Eklat in der CVP
Laufen der CVP ihre Schäfchen davon?

CVP-Nationalrat Thomas Müller wechselte kürzlich zur SVP. Der Freiburger Parteipräsident Emanuel Waeber hat den Bettel hingeschmissen und flirtet ebenfalls mit der SVP. Was ist los bei der CVP?

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Sie garantiert politische Stabilität, fühlt sich verantwortlich für das erfolgreiche Land Schweiz und fordert eine respektvollere Politik: Die CVP. Noch im Februar liessen die Christdemokraten verlauten, den Wähleranteil von 14,5 auf 17 Prozent erhöhen zu wollen. Zusätzlich sollten drei Nationalratssitze dazugewonnen werden und im Ständerat möchte die CVP ihre führende Rolle beibehalten. Und so beten Exponenten der Christdemokraten im Superwahljahr 2011 fromm ihr Mantra von einer besseren Schweiz herunter.

So weit so gut. Und so proper sich die Christdemokraten zu positionieren versuchen, so unliebsam muss es ihnen sein, dass in den vergangenen Tagen gerade zwei wichtige Exponenten der Partei den Rücken kehren.

Wechsel zur SVP?

Gestern gab der Präsident der CVP Freiburg, Emanuel Waeber, seinen sofortigen Rücktritt aus der CVP-Fraktion im Grossen Rat bekannt. Laut «Blick» stört es den Kantonalpräsident, dass die Junge CVP bei allen Unternehmen, an denen der Staat mitbeteiligt ist, Transparenz bei Kaderlöhnen fordert. Zudem soll ihm sauer aufstossen, dass die CVP-Sektion seines Bezirkes Sense einen FDP-Kandidaten unterstützen wolle.

Nun spekuliert die Boulevardzeitung, ob Waeber gar mit einem Wechsel zur SVP liebäugelt wie sein Parteikollege Thomas Müller in St. Gallen, der im Januar zur SVP wechselte. Angeblich soll Waeber bereits mit den Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime gesprochen haben.

Familienpolitik ohne Familienpolitiker

Und mit dem Schwyzer Nationalrat Reto Wehrli, der im Herbst bei den Nationalratswahlen nicht mehr antreten wird, verlieren die Christdemokraten ein äusserst populäres Zugpferd im Superwahljahr 2011. Er ist einer der hartnäckigsten Kämpfer für das gemeinsame elterliche Sorgerecht. Familienpolitik eben - ein Kernthema der CVP.

Die Gründe für den Rücktritt seien rundum persönlicher Natur, heisst es in einer Medienmitteilung von Wehrli. Vor allem seine junge Familie und darüber hinaus sein Freundeskreis sollten wieder mehr und besser zu ihrem Recht kommen, ebenso sein berufliches Engagement. Trotzdem: Die CVP tut gut daran, ihre Schäfchen bei Laune zu halten. (sza)