Lehrer

Lehrerteam ist gut organisiert

Martina Eichenberger erfasst alle Ereignisse des Schultages im Klassenbuch (ju)

Martina Eichenberger

Martina Eichenberger erfasst alle Ereignisse des Schultages im Klassenbuch (ju)

Die beiden Primarlehrkräfte Martina Eichenberger und Peter Danzeisen aus Aarau sehen den Teilzeitboom positiv: «Kinder schätzen es, mehrere Bezugspersonen zu haben.»

Irena Jurinak

Nachdem ihre Schülerinnen und Schüler aus dem Klassenzimmer gestürmt sind, sitzt Primarlehrerin Martina Eichenberger - wie jeden Montag- und Dienstagnachmittag - noch an ihrem Pult und schreibt in das Klassenbuch: Wer krank war, wessen Eltern vorbeigeschaut haben, ob etwas Aussergewöhnliches vorgefallen ist.

Martina Eichenberger teilt sich an der Primarschule Telli in Aarau eine zweite Primarklasse mit einer Kollegin, sie betreut die Klasse montags und dienstags, ihre Kollegin übernimmt den Rest der Woche. Jeden Mittwoch liest sie nach, was Eichenberger notiert hat und schreibt ihrerseits die Tagesereignisse ein.

Jeden Donnerstagabend telefonieren die beiden miteinander. An die wöchentlichen Lehrersitzungen gehen sie abwechslungsweise, zu den Elterngesprächen erstellen sie ein Protokoll und in einem Ordner sammeln sie alle Briefe an die Eltern.

Teilzeit macht toleranter

«Natürlich ist es zu zweit administrativ aufwändiger, aber man muss sich einfach gut organisieren», sagt Eichenberger. Die Elterngespräche haben die beiden untereinander aufgeteilt und ihre 22 Schüler in zwei Gruppen eingeteilt. Sowohl Schüler als auch Eltern könnten damit gut umgehen. Und das obwohl bei den Lehrerinnen durchaus in manchen Dingen unterschiedliche Regeln gelten.

«Bei mir müssen die Schüler zum Beispiel nicht fragen, wenn sie etwas trinken möchten, bei meiner Kollegin schon», sagt Eichenberger. Die 32-Jährige arbeitet Teilzeit, seit sie eine eigene Familie hat. «Ich bin froh, dass mir ein ‹Minipensum› nach der Geburt meines ersten Kindes den Einstieg in den Beruf ermöglicht hat.»

Und auch für die Schüler habe der Teilzeitboom Vorteile. Bei schwierigen Kindern können die beiden Lehrerinnen sich austauschen. Und was die zwischenmenschliche Chemie angeht, sind die Schüler von Eichenberger im Vorteil. «Sie haben zwei Bezugspersonen zur Auswahl. Der eine kommt vielleicht lieber Montags und Dienstags zur Schule, der andere Mittwochs bis Freitags.»

Das wirke sich auch auf ihre Toleranz aus. «Wenn mir ein Schüler Mühe macht, sehe ich ihn nicht die ganze Woche. Dann habe ich Montags wieder Energie, um auf ihn einzugehen.»

Auch Peter Danzeisen sieht hier die Vorteile von Teilzeitpensen: «Die Kinder im Tellischulhaus schätzen es, dass sie nebst der Klassenlehrkraft viele weitere potenzielle Bezugspersonen haben.»

Lehrer, Hauswart, Aufgabenhilfe

Danzeisens 4. Klasse besucht diverse Stunden bei Fachlehrpersonen - Werken, Musik, Sport. Hinzu kommt die Aufgabenhilfe, die Schulsozialarbeit, die Pausenaufsicht und der Hauswart. «Die Kinder erleben viele Personen im näheren und weiteren Schulzimmer-Umfeld, die Fäden laufen bei mir als Klassenlehrer zusammen.»

Danzeisen unterrichtet seit vielen Jahren im 100-Prozent-Pensum. «Ich übernehme gerne die Hauptverantwortung für die Führung einer Klasse - die ich dann als ‹meine Klasse› bezeichne - ich bin gerne ‹Schaltstelle› und Ansprechperson gegenüber den Erziehungsberechtigten.» Wie hoch das Pensum eines Lehrers sei, sage jedoch nichts über dessen Qualität aus. «Ich kenne viele ausgezeichnete Lehrkräfte mit unterschiedlichsten Pensen.»

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