Damit auch künftig jedes Kind an einem Ski- oder Klassenlager teilnehmen kann, hoffen Schulen auf Hilfe der SBB. In einem kürzlich verfassten Positionspapier nimmt der Schweizer Schulleiterverband nicht nur die Kantone und Gemeinden in die Pflicht, sondern auch den öffentlichen Verkehr. Das Ziel: Die Tickets für Klassenfahrten sollen billiger werden, damit Schulen Exkursionen und Lager weiter bezahlen können. Der gewöhnliche Gruppenrabatt reiche nicht.

Hintergrund der Forderung ist ein Urteil vom Dezember. Das Bundesgericht kam zum Schluss, dass obligatorische Angebote von Schulen kostenlos sein müssen. Neu dürften von Eltern maximal 16 Franken pro Tag für Verpflegung verlangt werden. Je nach Schule zahlten Eltern bisher zwischen 150 und 300 Franken für eine Lagerwoche. Manchmal auch mehr.

Nun geht es um die Frage, wer für das Defizit aufkommt, denn das Klassenlager ersatzlos streichen, wollen die Schulen nicht. «Für das soziale Lernen sind solche Lager extrem wichtig», sagt Bernard Gertsch, Präsident des Schweizer Schulleiterverbandes (VSLCH). Die Reisen seien aus der Schule nicht wegzudenken.

Die Verunsicherung nach dem Gerichtsentscheid sei spürbar. In einigen Gemeinden würden über Ersatzangebote im Klassenzimmer diskutiert – allerdings nur für Kinder, deren Eltern nicht zahlen können. Das sei ein Fehler, sagt Gertsch. Schüler sollten ein Lager zusammen erleben dürfen.

Sonderangebote gibt es bereits

Ausserdem fürchtet Gertsch, dass sich eine Zweiklassengesellschaft auftue. Reiche Gemeinden könnten für die Lager aufkommen, ärmere nicht. Dann würde der Wohnort der Kinder entscheiden, ob sie in ein Klassenlager gehen oder nicht. «Das darf nicht sein.»

Gertsch verweist auf bereits bestehende Sonderangebote. So ist es beispielsweise für Teilnehmer der Berufsmeisterschaften «Swiss Skills» dank den SBB möglich, für lediglich 20 Franken zum Veranstaltungsort nach Bern zu fahren – egal woher die Jugendlichen aus der Schweiz anreisen.

Mit ihrem Anliegen sind die Schulleiter nicht alleine. Auch beim Schweizer Lehrerverband sind die Ticketpreise ein Thema. An der vergangenen Präsidialkonferenz des Verbandes im April wurden die SBB kritisiert. Wie das Magazin «Bildung Schweiz» schreibt, ärgerten sich die Lehrkräfte über die hohen Kosten: «Heute sind einige Fahrten mit dem Car günstiger», wird der Lehrerpräsident aus Appenzell-Ausserrhoden zitiert. Die Präsidentin aus Graubünden sah im Bundesgerichtsurteil «ein starkes Argument für günstigere SBB-Preise».

Lehrer planen Vorstoss

Auf Anfrage gibt Lehrerpräsident Beat Zemp bekannt: «Wir arbeiten an einem Vorstoss.» Für Details sei es allerdings zu früh. Es mache wenig Sinn, Nachhaltigkeit zu unterrichten, gleichzeitig aber mit einem Car durch die Schweiz reisen zu müssen, weil Zugtickets zu teuer geworden sind.

Allerdings müssten auch Gemeinde und Kantone einspringen, wie der Verband in einem Positionspapier vorrechnet. In einer Gemeinde mit einem Schulbudget von 24 Millionen Franken würde sich der Betrag durch die Lagerkosten lediglich um 40 000 Franken erhöhen. «Da muss eine Lösung möglich sein», sagt Zemp.

Die SBB verweisen auf Anfrage an den Verband öffentlicher Verkehr, den nationalen Dachverband der Transportunternehmen. Direktor Ueli Stückelberger ist skeptisch: «Ich sehe das Problem, aber es ist nicht primär Aufgabe des öffentlichen Verkehrs, Schüler besonders billig oder gar gratis zu transportieren.» Es sei an den Kantonen die Finanzierung der Schulen zu sichern. Weitere anlassbezogene Aktionen wie bei den Swiss Skills zu günstigen Konditionen seien aber auch künftig denkbar.

Noch ist allerdings keine Lösung in Sicht, die Zeit drängt. In vielen Schulen wird derzeit über das Budget fürs kommende Jahr diskutiert. Bis zu den Sommerferien sollte es stehen – mit oder ohne Lager.