Selbstversorgung
Lebensmittelimport in die Schweiz hat sich in 25 Jahren beinahe verdoppelt

Schweizer Lebensmittel reichen aber längst nicht mehr aus, um die helvetischen Mägen zu füllen.

Samuel Schumacher
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Die neue Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigen, wie sich der Nahrungsmittelimport über die vergangenen Jahre entwickelt hat. (Symbolbild)

Die neue Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigen, wie sich der Nahrungsmittelimport über die vergangenen Jahre entwickelt hat. (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/Fabian Bimmer

Wir sind, was wir essen, und was wir essen, das gibt derzeit viel zu reden. Die bevorstehende Abstimmung über einen neuen Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit und die gestern eingereichte «Fair-Preis»-Initiative haben die Debatte über die Herkunft unserer Nahrung neu befeuert. Der Bundesrat scheint bereit, die Zölle für Lebensmittelimporte zu senken, um Freihandelsabkommen mit Südamerika abschliessen zu können. Die Bauern hingegen kämpfen für einen stärkeren Schutz einheimischer Produkte.

Schweizer Lebensmittel reichen aber längst nicht mehr aus, um die helvetischen Mägen zu füllen. Erst gestern schrieb diese Zeitung über den nahenden Apfelnotstand. Damit wir in den kommenden Monaten nicht vor leeren Gala- und Boskoop-Regalen stehen, muss die Schweiz bis im März 6000 zusätzliche Tonnen Äpfel importieren.

Die Äpfel sind aber nur die Spitze des ausländischen Nahrungsmittelbergs, den die Schweiz jährlich importiert. Das zeigen neue Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung. Die Zahlen geben an, wie sich der Nahrungsmittelimport über die vergangenen Jahre entwickelt hat (siehe Grafik unten). Gegenüber dem Jahr 1990 hat der Import von Nahrungs- und Genussmitteln um insgesamt 1,8 Millionen Tonnen jährlich zugenommen. Das hat nicht nur mit dem Bevölkerungswachstum zu tun. Auch die Pro-Kopf-Menge ist deutlich gewachsen. 1990 importierte die Schweiz pro Einwohner noch 344 Kilo Lebensmittel, 2016 waren es 490 Kilo.

Ohne Importe gehts nicht mehr

Fertigprodukte fallen besonders schwer ins Gewicht. Sie machen rund einen Fünftel der Importzunahme aus. Vor allem ausländische Back- und Teigwaren scheinen es den Schweizer Konsumenten angetan zu haben. Nachvollziehbar ist die Zunahme in den beiden Bereichen «Kaffee, Tee und Gewürze» sowie «Zucker und Kakao» (je 6 Prozent). Auch der wachsende Import von exotischen Früchten (plus 6 Prozent), die in der Schweiz nicht kultiviert werden können, erstaunt kaum. Stark gewachsen ist aber auch der Anteil von importiertem Gemüse. Trotz den Einfuhrzöllen führte die Schweiz im vergangenen Jahr 14 Kilogramm mehr Gemüse pro Kopf ein als noch 1990. 11 Kilogramm entfielen dabei alleine auf Kartoffeln.

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, erstaunen diese Zahlen nicht. Die Schweizer Landwirtschaft sei seit 1990 grundlegend neu ausgerichtet worden. «Nachhaltigkeit, geschlossene Kreisläufe, Biolandbau, integrierte Produktion, aber auch Biodiversität haben einen hohen Stellenwert erhalten. Dadurch ist die Produktion deutlich weniger intensiv», sagt Ritter. Die Schweiz wäre gar nicht in der Lage, ihren gesamten Nahrungsmittelbedarf selber herzustellen. Nur bei der Milch und beim Käse könne eine gewisse Menge exportiert werden, sagt der Bauernverbands-Präsident. «In allen anderen Bereichen sind wir auf Importe angewiesen.»

Kein Verzicht auf «Fiji»-Wasser

Anders sieht die Situation beim Mineralwasser aus. Obwohl Schweizer Produzenten laut dem Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) in der Lage wären, den gesamten inländischen Mineralwasserbedarf abzudecken, hat die Schweiz den Mineralwasserimport seit 1990 fast verdreifacht. Pro Kopf waren es 2016 insgesamt 73 Liter mehr als 1990. SMS-Sprecherin Christiane Zwahlen erklärt auf Nachfrage: «Gerade in der Gastronomie zählt das Gesamtpaket: In einer italienischen Pizzeria bestellt man dann halt vielleicht ein italienisches Mineralwasser.» Produkte wie das umstrittene «Fiji-Wasser» von den südpazifischen Fidschi-Inseln sollen nach Meinung des SMS ihren Platz im Schweizer Markt behalten, auch wenn es mengenmässig problemlos ohne sie ginge. «Es ist nicht an uns als Verband, einzelne Produkte zu beurteilen», sagt Zwahlen.