Mikrowohnungen
Leben auf 20 Quadratmeter, bald auch in der Schweiz?

Wer in London eine bezahlbare Wohnung sucht, sucht lange. Meistens sind die Objekte zu teuer oder dezentral, vor allem für Junge. Und auch in der Schweiz sieht die Situation nicht merklich besser aus. Mikrowohnungen wären da eine Alternative.

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New York, London und Zürich haben eines gemeinsam: Man sucht lange, um eine Wohnung zu finden. Im Gegensatz zu diesen Metropolen macht man in der Schweiz aber wenig, um das zu ändern. New York und auch London haben eine Lösung gefunden, auf wenig Platz viel Wohnung anzubieten. Das Prinzip nennt sich Mikrowohnung.

London versucht das Problem von überteuerten und dezentralen Wohnungen mit Mikrowohnungen in den Griff zu bekommen. Die Wohnungen der englischen Firma Pocket sind zwischen 9 und 20 Quadratmeter gross und sind ab 304 Dollar pro Woche zu haben. Das klingt im ersten Moment nach viel Geld für so wenig Platz.

Die Wohnungen sind aber alle möbliert und all inclusive. Alle Nebenkosten sind bereits abgerechnet und zudem gibt es einen Wasch- und Putzdienst sowie einen Portier. Alle Wohnungen befinden sich zudem im Zentrum von London.

Zürich und Genf mit hoher Leerwohnungsquote

Auch in Zürich und Genf sucht man bereits heute sehr lange für eine Wohnung im bezahlbaren Bereich. Mit 471 leeren Wohnungen im 2014 wurden in Zürich zwar fast doppelt so viele leere Wohnungen registriert wie im Vorjahr, jedoch befinden sich diese Wohnungen oft im höheren Preissegment.

Im Jahr 2013 hatte eine Schweizer Wohnung im Durchschnitt knapp 100 Quadratmeter. Mikrowohnungen wirken dagegen mit ungefähr 20 Quadratmeter wirklich eher mikrig. Sind diese Mikrowohnungen womöglich auch eine Lösung für die 10-Millionen-Schweiz?

«In der Schweiz gibt es bereits verschiedene Projekte, bei denen Kleinwohnungen mit einer Grösse von rund 40 Quadratmeter erstellt werden. Projekte mit einem grossen Anteil an noch kleineren Wohnungen sind mir aber nicht bekannt», sagt Robert Weinert von Wüest und Partner.

In der Schweiz würden aber andere Massnahmen unternommen, um mehr Wohnraum zu schaffen. «Verschiedene Kantone oder Gemeinden errichten Sonderzonen, stellen Bauland zur Verfügung oder fördern den Bau von Sozialwohnungen», so Weinert weiter.

Zentral zwar kleinere, aber keine Mikrowohnungen

In der Schweiz gibt es noch keinen eindeutigen Trend hin zu kleineren Wohnungen. Zwar seien in zentralen Lagen jüngst wieder vermehrt kleinere Wohnungen gebaut worden. Aus schweizweiter Perspektive zeige sich aber, dass die Wohnflächen in der Vergangenheit grösser geworden wären, so Weinert.

Mit dem Wohntrend aus New York und London wären also Alternativen zu dichtem Wohnen in grossen Städten da. Es scheint aber, dass der Wohnungsmarkt in Zürich und Genf noch nicht prekär genug ist, dass neue Wohnformen wie die Mikrowohnungen ernsthaft erwogen werden.

Doch Robert Weinert wagt Zukunftsaussichten: «Grundsätzlich sind mobiles Wohnen und Mikrowohnungen als Nischen im künftigen Wohnungsmarkt vorstellbar. Bereits heute baue man vermehrt individualisiert.» Dies führe zu unterschiedlichen Bedürfnissen und damit auch zur Nachfrage von kleinen Wohnungen. (ode)