Tessin
Lega-Urgestein Attilio Bignasca (77) ist tot

Mitten in der Coronakrise, welche den Kanton Tessin in Atem hält, ist der langjährige Lega-Politiker Attilio Bignasca (77) nach längerer Krankheit verstorben.

Gerhard Lob
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Attilio Bignasca, Unternehmer aus Lugano, Lega-Nationalrat des Kantons Tessin, aufgenommen am 11. Dezember 2007 in Bern. Bild: Keystone)

Attilio Bignasca, Unternehmer aus Lugano, Lega-Nationalrat des Kantons Tessin, aufgenommen am 11. Dezember 2007 in Bern. Bild: Keystone)

CH Media

Den Tod des Tessiner Alt Nationalrat gab die Lega am Sonntag über die Internetseite mattinonline.ch bekannt. Zahlreiche Politiker kondolierten. Attilio Bignasca war der Bruder von Giuliano Bignasca, der die populistische Protestbewegung Lega dei Ticinesi im Jahr 1991 gegründet hatte.

Im Gegensatz zu Giuliano, der politische Ämter gar nicht mochte, war Attilio über Jahre für die Lega in den Institutionen vertreten. Er war von 1991 über 20 Jahre lang Grossrat, auch Fraktionschef und Grossratspräsident, sass ausserdem von 2003 bis 2009 im Nationalrat. Gemeinsam mit seinem Bruder war er Chef der Baufirma Bignasca in der Via Monte Boglia im Stadtteil Molino Nuovo von Lugano, welche zugleich das «Politbüro» der Lega war.

Nach dem Tod seines Bruders im Jahr 2013 war Attilio Bignasca zum Koordinator der EU-kritischen Regionalbewegung geworden. Er besass zwar nicht annähernd den Witz, das Charisma und die Schlagfertigkeit seines Bruders Giuliano, macht seinen Job aber erstaunlich gut und mit einer gewissen trocken-süffisante Ironie, die ihm durchaus Sympathien auch von politischen Gegnern verschaffte. Im Vergleich zu Giuliano war er eher der sanfte Rebell.

Vom Tessin nach Genf und wieder zurück

Geboren wurde er am 1.November 1943 in Lugano-Viganello. Mit 18 verliess er ohne Abschluss die Handelsschule, als sein Vater an einem Herzinfarkt starb. Er trat in die vom Grossvater gegründete, familieneigene Steinhauerfirma ein. Danach bestimmte Arbeit sein Leben, 55 bis 60 Stunden pro Woche. «Wenn jemand von der 35-Stunden-Woche spricht, kann ich nur lachen», sagte er einmal in einem Interview. Dazu kam die Familie mit vier längst erwachsenen Kindern aus zwei Ehen.

Zehn Jahre verbrachte Attilio Bignasca ausserhalb seines Heimatkantons, hauptsächlich in Genf. Über die Firma Marbreafrique lieferte er Natursteine nach Afrika. In den Boomjahren zwischen 1980 und 1990 lief das Geschäft für Grossprojekte in Kamerun, der Elfenbeinküste und Zaire wie geschmiert. Der wohl berühmteste Auftrag – die Lieferung von Marmor - kam von Houphouët Boigny, dem ehemaligen Präsidenten der Elfenbeinküste, der in der Kapitale Yamoussoukro eine Kopie des Petersdoms bauen liess. Mit einem Startkapital von 32‘000 Franken hat Bignasca nach eigenen Angeben damals einen Umsatz von 500 Millionen Franken erwirtschaftet.

Wieder zu Hause im Tessin musste er kleinere Brötchen backen. Die Immobilienkrise setzte dem Familienbetrieb zu, der sich unter Giuliano in den 1980er Jahren zu einem kleinen Imperium gemausert hatte. Neben zahlreichen Wohnhäusern gehörte den Bignascas auch ein stadtbekanntes Bordell im Stadtteil Loreto. Von den einst 250 Mitarbeitern verblieben nur einige Dutzend. Doch das Baugeschäft „A & G Bignasca“ bleibt für Lugano eine Institution. Ein grosser Makel bleibt, dass die Firma auch Sozialabgaben nicht bezahlt hat. Und erinnerungswürdig bleibt der Auftritt von Attilio Bignasca in der italienischen TV-Sendung «Le Iene» im Jahr 2016, in dem er sagte, keine Grenzgänger zu beschäftigen, doch just im Nebenzimmer sich ein Angestellter als Grenzgänger outete.

Bignasca wird der Lega in Form seiner Tochter erhalten bleiben

2013 versuchte Attilio Bignasca nochmals etwas Rebellentum aus der Gründerzeit der Lega in die Bewegung zu bringen. Doch es gelang ihm nicht. Kein Wunder: Denn die Lega ist mittlerweile durch die Institutionen marschiert. Im Staatsrat sind zwei von fünf Regierungsmitgliedern Mitglieder der Lega, in Lugano hat die Lega mit drei Stadträten die relative Mehrheit. Attilio Bignasca hatte sich schon vor einige Zeit aus dem politischen Geschäft zurückgezogen. Doch sein Geist wird mit Sicherheit auch weiterhin in der Lega vorhanden sein, denn seine Tochter Antonella gilt seit Jahren als Schattenpräsidentin der Bewegung.

