Selten stand ein Kantonspolitiker länger in den Schlagzeilen als der Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei. Der Anwalt spielte beim Sturz des ehemaligen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand Anfang Jahr eine zentrale Rolle. Nun bringt ihn die «Wochenzeitung» (WOZ) erneut in die Schlagzeilen. Wie die linksgerichtete Publikation heute berichtet, war der Politiker unter der Bezeichnung «Schlagwort AG, Hermann Lei» bis vor kurzem als Halter der Internetadresse adolf-hiltler.ch eingetragen.

Auf Anfrage der az wehrt sich Hermann Lei gegen den «WOZ»-Artikel. «Es handelt sich um einen unsäglichen Versuch, meinen Ruf zu schädigen.» Ihm werde «bar jeder Realität» vorgeworfen, er betreibe eine Seite, die mit Adolf Hitler sympathisiere. «Das ist komplett falsch», sagt er. Die Adresse habe ihm nie gehört. «Ich wusste bis zur Kontaktaufnahme durch die Wochenzeitung nicht, dass mein Name in dem Domaineintrag auftaucht.» Ausserdem warne die beanstandete Internetseite ausdrücklich vor dem Nationalsozialismus.

Wie Leis Name im Domaineintrag landete

Dass sein Name in den Halterinformationen von adolf-hitler.ch auftauchte, hängt laut Lei mit seiner Tätigkeit als Anwalt zusammen. Der Fehler sei passiert, als er im März 2010 im Auftrag eines Klienten (Internetunternehmer Reimut Massat) die Aktiengesellschaft Schlagwort AG gegründet habe. Damals habe er nicht gewusst, dass Massats Unternehmen im Besitz der Hitler-Adresse ist.

Wegen seiner Funktion als Gründer der Aktiengesellschaft sei sein Name dennoch im Domainverzeichnis gelandet, obwohl er nichts mit der Seite zu tun habe. Ein halbes Jahr nach der Gründung sei er, wie es für Anwälte üblich sei, wieder aus der AG ausgetreten. Sein Name sei aber fälschlicherweise nicht entfernt worden.

Inzwischen hat Leis Klient Massat den Namen des SVP-Politikers gelöscht und die Halterinformationen auf sich selber umschreiben lassen. Laut der «WOZ» betreibt die Schlagwort AG tausende Domains, um damit Werbeeinnahmen zu generieren.

Lei erwägt rechtliche Schritte

SVP-Kantonsrat Lei will sich nun überlegen, rechtlich gegen die «WOZ» vorzugehen. Normalerweise habe er eine dicke Haut, sagt er. «In diesem Fall ist für mich die Grenze des Unappetitlichen erreicht. Man will nicht akzeptieren, dass ich etwas aufgedeckt habe, das die anderen zudecken wollten, nämlich, dass der frühere Nationalbankpräsident mit Devisen spekulierte.»