Leidet Dorfbild unter Gebäude?

Die Besitzerfamilie hat für das Haus neben der Kirche ein Abbruchgesuch gestellt (Bild: Hansruedi Aeschbacher)

kestenholz.jpg

Die Besitzerfamilie hat für das Haus neben der Kirche ein Abbruchgesuch gestellt (Bild: Hansruedi Aeschbacher)

Die Besitzer des alten Hauses neben der Kirche in Kestenholz warten auf einen Bescheid des Bauamtes bezüglich Abbruchgesuch. Noch ist nicht klar, was mit dem Haus geschehen wird. Die Abklärungen dazu laufen. Das letzte Wort wird voraussichtlich Ende Monat gesprochen.

Von Myriam Sperisen

Als Familie Rudolf von Rohr im letzten Dezember nach jahrelangen Verhandlungen ihr Nachbarhaus an der Gäustrasse in Kestenholz kaufte, war sie vor allem am hinteren Teil des Grundstücks interessiert: Am Land hinter dem Haus. Als Weideland ist es eine gute Ergänzung zum Bauernbetrieb der Rudolf von Rohrs.

Das Haus ist aber kein Unbekanntes, denn 60 Jahre lang hatten die früheren Besitzer keine nennenswerten Renovationen durchgeführt und so dem Verfall preisgegeben. «Wir haben lediglich ein Abbruchgesuch eingereicht. Dass wir ein solches Gesuch stellen, war dem Gemeinderat bekannt», so Besitzerin Antonia Rudolf von Rohr.

Das Haus ist ohne Zufahrt und so nahe an der Strasse: Eigentlich sollte es niemanden überraschen, dass die Familie das Abbruchgesuch stellte. Auch die Gemeinde muss damit gerechnet haben, zumal auch immer wieder Stimmen laut wurden, das Dorfbild leide unter dem Gebäude, weil es direkt neben der Kirche steht. An der letzten Gemeinderatssitzung wurden wieder solche Töne laut.

Ideen werden diskutiert

Das Haus im Dorf ist unbestritten schon seit langem ein Thema. So rief das Abbruchgesuch beim Gemeinderat verschiedene Reaktionen hervor. Die Idee der Grünfläche war bereits Gegenstand des Gesuches seitens der Besitzer, andere Ideen werden noch diskutiert. Aber es handelt sich um ein laufendes Verfahren, was auch Gemeindeschreiber Marco Bürgi auf Anfrage betont: «Noch sind lediglich Diskussionen im Gang, es ist nichts konkret, wir können schätzungsweise erst Ende Monat definitiv Bescheid geben.»

Der Entscheid bezüglich Abbruchgesuch seitens Baukommission ist effektiv noch nicht gefällt. Als dasselbe Geschäft im Jahr 2006 auf den Tisch kam, war der Gemeinderat positiv eingestellt.

Blick von Oensingen würde frei

Falls es einmal eine Grünfläche an Stelle des Hauses geben sollte, wäre der Blick auf die Kirche von Oensingen her frei. Bei der römisch-katholischen Kirchgemeinde nachgefragt, meint Präsident Salvatore Ialuna: «Wir wären zufrieden mit einer Wiese.» Und: «Es wäre eine Win-Win-Situation für alle».

In den nächsten Wochen wird in verschiedenen Sitzungen zwischen Behörden und der Besitzerfamilie abgeklärt, wie es weiter geht. Ein Passant meinte gegenüber dieser Zeitung vor Ort: «Die Hütte muss weg!» Das bestimmen allerdings am Ende die Besitzer Josef und Antonia Rudolf von Rohr. Nach dem Bescheid der Baukommission wird sich das Schicksal des Hauses an der Gäustrasse in Kestenholz klären.

Meistgesehen

Artboard 1