«Wir bedauern es, dass es die momentanen Umstände nicht erlauben, einer Persönlichkeit dieses Ranges einen würdigen Abschied zu geben», teilte die Tessiner SVP mit, welche häufig Seite an Seite mit Attilio Bignasca politisch gekämpft hatte. Wegen der Coronakrise sind Bestattungen momentan nur im engsten Familienkreis möglich.

Prominente Todesfälle im 2020:

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.
62 Bilder
29. Dezember: Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin stirbt im Alter von 98 Jahren in Frankreich.
16. Dezember: Alt Bundesrat Flavio Cotti stirbt im Alter von 81 Jahren. Als CVP-Mitglied gehörte er dem Bundesrat von 1987 bis 1999 an.
12. Dezember: John Le Carré, der durch seine Spionageromane weltbekannte Schriftsteller, stirbt im Alter von 89 Jahren an einer Lungenentzündung.
11. Dezember: Der Schweizer Bildhauer Erwin Rehmann stirbt im Alter von 99 Jahren in Laufenburg.
3. Dezember: Die deutsche Schauspielerin Jutta Lampe stirbt im Alter von 82 Jahren in Berlin.
2. Dezember: Valéry Giscard d’Estaing, französischer Politiker und ehemaliger Staatspräsident stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion.
28. November: Der britische Schauspieler und« Darth-Vader»-Darsteller David Prowse stirbt im Alter von 85 Jahren nach kurzer Krankheit.
25. November: Fussballgott Diego Maradona erliegt im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt.
23. November: Karl Dall, deutscher Fernsehmoderator, Sänger und Komiker stirbt im Alter von 79 Jahren in Lüneburg an den Folgen eines Schlaganfalls.
20. November: Der deutsche Star-Friseur Udo Walz stirbt im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Diabetes Schocks.
31. Oktober: Bond-Legende Sean Connery stirbt im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas.
25. Oktober: Der deutsche Bundestags-Vizepräsident Thomas Oppermann bricht kurz vor einem Interview zusammen und stirbt dann später mit nur 66 Jahren im Krankenhaus.
19. Oktober 2020: Spencer Davis (links), der britische Rockmusiker und Mitbegründer der Band «Spencer Davis Group» stirbt im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.
12. Oktober: Die US-amerikanische «Two and a Half Men»-Darstellerin Conchata Ferrell stirbt im Alter von 77 Jahren.
6. Oktober 2020: Der niederländisch US-amerikanische Rockmusiker Edward Van Halen stirbt mit 65 Jahren an Kehlkopfkrebs. Das Ausnahmetalent auf der E-Gitarre war Mitbegründer der Rockband "Van Halen".
6. Oktober: Der US-Musiker Johnny Nash, (Hit: «I Can See Clearly Now»), stirbt im Alter von 80 Jahren.
6. Oktober: Der deutsche Journalist, Kabarettist und Entertainer Herbert Feuerstein stirbt im Alter von 83 Jahren. Feuerstein war 20 Jahre lang Chef des Satire-Magazins «MAD».
27. September: Der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement stirbt im Alter von 80 Jahren an Lungenkrebs.
23. September: Die französische Chansonsängerin und Ikone Juliette Greco stirbt im Alter von 93 Jahren.
21. September: Der französische Schauspieler Michael Lonsdale stirbt im Alter von 89 Jahren.
28. August: Uli Stein, einer der bekanntesten Cartoonisten Deutschlands, stirbt im Alter von 73 Jahren.
15. August: Robert Trump (links), der Bruder von Donald Trump, stirbt im Alter von 71 Jahren.
11. August: Der US-amerikanische Popsänger Trini López stirbt im Alter von 83 Jahren an der Folgen einer Covid-19-Erkrankung.
25. Juli: Die amerikanische Filmlegende Olivia de Havilland stirbt im Alter von 104 Jahren in Frankreich.
25. Juli: Gitarrengott Peter Green stirbt ist im Alter von 73 Jahren. Er war Mitbegründer der legendären Band «Fleetwood Mac».
13. Juli: Der US-amerikanische Schauspieler und Modellbauer Grant Imahara stirbt im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Aneurysmas.
13. Juli: Benjamin Keough, Enkel des «King of Rock'n' Roll» Elvis Presley nimmt sich mit 27 Jahren das Leben.
6. Juli: Film-Komponist Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod") stirbt 91-jährig.
19. Juni: Der britische Schauspieler, der vor allem als Bilbo Beutlin in «Herr der Ringe» bekannt wurde, stirbt im Alter von 88 Jahren.
12. Juni: Nationalrat Albert Vitali (FDP/LU) erliegt kurz vor seinem 65. Geburtstag einem Krebsleiden.
31. Mai: Der Künstler Christo, der vor 25 Jahren auch das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllte, ist tot. Er starb in New York im Alter von 84 Jahren.
