Schweiz
«Lästerung der Nationalflagge»: Chinas Botschafter protestiert bei «Weltwoche»-Chefredaktor Köppel

Eine Illustration sowie der Inhalt mehrerer Artikel in der «Weltwoche» haben den Botschafter der Volksrepublik in Bern verärgert. Er fordert Chefredaktor und SVP-Nationalrat Roger Köppel dazu auf, die Ausgabe zurückzuziehen. Pikant: Der Botschafter ist regelmässiger «Weltwoche»-Kolumnist.

Christoph Bernet
Drucken
Roger Köppel mit einer «Weltwoche»-Ausgabe (Archivbild 2015).

Roger Köppel mit einer «Weltwoche»-Ausgabe (Archivbild 2015).

Keystone / Ennio Leanza

«Fake News», «Beleidigungen», «unbegründete Anschuldigungen», «Lästerung der chinesischen Nationalflaggen»: Es sind deutliche Worte, mit denen die chinesische Botschaft in Bern die Ausgabe der «Weltwoche» vom 26. März kritisiert.

Botschafter Geng Wenbing hat deswegen bei der «Weltwoche» interveniert. Er habe eine «ernsthafte Abklärung» gegenüber «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel gegeben, heisst es in einer auf der Botschaftswebsite aufgeschalteten Mitteilung. Geng forderte den SVP-Nationalrat dazu auf, die «Fehler klarzustellen», das «Fehlverhalten sofort einzustellen» sowie die Ausgabe einzustellen und die bemängelten Artikel aus dem Online-Archiv zu löschen.

Den Zorn der chinesischen Vertretung dürfte vor allem ein Artikel mit dem Titel «Das chinesische Virus» erweckt haben. Darin vergleicht Redaktor Peter Keller, seines Zeichens ebenfalls SVP-Nationalrat, wie die USA und China unterschiedlich mit dem Coronavirus umgehen. Illustriert ist der Text mit einer chinesischen Flagge, auf der statt den gelben Sternen Coronaviren zu sehen sind. Dabei liess sich die «Weltwoche» von der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» inspirieren, welche eine ähnliche Abbildung bereits im Januar veröffentlicht hatte – was die chinesische Botschaft in Kopenhagen zu einer Protestnote veranlasste.

«Wir berichten differenziert und vielfältig»

Auf Anfrage von CH Media will Roger Köppel nicht verraten, ob und in welcher Form er direkt mit Botschafter Geng Wenbing in Kontakt gestanden ist. Fakt ist: Die betreffende Ausgabe der Zeitschrift befindet sich weiterhin vollständig im Online-Archiv.

Interessant ist, dass der intervenierende Botschafter Geng Wenbing ab April 2019 monatlich eine Kolumne in der «Weltwoche» veröffentlichte, in welcher er aus Sicht des Regimes über China schrieb. Der letzte Beitrag des Botschafters ist im Januar 2020 erschienen. Trotz der harschen Kritik sei der Botschafter weiterhin «herzlich dazu eingeladen, in der «Weltwoche »seine Sicht der Dinge kundzutun», sagt Köppel gegenüber CH Media. Die Reaktion der Botschaft zeige, dass in der «Weltwoche» auch Platz für kritische Betrachtungsweisen zu China sei: «Entgegen dem, was andere Medien behaupten, berichtet die Weltwoche differenziert und vielfältig», sagt Köppel.

Er spielt damit auf einen Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Dezember 2019 an. Der NZZ lagen brisante E-Mails vor. Diese sollen zeigen, dass die chinesische Botschaft in Bern die Kosten für ganzseitige Inserate in der «Weltwoche» übernommen hatte, mit denen in der Schweiz tätige Firmen aus China für sich warben. Kosten pro Inserat: über 10'000 Franken. Der implizite Vorwurf an die Weltwoche lautete, dass sie für Geld eine chinafreundliche Berichterstattung im Sinne der Botschaft macht.