Strassenverkehr
Lastwagen-Lobby will Nachtfahrverbot um zwei Stunden kürzen

Eigentlich gilt ein Nachtfahrverbot für Lastwagen zwischen 22 und 5 Uhr. Doch nun will der Schweizerische Gewerbeverband und der Nutzfahrzeugverband die Sperrzeiten lockern. Doch das stösst auf Kritik.

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Für Lastwagen gilt in der Schweiz ein Nachtfahrverbot von 22 bis 5 Uhr. Ausnahmen gibt es zum Beispiel für frische Lebensmittel. Wie die SRF-Sendung "Rundschau" am Mittwochabend berichtet, will die Lastwagen-Lobby das Verbot weiter aufweichen. Abends sollen Chauffeure bis 23 Uhr fahren dürfen, morgens bereits ab 4 Uhr. Damit will der Schweizerische Gewerbeverband die Strassen entlasten: "Es gibt weniger Stau und das nützt letztlich allen", sagt Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Auch der Schweizerische Nutzfahrzeugverband plädiert für eine Lockerung des Verbots, weil immer mehr Produkte sehr kurzfristig geliefert werden müssen. Die Arbeitsbedingungen würden sich dadurch für die Chauffeure nicht verschlechtern, glaubt Vorstandsmitglied und Unternehmer Peter Galliker: "Die Chauffeure wollen einen guten Job machen, fahren und nicht im Stau stehen."

Der Transportunternehmer Galliker lässt bereits heute 25 Lastwagen in der Nacht fahren. Das Bundesamt für Strassen hat im Jahr 2011 erstmals ausgewertet, wie viele Lastwagen in der Nacht auf der Strasse sind. Bei der Messstelle auf der Autobahn A1 in Deitingen SO sind es durchschnittlich 411 – das ist fast jede Minute ein Fahrzeug. Auf der Umfahrung Winterthur sind es 294 Lastwagen, bei Muttenz auf der A2 waren es im Schnitt 293 Fahrzeuge.

Der Verein Alpeninitiative wehrt sich gegen eine Kürzung des Nachtfahrverbots. „Man würde das Lärmproblem, das wir sehr stark in der ganzen Schweiz haben, verschärfen", sagt Geschäftsführer Alf Arnold. Zudem würde die Verlagerungspolitik gefährdet: Die Politik hätte ganz bewusst der Bahn in der Nacht einen Wettbewerbsvorteil verschafft.