Mit kaum einem anderen Thema tat sich der neue Lehrplan 21 derart schwer wie mit der Digitalisierung. Zwar gab es im Vorfeld der Einführung fast um alles irgendwann Streit (Geschichte, Religion, Fremdsprache).

Heute sind sich Lehrer wie Bildungsexperten vor allem in einer Frage uneins: Wie Schulen mit der technologischen Entwicklung Schritt halten sollen. Braucht jedes Kind ein Tablet? Muss Informatik ein Pflichtfach werden? Oder ist alles nur Hype und die Lehrer sollten sich im Unterricht auf alte Tugenden konzentrieren?

Deutlich wird der ehemalige Präsident der ETH Lausanne, Patrick Aebischer: «Die Schulen müssen aggressiver werden», sagt der Bildungsexperte und grosser Verfechter der Digitalisierung. Sie müssten die Digitalisierung konsequent vorantreiben und fest in den Unterricht integrieren. «Je früher Kinder codieren lernen, desto besser.» Daran führe kein Weg vorbei. «Programmieren ist die Sprache des 21. Jahrhunderts, dieses Wissen ist essenziell für unsere Zukunft.»

Nur wie diese Zukunft genau aussehen soll, bleibt weiter offen. Um das zu klären, hat der Schweizer Lehrerverband nun ein Positionspapier entwickelt. Der Verband kommt zum Schluss, dass wesentliche Bedingungen für den Sprung ins digitale Zeitalter erst noch bereitgestellt werden müssen. Im 7-Punkte-Plan des Programms stechen drei Forderungen heraus: Erstens müssten die Lehrer periodisch weitergebildet werden, da die technische Entwicklung rasant verlaufen kann. «Ob wir in zehn Jahren noch Tastaturen nützen werden und welche Bedeutung die Handschrift im Alltag noch haben wird, ist mehr als unsicher», schreibt der Verband.

Den eigenen Laptop mitnehmen

Zweitens ist es heute mit dem klassischen Buch nicht mehr getan. Die Lehrer fordern digitales Unterrichtsmaterial, um den Stoff besser vermitteln zu können. Zudem sollten die Lehrpläne, aber auch die Beurteilung einzelner Fächer laufend angepasst werden. Und drittens müssten Kantone und Gemeinden die Infrastruktur auf den neusten Stand bringen.

Das kann teuer werden, denn der Trend gibt eine klare Richtung vor: «In wenigen Jahren wird ein Tablet so essenziell sein wie heute ein Etui», gab Lehrerpräsident Beat Zemp bereits mehrfach zu bedenken. Der Verband unterstützt deshalb eine «Bring your own device»-Strategie. Jede Schülerin und jeder Schüler soll sein eigenes Gerät in den Unterricht mitnehmen. Das sei am günstigsten. Wer allerdings keines hat, darf ein Gerät der Schule benutzen. Denn auch für Bildungsexperte Patrick Aebischer ist klar: «Jedes Kind wird in einigen Jahren mit einem Tablet oder Laptop im Unterricht sitzen», sagt er. «Daran führt kein Weg vorbei.»