26. Mai: Der ehemalige Berner SVP-National- und Regierungsrat Bernhard Müller stirbt 89-jährig.
24. Mai: Die amerikanische Schlagzeug-Legende Jimmy Cobb stirbt in New York.
19. Mai: Bauunternehmer Walter Beller stirbt zuhause mit 71 Jahren. Bild: Mit Ehefrau Irina Beller.
12. Mai: Die deutsche Fotografin und Künstlerin Astrid Kirchherr fotografierte die Beatles – und wurde mit ihnen berühmt: Sie stirbt im Alter 81 Jahren.
12. Mai: Die französische Schauspiel-Legende Michel Piccoli stirbt im Alter von 94 Jahren.
9. Mai: Der US-Amerikaner Little Richard, der Pionier des Rock'n Roll, stirbt mit 87 Jahren.
8. Mai: Roy Horn (links), ein deutsch-US-amerikanischer Zauberkünstler, stirbt im Alter von 75 Jahren in Las Vegas an einer Corona-Infektion.
25. April: Der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist stirbt mit 85 Jahren.
23. April: Der ehemaliger deutsche Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm stirbt im Alter von 84 Jahren.
14. April: Der renommierte Berner Gegenwartskünstler Markus Raetz stirbt mit fast 79 Jahren. Der Maler, Zeichner und Objektkünstler hat in seinem umfangreichen Werk immer wieder die gewohnte Wahrnehmung unterlaufen.
12. April: Formel 1-Legende Stirling Moss stirbt im Alter von 90 Jahren in London.
1. April: Der amerikanische Musiker Adam Schlesinger (52) stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion. Der Emmy- und Grammy-Preisträger wurde 52 Jahre alt.
1. April: Der amerikanische Jazz-Pianist Ellis Marsalis aus New Orleans stirbt an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.
30. März: Die US-amerikanische Soul-Legende Bill Withers («Ain't No Sunshine»), stirbt im Alter von 81 Jahren in Kalifornien.
25. März: US-Schauspieler Mark Blum (hier mit Schauspielerin Sharon Lawrence) stirbt mit 69 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Blum wurde mit Filmen wie "Desperately Seeking Susan" und "Crocodile Dundee" bekannt.
24. März: Der Asterix-Zeichner Albert Uderzo stirbt mit 92 Jahren an einem Herzinfarkt.
20. März: Kenny Rogers stirbt mit 81 Jahren. Der Country- und Popmusiker schuf Hits wie «Island In The Stream» und «Lucille».
8. März: Der schwedische Schauspieler Max von Sydow stirbt mit 90 Jahren in Paris. Er wurde in den 1950er Jahren durch seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Regisseur Ingmar Bergman bekannt, später war er auch in Blockbustern wie «Star Wars» zu sehen.
6. März: Der Us-Amerikaner McCoy Tyner, einer der einflussreichsten und bedeutendsten Pianisten des Jazz, stirbt im Alter von 81 Jahren.
25. Februar: Ägyptens Langzeitmachthaber Husni Mubarak stirbt im Alter von 91 Jahren. Mubarak stand fast 30 Jahre an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes der arabischen Welt.
17. Februar: Die Tastenkombination «Copy and Paste» spart Zeit und sorgt für Ärger. Nun ist ihr Erfinder Larry Tesler 74-jährig gestorben.
15. Februar: Die britische Fernsehmoderatorin Caroline Flack wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Die 40-Jährige soll Suizid begangen haben. Sie hätte sich Anfang März 2020 vor Gericht verantworten sollen, weil sie im Dezember 2019 ihren Freund Lewis Burton attackiert hatte.
5. Februar: Die Hollywood-Legende Kirk Douglas stirbt im Alter von 103 Jahren.
1. Februar: Die Zürcher Radiolegende Elisabeth Schnell - hier 2005 im Berner Oberland - stirbt im Alter von 90 Jahren an den Folgen einer Erkrankung.
31. Januar: Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Welt, die US-Amerikanerin Mary Higgins Clark, stirbt im Alter von 92 Jahren.
26. Januar: Der ehemalige Basketball-Superstar Kobe Bryant verunglückt bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien und stirbt mit nur 41 Jahren.
21. Januar: Terry Jones, Mitglied der berühmten Komikergruppe Monty Python, stirbt im Alter von 77 Jahren in England. Jones litt während der letzten Jahre an starker Demenz und war in der Öffentlichkeit nur noch selten zu sehen.
20. Januar: Der deutsche Schauspieler Joseph Hannesschläger, hier mit seiner Ehefrau, verliert den Kampf gegen den Krebs im Alter von 57 Jahren. Seit 2002 war Hannesschläger als Kommissar in der ZDF-Kultserie "Die Rosenheim-Cops" zu sehen.
5. Januar: John Baldessari, amerikanische Künstler, wird 88 Jahre alt.
1. Januar: Martin Bundi, der frühere Bündner SP-Nationalrat setzte sich für die Natur und die rätoromanische Sprache ein. Er stirbt im Alter von 87 Jahren.

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.

Foto: Keystone