kunden, die für eine Expertise bezahlen müssten, wofür ganz offensichtlich das Know-how nicht vorhanden ist. Das Vertrauen jedenfalls ist futsch.

Als erste Reaktion ist man geneigt, der Firma zu empfehlen: «Schuster, bleib bei
deinem Leisten!» Waffen, Flugzeuge und Munition herstellen ist das, was die Ruag richtig gut kann. Doch haben wir unlängst gelernt, dass der Markt schwierig ist: Wenn die Waffenindustrie überleben will, muss sie exportieren können – auch in Staaten, die mit einem Bein im Krieg stehen.

Umrüsten wäre also womöglich doch viel gescheiter. Die Schweiz als hoch technologisiertes Land sollte ihren Fokus verstärkt auf Cyberkriminalität setzen und sich vom konventionellen Waffengeschäft verabschieden. Datenschutz ist auf jeden Fall ein Geschäft mit Zukunft. Denn die Hacker schlafen nicht, sie agieren immer geschickter. Der Fokus auf Cyber-Sicherheit hat einen zweiten Vorteil. Denn es scheint ganz so, als bestünde in der Schweiz noch ein gewisser Nachholbedarf.

anna.wanner@azmedien.ch

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